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Brüel Situation ist für alle nicht leicht

Von Roswitha Sphr | 14.04.2020, 05:00 Uhr

Corona-Pandemie stellt auch Bewohner im Betreuten Wohnen und Pflegedienst der Volkssolidarität in Brüel vor Herausforderungen

Die Tische werden nicht mehr eingedeckt, auch die Stühle bleiben leer. Mittags gemeinsam in der Aula zu essen, fällt für die Bewohner des Betreuten Wohnens der Volkssolidarität in Brüel angesichts Corona aus.

„In der Gemeinschaft schmeckt es besser und viele, die nicht zu den Veranstaltungen kommen, haben so Kontakt gehabt“, weiß Hausdame Judith Hufnagel. Sich zu einem Spielnachmittag oder zu anderen geselligen Veranstaltungen zu treffen, auch das geht jetzt nicht mehr. „Wir haben auch ein Besuchsverbot ausgesprochen. Einerseits ist die Einsicht da, aber wir merken, wie schwer es für alle ist. Unsere ältesten Bewohner sind über 90 Jahre alt“, sagt Judith Hufnagel.

Und so habe es auch für die Angehörigen der beiden Bewohner, die jüngst Geburtstag hatten, nur die Möglichkeit gegeben, Geschenke im Haus abzugeben. „Es ist schwierig, gerade bei Geburtstagen oder wie jetzt zu Ostern“, weiß auch Silvia Zutz, Pflegedienstleitung der Sozialstation.

Zu Ostern bekämen alle immer eine Kleinigkeit, dieses Mal sei eine Überraschung dazu gekommen. „Von Anke Jobst aus Sternberg. Wir unterstützen sie in der Häuslichkeit bei der Pflege ihres Lebensgefährten. Frau Jobst hat vor Ostern für alle Bewohner Eierwärmer gestrickt, unter die wir dann Eier versteckt haben“, erzählt Silvia Zutz. Es habe auch eine Oma nachgefragt, ob ihr sechsjähriger Enkel nicht etwas für die Bewohner malen dürfe. Natürlich durfte er und von der Oma erhielten alle 18 Bewohner gleich noch einen netten Gruß dazu. „Unsere Bewohner freuen sich auf jeden Fall darüber“, sagt sie. Vielleicht würden auch andere Kinder etwas malen oder ihnen einfach einmal schreiben?

Eine nette Geste zu Ostern hatten sich zudem Schwestern der Sozialstation überlegt und Hausbewohnern angeboten, ihnen die Haare zu waschen und einzudrehen. „Weil angesichts Corona jetzt auch die Friseurbesuche nicht möglich sind“, sagt Silvia Zutz.

Die Schwestern der Sozialstation kümmern sich um über 100 Patienten und sind dafür bis nach Warin, Zaschendorf, Wendorf, Jülchendorf, Sternberg und Brüel im Einsatz. „Die jetzige Situation ist für uns Jüngere nicht leicht, aber für die Alten ist es noch viel schwieriger.“ Wenn der Pflegedienst jetzt mit Handschuhen und Mundschutz seine Arbeit leiste, hätten Patienten, die nicht verstünden, was Corona bedeute, regelrecht Angst, erlebt auch die Pflegedienstleiterin. 15 Gesichtsmasken hat der Pflegedienst der Volkssolidarität in Brüel von Juliane Müller von „Majestätisch“ in Güstrow bekommen. „Kostenlos. Das hilft uns ungemein. Die Stoffe sind schön, die Qualität ist super. Die Schwestern sehen freundlicher aus als mit dem weißen Schutz.“ Eine Schwester würde jetzt auch schon Masken nähen, sagt sie, denn entweder gebe es keine oder nur zu „unverschämten“ Preisen. „Die Patienten sind alle froh, dass wir kommen, aber wir fahren nicht mehr gemeinsam mit ihnen zum Einkaufen, sondern erledigen das allein mit Einkaufszettel und wir machen einen Sammeleinkauf.“