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Emailkünstler in dieser Woche auf dem Rothener Hof Spannende Farbspiele am Brennofen

Von Rüdiger Rump | 16.09.2011, 09:31 Uhr

Als die Platte aus dem glühenden Ofen kommt, überziehen ein dunkles Braun sowie Grau und Schwarz die Oberfläche. Nichts mehr von den drei frischen Grüntönen und dem leuchtenden Rot. Jetzt wird es spannend...

Als die Platte aus dem glühenden Ofen kommt, überziehen ein dunkles Braun sowie Grau und Schwarz die Oberfläche. Nichts mehr von den drei frischen Grüntönen und dem leuchtenden Rot. Jetzt wird es spannend, macht Takwe Kaenders vom Rothener Hof neugierig. Beim Abkühlen der Platte kommen nach und nach die zuvor in mehreren Schichten aufgetragenen Farben wieder zum Vorschein, bis die Emailarbeit ihre ganze Schönheit entfaltet hat. Takwe

Kaenders, Armgard und Manfred Stenzel aus Luckenwalde sowie der Thüringer Hans Reiche haben gespannt zugeschaut. Die Künstler sind zufrieden, beinahe jedenfalls. Denn beim genauen Hinsehen fällt auf, dass das Blattgold, die krönende Zierde des Bildes, beim Brennen etwas "weggerutscht" ist. Armgard Stenzel erneuert mit dem Pinsel die hauchdünne Schicht. Als diese trocken ist, wird die Emaille noch einmal gebrannt.

Symposium zwei Mal im Jahr jetzt an wechselnden Orten

Die vier Künstler aus drei Bundesländern gehören zur Gruppe E 6, wie sie sich selbst nennt. Das E steht für Emaille und die 6 für die Anzahl ihrer Mitglieder. Eigentlich müsste der Name einen Zusatz bekommen, denn die Gruppe ist inzwischen zu siebt. Manfred Stenzel, der mit seiner Frau ein gemeinsames Atelier hat, darin Emailbilder und Schmuck anfertigt, stieß erst später zu der Gruppe. Ihr gehören noch Bernard Misgayski, Helmut Senf und Hans-Werner Kratsch von der Insel Rügen an. Zweimal im Jahr, im Mai und September, treffen sich die Künstler, die ihre Leidenschaft für Emailarbeiten eint, zu einem Sympo sium. Über Jahre stets bei Bernard Misgayski, weil in dessen Atelier der gemeinsame Brennofen steht, jüngst einmal in Thüringen und jetzt die Premiere in Rothen. Takwe Kaenders, die sich als "Bildhauerin in Metall und Email" sieht, hat sich einen eigenen Brennofen angeschafft, der bei dem Symposium in dieser Woche eingeweiht wurde.

Nachträgliche Ausstellung zum zehnjährigen Bestehen

"Wer das Symposium ausrichtet, kann künstlerisch kaum arbeiten, das habe ich nun selbst festgestellt. Da die Gruppe inzwischen über drei Öfen verfügt, soll der Austragungsort künftig rotieren", erklärt die diesmalige Gastgeberin aus Rothen. Ein Termin wieder auf Rügen, ein besonderer allerdings, stehe indes schon fest. 2014 wird es in Putbus eine gemeinsame Ausstellung mit Katalog und allem Drum und Dran geben; leider erst nachträglich zum zehnjährigen Bestehen von E 6, weil die Orangerie dort so lange im Voraus ausgebucht sei.
Eine gemeinsame Studienreise liegt bereits drei Jahre zurück. Sie führte nach Marokko, und aus den Eindrücken ging eine Vielzahl von Emailarbeiten hervor. Die wurden dann auch in der marokkanischen Botschaft in Berlin ausgestellt.

Das regelmäßige gemeinsame Schaffen für etwa eine Woche möchte niemand aus der Gruppe missen, sagt Takwe Kaenders. Daraus resultiere eine Unmenge von Anregungen und neuen Erfahrungen. Gleichzeitig verbinde sie eine besondere Beziehung zu Armgard Stenzel. Sie fühle sich, salopp ausgedrückt, so etwas wie deren "künstlerische Tochter". Die Beiden nennen mehrere Gründe, warum sie sich der Emailgestaltung verschrieben haben. "Auf Stoff oder Papier ist es mir passiert, dass der Untergrund kaputt ging. Hier kann ich immer wieder drüber gehen", erklärt die Rothener Künstlerin. Oder wenn die Farbschicht zu dünn geraten sei, werde eine neue aufgetragen. Emaille sei lichtecht und könne daher auch im Außen bereich angebracht werden, nennt Armgard Stenzel einen weiteren Vorteil.

Mit einer Airbrush-Anlage, so erläutert Takwe Kaenders, gibt sie der Grundfläche ihre Farbe. Dann gäbe es mehrere Techniken, die Emaille, das ist mit Wasser angerührtes, farbiges Glaspulver, aufzutragen. Die Motive werden ausgekratzt, mit dem Pinsel oder einer Schablone aufgebracht. Nach einer neuen Schicht kommt die Platte, wenn die Farbe getrocknet ist, zuweilen übrigens mit Hilfe eines Föns, in den glühenden Brennofen. Der ist jetzt auf 890 Grad eingestellt. So hoch müsse die Temperatur nicht sein, sie gehe aber beim Öffnen der Tür herunter. Zwei bis drei, höchstens fünf Minuten dauert das Brennen. Dann muss die Platte zügig heraus. Dieser Vorgang unterscheide sich wesentlich von dem im Keramikofen. Der sei kalt, wenn die Objekte hineinkommen, und werde langsam auf Temperatur gebracht und wieder abgekühlt. Das gehe über Tage.

Bild aus Rothen zum Geburtstag der Frau

Ebenso wie auf Zeitdauer und Temperatur beim Brennen komme es beim Emaillieren auf die richtige Reihenfolge des Farbauftrags an, unterstreichen die beiden Künstlerinnen. Bei dem vorliegenden Bild zuerst Grau, dann das dunkle, mittlere und helle Grün, zuletzt das Rot. Das sei besonders knifflig, mache aber auch am meisten Spaß, meint Takwe Kaenders. Die beste Leuchtkraft entfalte Rot auf weißem Untergrund. Ein anderes Mal sei die Reihenfolge Weiß, Blau, Rot und zum Abschluss Blattgold.

Vor Armgard Stenzel liegen fünf kleine Platten mit Motiven aus dem Stück "Der kleine Prinz", das sie kürzlich Open air gesehen habe. Zuvor hatte die Luckenwalderin das Thema im Großformat dargestellt, Farbe in Farbe nass gesprüht. Das verringere die Zahl der Arbeitsgänge, ergebe aber vor allem "einen weicheren malerischen Duktus". Die erfahrene Künstlerin bedient sich ebenso gern des Pinsels, das sei ähnlich wie Ölmalerei. Es lasse sich auch eine Aquarellwirkung erzielen, fügt Stenzel an. "Auf Emaille können wir alles machen, nur dass die Bilder gebrannt werden", sagt sie.

Das Bild, auf dem das Blattgold erneuert wurde, ist inzwischen fertig. Beim zweiten Mal ging alles gut. Seine Frau Ines wird sich freuen, ist Hans Reiche überzeugt, es ist ein Geschenk zu ihrem Geburtstag.