Stilles Ende einer kultigen Kneipe

Musik war Trumpf in der Piano Bar.
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Musik war Trumpf in der Piano Bar.

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15. Mai 2010, 01:57 Uhr

Ludwigslust | Die Piano Bar war das gemeinsame Werk von Frauke und Dieter Mohn. Nach dem Tod seiner Frau zog Dieter Mohn einen Schlussstrich und nahm Anfang April Abschied von einem Kneipen-Projekt, das sich durch Kunst- und Kulturangebote einen besonderen Stellenwert in Ludwigslust erarbeitet hatte.

Auf der Festplatte eines tragbaren Computers hat Dieter Mohn Erinnerungen gespeichert. Es braucht ein paar Minuten, bis er den Ordner mit den Digital-Fotos gefunden hat. Im Moment dauert es bei ihm alles noch ein bisschen länger, im Moment laufen die Gedanken noch kreuz und quer. Da ist dieses riesige Loch, das der Tod gerissen hat. Da sind diese Ideen, die dieses Loch nicht zu stopfen vermögen, aber das Gefühl vermitteln: Es geht weiter. Aber ohne seine Frau, die mit 49 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren hatte, und ohne die Piano Bar, an der beide so hingen. "Da sind die Fotos", sagt Dieter Mohn und klickt sich durch Fotografien, die zwei gemütliche Räume mit kleinen Sitzecken und rot gestrichenen Wänden zeigen, einen wuchtigen Tresen und ein altes Piano. Mit Herzblut und stilvollem Händchen haben er und seine Frau die 70 Quadratmeter in der ehemaligen Dampf-Wäscherei gestaltet und nebst viel Kreativität mit Leben gefüllt.

Ursprünglich als "Galerie an der Bleiche" gestartet, musste Dieter Mohn sein Konzept bald umstellen. "Nur mit Kunst konnte ich kein Geld verdienen", sagt der 53-Jährige. Aber auf die Kunst sollte auch nicht verzichtet werden, und so wurde es eine Mischung aus Kneipe und Kultur. Theater, Lesungen, Kabarett, Kino-Vorstellungen und immer wieder Musik. "Hier spielten wohl über 100 Bands", zählt Mohn zusammen. Jazz-, Rock- oder Blues-Konzerte, gestandene Künstler bis hin zum Nachwuchs, der sich im Rahmen einer offenen Bühne ausprobieren konnte - die Piano Bar avancierte zum Szene-Treffpunkt. Doch mit diesem Anspruch wurde sie für die Mohns auch zur Bar jeder finanziellen Vernunft. "Wir mussten oft genug Geld zuschießen", sagt Mohn. Das finanzielle Standbein war der Friseurladen nebenan, den Ehefrau Frauke führte.

Dieter Mohn hat nun einen Schnitt gemacht. Er hat die Räume in dem alten Ziegelbau verlassen und ein paar Straßen weiter einen neuen Friseurladen eröffnet. "Es fiel mir absolut schwer, aber ohne meine Frau wollte ich die Piano Bar einfach nicht weiterführen", sagt Mohn, der sich gewünscht hatte, dass sein Nachfolger die Kneipe im altbekannten Stil fortführen werde. "Aber sein Konzept ist ein anderes", sagt der gelernte Maler und Schauwerbegestalter. Irgendwann, wenn er Abstand zu den Ereignissen der vergangenen Monate gefunden hat, will Mohn eine kleine Werbeagentur eröffnen. Und er möchte weiter dafür sorgen, dass es in der Kreisstadt eine lebendige Kulturlandschaft gibt. Veranstaltungen über eine Bühne bringen, das kann er sich auch in Zukunft vorstellen. Nur eben nicht mehr in der Piano Bar, die er zuletzt in den PianoBarClub umbenannt hatte. Für ihn ist die Kneipe Geschichte, mit der er aber auch in Zukunft viele Geschichten verbinden wird.

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