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Warin Vierte Ausgabe von Wariner Sekt

Von Rdiger Rump | 23.12.2016, 21:00 Uhr

Das Bild auf dem Etikett ist diesmal von dem 2007 verstorbenen Hobbymaler Helmut Sobczyk. Die Tochter sieht darin schöne Erinnerung an den Vater.

Rechtzeitig zu Weihnachten und Silvester ist die vierte Ausgabe des Wariner Sektes geliefert worden. Sie enthält 500 Flaschen aus der Hanse-Sektkellerei Wismar, jeweils zur Hälfte trocken und halbtrocken. Bürgermeister Michael Ankermann ließ als Erste Annelie Sobczyk davon kosten. Und das aus gutem Grund: Von ihrem 2007 mit 87 Jahren verstorbenen Vater Helmut Sobczyk stammt diesmal das Bild auf dem Etikett, ein in Öl gefasster Blick von der so genannten Seufzerbrücke zur Stiftskirche.


Für jede Edition ein anderes Motiv

Für jede Edition wurde ein anderes Motiv von Künstlern aus der Region ausgewählt. Den Anfang machte Ende 2010 die Wariner Hobbymalerin Barbara Hamann mit einem Aquarell. Ihr folgte im Herbst 2012 Sandra Wendt, mit Examen als Apothekerin und zwei Jahren Studium in Malerei an der Fernakademie Hamburg. Die gebürtige Warinerin ist nun samt Familie in Neukloster zu Hause. Für die dritte Ausgabe Anfang 2015 lieferte Brunhilde Handorf aus Groß Labenz das Bild auf dem Etikett, ein stilisiertes Motiv mit den Warin prägenden Seen, Kirche, umliegenden Gebäuden und als besondere Note einbezogen die Sage von der Prinzessin am Rübenberg.

Bei der Suche nach einem neuen Motiv seien die Bilder von Helmut Sobczyk ins Auge gefallen, die im Flur des Rathauses hängen. „Warum in die Ferne schweifen, haben wir uns gedacht“, sagt der Bürgermeister. „Na ja!“, habe sie erst gedacht, als sie angesprochen wurde, so Annelie Sobczyk; ihr Vater habe nie viel Aufhebens um seine Person gemocht. Doch bei genauerem Überlegen sei bei ihr die Erkenntnis gekommen, dies sei eine schöne Erinnerung an ihn. Jetzt freue sie sich darüber.

Auf den Bildern im Rathaus seien die Farben mit der Zeit ein wenig blasser, bei der Reproduktion für das Etikett aber wieder richtig frisch
geworden. „Sie haben echt gewonnen, ohne dadurch kitschig zu wirken“, findet der Bürgermeister, der geradezu überwältigt ist von der Fülle der Arbeiten, die der begeisterte Hobbymaler hinterließ. Seine Tochter hat einen Hefter, der eine Auswahl zeigt, mitgebracht. Christine Schrein, Mitarbeiterin im Rathaus, fällt das Bild von der alten Mühle auf, die heute doch etwas anders aussehe. Imposant zum Beispiel auch die Lindenallee, die sich ca. einen Kilometer am östlichen Ufer des Großen
Wariner Sees entlang zieht, ebenfalls verändert hat und als schmalste Lindenallee in Mecklenburg-Vorpommern gilt. Sie ist in Feinheiten gemalt fast wie ein Foto.

Rund 200 Ölbilder und Zeichnungen dürften es insgesamt sein, schätzt Annelie Sobczyk, neben vielfältigen Ansichten von Warin und
Umgebung Porträts und Karikaturen, Letztere teils „im Zille-Stil“, wie Michael Ankermann anerkennend meint. Und „ganz schwierig zu malen
gewesen“, so die Tochter des Hobbykünstlers, seien Motive auf Velourspapier. Die würden im Schrank liegen, damit die Sonne die Farben nicht herausziehe.

Auf einem Bild habe der Vater seine Kriegsgefangenschaft verarbeitet, fünf Jahre lang, bis in die Wüste von Aserbaidschan. „Er hat nie darüber gesprochen, außer an einem Geburtstag, als jemand danach gefragt hat. Aber das hat ihn sehr aufgewühlt, er musste mehrmals beruhigt werden.“

1949 kam Helmut Sobczyk nach Warin, wo seine Eltern bereits waren, heiratete ein Jahr später Ilse Thiel und zog mit ihr zwei Kinder groß. Die Familie stammte aus Stargard im heutigen Polen. Sobczyk arbeitete bis 1958 bei einem Malermeister, als er Rückenprobleme bekam, die nächsten 20 Jahre bei der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in Wismar als Schriftenmaler. Eine solche Werkstatt bestehe dort heute noch, weiß Michael Ankermann.

Mit dem Malen habe ihr Vater schon in der Gefangenschaft begonnen, als Rentner dann viel intensiver gemalt und fotografiert, auch musiziert, erzählt die 65-Jährige. Sie selbst habe sich lediglich im Malzirkel der Schule betätigt, „da war ich auch ganz gut“. Danach allerdings nicht mehr. Nun halte sie das etwa 1660 Quadratmeter große Grundstück allein in Schuss. Und das sehr akkurat und geschmackvoll, es sei eine
Augenweide, wie Ankermann und Schrein schwärmen.


Ein Präsent für viele Anlässe

Zurück zum Wariner Sekt: Den würden manche vor allem wegen des Etiketts kaufen, die Flasche wegstellen oder verschenken, weiß der Bürgermeister. Auch bei Geburtstagen, öffentlichen Anlässen, als Dankeschön für einen Vortrag oder unverwechselbares Repräsentationsgeschenk aus Warin komme der Sekt stets an. Zu kaufen gebe es ihn für fünf Euro im Rathaus und im Fremdenverkehrsbüro. Die Stadt verdiene daran nicht. Wariner Einzelhändlern sei freigestellt, den Sekt ebenfalls in ihr Sortiment aufzunehmen.