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Andreas Friedrich ist Bester seines Gewerks Wariner Zimmerer zu Bundesvergleich

Von Rüdiger Rump | 06.11.2012, 07:23 Uhr

Der 20-jährige Andreas Friedrich aus Warin nimmt nach seiner erfolgreichen Ausbildung als Jahrgangsbester seines Gewerks in MV am Wettbewerb des Bundesvergleichs in Trier teil.

Auf Andreas Friedrich wartet an diesem Freitag eine außergewöhnliche Herausforderung. Es dreht sich um keinen besonders kniffligen Auftrag auf einer Baustelle. Es ist überhaupt keine Baustelle, wie er sie kennt, wenngleich handwerkliches Können gefragt ist. Der 20-jährige Wariner nimmt am Bundesausscheid junger Zimmerer teil, der übermorgen in Trier beginnt. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung im August wurde er als Jahrgangsbester seines Gewerks im Landkreis Nordwestmecklenburg und in MV für den dreitägigen Wettbewerb nominiert. Bereits seit Montag läuft in Kassel die gemeinsame Vorbereitung darauf.

Nach dem Abschluss der zehnten Klasse am Gymnasium in Neukloster absolvierte der Wariner seine Ausbildung in der Zimmerei & Holzbau Eckert GmbH, ebenfalls in Neukloster. "Ich war dort in der neunten Klasse zum Praktikum. Das machte mir viel Spaß, so dass ich mich beworben habe", erklärt der junge Zimmerergeselle am Ende des letzten Arbeitstages, bevor es heißt, die Sachen für Kassel und Trier zu packen. Ins Handwerk zu gehen, habe für ihn lange zuvor festgestanden, sagt er. Diese berufliche Richtung sei ihm offenbar in die Wiege gelegt worden. "Mein Vater hat zu Hause viel gebaut, Schuppen, Carport. Als kleiner Mann war ich dabei und habe mich gefreut, was zu erschaffen. Das war von der Kindheit an so, und dabei ist es geblieben", erzählt der 20-Jährige und lächelt.

Doch genauso wie der Einstieg ins Handwerk sei "von vornherein klar" gewesen, woanders zu lernen, nicht beim eigenen Vater. "Und im Rückblick war das gar nicht so schlecht", meint er. Bei diesen Worten treffen sich die Blicke von Sohn und Vater. "Ich hatte überhaupt kein Pro blem damit, sagte nur, ,überlege dir, was du willst’. Und die Entscheidung traf dann Andreas", so Dirk Friedrich, Inhaber der gleichnamigen Bedachungs GmbH in Warin. Er hat sich 1998 mit Ehefrau Regina, die die Buchhaltung erledigt, selbstständig gemacht und heute neun Angestellte. Den Familienbetrieb, die Firma Bröcker, gäbe es schon über 100 Jahre in Warin. "Ich habe hineingeheiratet, vorher bei meinem Schwiegeropa gelernt, später auch im Betrieb des Schwiegervaters als Meister gearbeitet und dann mit einem Teil der Mitarbeiter die eigene Firma gegründet", umreißt Dirk Friedrich seinen beruflichen Werdegang und die Entwicklung des Betriebes. In den ist nach dem Berufsabschluss im August auch der Sohn gewechselt. Zimmerei und Dachdeckerei würden heute teils ineinander greifen. Früher sei das strikt getrennt gewesen, da habe ein Gewerk dem anderen nicht ins Gehege kommen dürfen. Doch jetzt könne er, meint der junge Geselle, vieles von dem, was er als Zimmerer gelernt hat, auch im Dach deckerbetrieb gut anwenden. Dass es hier für ihn heißt, sich eine Reihe weiterer Fertigkeiten anzueignen, ist dem 20-Jährigen klar. "Man lernt nie aus", lautet ohnehin seine Devise. Der lockere Umgang mit den Kollegen erleichtere ihm das. "Wenn man ausgelernt hat, fängt man erst an zu lernen", fügt der Vater tiefsinnig an.

Der Bundesausscheid werde ein großer Gewinn für ihn sein, egal wie er abschneidet, ist Andreas Friedrich überzeugt. Einmal für seine Arbeit und dann für die Meisterausbildung, die im Januar in Wismar beginnen soll und drei Jahre dauert, jeweils freitags am Nachmittag und sonnabends. Beim Schiften rechne er mit keinerlei Unterschieden zwischen den jungen Zimmerern aus ganz Deutschland, wohl aber in der Bauausführung, denn im Süden werde viel mehr mit Holz gearbeitet. "Es gibt viele Wege nach Rom. Die Kunst des Handwerks ist es, so zu bauen, dass es passt und gut aussieht", bringt es der Wariner auf den Punkt. Er ist von seinem Beruf so angetan, dass er kein Hobby brauche. Er bastle noch gern, und die verbleibende Freizeit gehöre der Freundin.

"Ziemlich aufgeregt" ist der junge Mann schon länger, wenn die Sprache auf den bevorstehenden Wettbewerb kommt, bekennt er freimütig. Er habe sich im Internet die Prüfungsstücke von den Bundesausscheiden der Vorjahre angesehen. "Die sind sehr anspruchsvoll. Manches habe ich in meiner Ausbildung noch nicht gemacht." Er hoffe aber, bei der Vorbereitung in Kassel sich mit allem vertraut machen zu können, was im Wettbewerb abverlangt werde. Zu verlieren habe er ohnehin nichts. "Das ist für mich die einmalige Chance im Leben, so was mal mitmachen zu können", meint der Wariner und freut sich schon auf den Wettstreit mit etwa gleichaltrigen Berufskollegen aus allen Bundesländern.