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Lokales

20. September 2017 | 06:02 Uhr

Unordnung : Stille Entrüstung über Schandfleck

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Das Grundstück fällt jedem, der vorbeifährt, ins Auge. Dömitzer sprechen hinter vorgehaltener Hand vom „Müllwärterhaus“. Stadtvertreter sehen keine Handhabe, um aufzuräumen.

svz.de von
erstellt am 16.Nov.2011 | 12:25 Uhr

Das Grundstück in zentraler Stadtlage am Hafen fällt jedem, der vorbeifährt, ins Auge. Radfahrer und Fußgänger werfen dann schon einmal schnell einen Blick auf den einstigen Stellwerkturm und das Drumherum. Dort sehe es schon aus, wie es einschlägige Fernsehsendungen gerne vorzeigen: Dämm- und Baustoffe, ein altes Fahrrad und verrostete Überbleibsel lagern draußen. Dem Wetter schutzlos ausgesetzt, stehen auch Briketts noch in der Verkaufsfolie eingehüllt vor dem Gebäude, zwei Oldtimer sind wie auch ein Wohnwagen, der schon bessere Zeiten erlebt hat, in einiger Entfernung zum Haus mit den über 50 Fenstern abgestellt. Auch von einem gepflegten Garten könne ja wohl überhaupt keine Rede sein, da feierten Unkraut und Schutt eine Hochzeit, befand eine Nachbarin des derzeit arbeitssuchenden Eigentümers vom Hafenplatz 2.

Es gehe keine Gefahr aus, deshalb keine Handhabe

Die Dömitzer regen sich im Stillen schon mächtig über die Lebensart von Georg Frese auf, doch sie scheinen ohnmächtig gegen den nach ihrer Einschätzung im "Müllwärterhaus" lebenden Neubürger zu sein. Dazu passt auch die Antwort aus dem Rathaus der Stadt: Es gehe von dem Grundstück keine öffentliche Gefahr für Sicherheit und Ordnung aus, daher bestehe auch keine Handhabe, dort aufzuräumen.

Für den seit über zehn Jahren in Dömitz wohnenden Georg Frese ist alles auf seinem Grundstück "Am Hafenplatz 2" so wie es ist in Ordnung. Das empfinden viele Dömitzer aber ganz und gar nicht. Da wird seit Jahr und Tag hinter vorgehaltener Hand ordentlich gewettert, von Zwangsmaßnahmen bis Enteignung reichen die Forderungen aus Volkesmund. Nachdem der gebürtige Hamburger im Jahre 2000 sein Grundstück in der Prignitz verkauft hat und in das ehemalige Stellwerk des Bahnhofs Dömitz eingezogen war, scheint der 57-jährige St. Paulinianer ein rotes Tuch für die Dömitzer zu sein.


Die Vorbesitzer hätten viel Unordnung hinterlassen

Frese hat auf all die Vorwürfe entsprechende Antworten, sieht sich nicht in der Rolle eines Eigentümers mit vermülltem Grundstück. In früheren Zeiten habe er seinen Lebensunterhalt als Selbstständiger im Baugewerbe verdient, blickt Frese auf Zeiten vor der Wende zurück. Dann habe er 1994 ein Grundstück in der Prignitz erworben, sei dort aus mehreren Gründen aber nicht glücklich geworden. In das Dömitzer Gebäude habe er sich verliebt. Die unverbaute Lage, das Grundstück und besonders die vielen Fenster mit dem einmaligen Ausblick hätten es ihm angetan. Er kaufte das Gebäude mit einer Grundfläche von 40 Quadratmetern.

Das Geld wurde knapper, die Arbeit mit dem neuen Eigentum dafür mehr, erläutert der heute Arbeitssuchende. "Die Regelung mit der Stadt über die Grundstücksgrenzen haben zehn Jahre lang viel Geld verbraucht. Das sei in einer böswilligen Absicht geschehen", behauptet Frese. Vor Jahren hätte er das Geld noch aufbringen können, um einen Zaun zu bauen, das sei heute nicht mehr möglich. Zudem hätten die Vorbesitzer wohl viel Unordnung hinterlassen. Das Gebäude sei durch die ehemalige Verwendung sehr verschachtelt, so dass für ihn zum Wohnen nur das oberste Geschoss übrig blieb. Doch der Ausblick entschädige für so manches Ungemach. Das beginne bereits beim Beheizen. Die vor dem Haus abgestellten Briketts müssen dort auch diesen Winter über bleiben, denn im Haus gebe es keinen ausreichenden Platz. Deshalb müsse er ständig Obacht geben, ob sich nicht, wie geschehen, Diebe an dem Haufen versuchen. Aber es werde sich auch für Werkzeug "interessiert".

Um Georg Frese und seinem Grundbesitz ranken sich in Dömitz viele nebulöse Geschichten. Er gilt als nicht einfacher Mensch, der mit Vorsicht zu genießen sei. Er selbst sieht sich als lebensbejahenden Zeitgenossen, der andere in Ruhe lasse, wenn man ihn in Ruhe lässt.

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