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Neue Vorwürfe gegen die "Yachthafenresidenz Hohe Düne" : Steuerhinterziehung im Nobelhotel?

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Neue schwere Vorwürfe gegen die "Yachthafenresidenz Hohe Düne" in Warnemünde und ihren Geschäftsführer Per Harald Lökkevi. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

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erstellt am 02.Mär.2011 | 08:29 Uhr

Rostock | Neue schwere Vorwürfe gegen die "Yachthafenresidenz Hohe Düne" in Warnemünde und ihren Geschäftsführer Per Harald Lökkevik. Nach Informationen unserer Redaktion ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft gegen den norwegischen Geschäftsmann nicht nur wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug, sondern auch in zwei weiteren Verfahren wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Laut Staatsanwaltschaft habe der 48-jährige Großinvestor für eines seiner Unternehmen die Bauabzugssteuer beim Finanzamt unterschlagen. Angegebener Schaden: Zwei Millionen Euro.

Wie Behördensprecherin Maureen Wiechmann sagte, soll der Geschäftsführer außerdem im Zeitraum zwischen 2007 und 2009 Sozialbeiträge und Steuern für Angestellte der "Yachthafenresidenz Hohe Düne" nicht abgeführt haben. Stattdessen habe er weisungsgebundene Mitarbeiter als Scheinselbstständige beschäftigt.

Geschäftsmann Lökkevik sitzt seit Anfang vergangenen Monats in Untersuchnungshaft. Eine Freilassung auf Kaution in Höhe von 270 000 Euro lehnte das Gericht ab. Haftgrund: Fluchtgefahr.

Mit seiner Subventionsaffäre sorgt der Norweger seit Bekanntwerden Ende 2010 für Schlagzeilen. Ihm wird vorgeworfen beim Bau der 120 Millionen Euro teuren "Yachthafenresidenz Hohe Düne", zu Unrecht 47,5 Millionen Euro an Fördermitteln kassiert zu haben. Er habe die Gesellschaft künstlich in zwei Projekte aufgespalten, um den Fördersatz von 50 Prozent zu erhalten - während die Ermittler davon ausgehen, dass das Projekt als Großunternehmen nur mit einem Satz von 35 Prozent gefördert werden durfte. Nach Informationen unserer Zeitung waren die Fahnder dem mutmaßlichen Subventionsbetrug im Sommer vergangenen Jahres auf die Spur gekommen, als sie wegen der Steuerhinterziehungen ermittelten.

Die "Yachthafenresidenz Hohe Düne" mit 386 Zimmern und großer Marina wurde im Herbst 2005 eröffnet. Das Prestigeobjekt hatte damals für die rot-rote Landesregierung höchste Priorität. Denn mit dem Projekt bewarb sich Rostock 2004 um die Olympischen Segelwettbewerbe 2012. Den Förderbescheid über knapp 50 Millionen Euro unterschrieb am 23. Dezember 2003 der damalige Wirtschaftsstaatssekretär Reinhard Meyer, heute Chef der Staatskanzlei. Otto Ebnet, damals Wirtschaftsminister, hatte sich schnell in den Weihnachtsurlaub verabschiedet. Meyer will sich mit dem Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zu dem Verfahren äußern.

Möglicherweise kommt die Subven tionsaffäre das Land Mecklenburg-Vorpommern noch teuer zu stehen. Die EU-Kommission ermittelt, weil ein Großteil der Fördermittel für "Hohe Düne" aus Brüssel kamen. Rückforderungen in Millionenhöhe sind nicht ausgeschlossen. Das Wirtschaftsministerium hat zu den Vorwürfen bereits pflichtgemäß eine so genannte Unregelmäßigkeitsmeldung über die Bundesregierung zur EU-Kommission geschickt.

Wegen der Affären um die "Yachthafenresidenz Hohe Düne" zittern derzeit auch 2300 Anleger um ihr Geld. Denn zum Firmengeflecht des Per Harald Lökkevik gehört auch die "Bema-Investitions- und Beteiligungsgesellschaft mbH". Die Bema baute 1999 in Mahlow bei Berlin mit dem Geld von knapp 3000 stillen Gesellschaftern Mietwohnungen, ein Hotel und Gewerbeobjekte. Umgerechnet 75 Millionen Euro kamen damals nach Schätzungen des Frankfurter Rechtsanwalts und Steuerrechtsspezialisten Rudolf von Laun zusammen. Das Versprechen auf hohe Rendite erfüllte sich für die Anleger bislang nicht. Es könnte sogar noch dicker kommen, befürchtet der Fachanwalt. "Eventuelle Rückforderungen aus der Subventionsaffäre könnten auch die Bema beeinträchtigen."


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