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Rothen Nicht verspielt, gradlinig und klassisch modern

Von Stefanie Milius | 25.03.2012, 06:19 Uhr

Ein kleiner Holztisch steht in einer Ecke des Wintergartens.

Der Tisch ist eigentlich eine Werkbank. Nicht breiter als einen Meter bietet sie nur Platz für eine Person. Auf der Werkbank stehen Gläser, gefüllt mit unzähligen Zangen, Feilen in Form von Metallstäben und Pinzetten. Daneben liegen kleine Hämmer, verschiedene Sägen und Schmirgelpapier. Unter dem Tisch eine Gasflasche mit angeschlossenem Brenner. Das ist der Arbeitsplatz von Gabriele von Lehsten. Sie ist Goldschmiedin. An der Werkbank im Gutshaus Rothen fertigt sie Unikat-Schmuck.

"Ein Goldschmied braucht nicht viel Platz zum Arbeiten", sagt von Lehsten, die entspannt an einem weißen Tisch am anderen Ende des Wintergartens sitzt, in Jeans, lila Strickjacke und mit der Sonne im Rücken. Eigentlich wollte sie archäologische Restauratorin werden. Dafür musste sie zunächst einen handwerklichen Beruf erlernen. So machte sie mit Anfang 20 die Lehre als Goldschmiedin in ihrer Geburtsstadt München. Anschließend studierte sie an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg. Beim Goldschmieden ist sie letztlich geblieben. Bereut hat sie diese Entscheidung nie. "Es ist für mich ein Privileg, einen Beruf zu haben, der mir Freude macht", sagt die heute 51-Jährige.

Aber nur, um sich selbst zu verwirklichen, übt sie den Beruf nicht aus. Goldschmiedin ist für sie ein Job, mit dem sie auch Geld verdienen möchte. Einfach ist das nicht. Deswegen hat sie sich ein zweites finanzielles Standbein aufgebaut.

Gemeinsam mit ihrem Mann vermietet sie in ihrem Haus auf dem Gutshof in Rothen Ferienwohnungen. "Es zerreißt mich innerlich", sagt von Lehsten mit erregter Stimme und schlägt dabei die Hände hinter dem Kopf zusammen. Die Zeit und Energie, die sie ihren Feriengästen, dem Haus und Hof widmet, fehlt ihr für das Designen des Schmucks, und umgekehrt.

Und Zeit benötigt sie, um kreativ zu sein. "Die besten Ergebnisse erziele ich, wenn ich Ruhe habe", sagt sie und verlässt den Wintergarten, um mit einem Stapel schwarzer flacher Schachteln in den Händen zurückzukehren. In den Schachteln bewahrt von Lehsten ihre Schmuckstücke auf. Ringe, Ketten, Ohrringe und Armreifen. Jedes ihrer Werke ist einzigartig und in Handarbeit gefertigt. Ihr Stil: Nicht verspielt, gradlinig und klassisch modern. Wie sie selbst, so scheint es. Und immer wieder geometrische Grundformen.

Vieles ist aus Gold. Das ist das Material, das von Lehsten am liebsten verarbeitet. "Gold hat die Menschen schon immer fasziniert. Es hat eine warme, satte Farbe und eine ganz besondere Ausstrahlung", sagt sie. Als junges Mädchen dagegen empfand sie das Edelmetall als protzig. Sie selbst trägt heute zu ihrem dunkelblonden, schulterlangen Haar von ihr gestaltete goldene Ohrringe, die wie Quadrate geformt sind. An einer Stelle geöffnet, können diese an die Ohrmuscheln gehängt werden, ein Ohrloch ist nicht nötig.

Neben Gold verwendet von Lehsten auch Silber, Kupfer, Eisen, Acryl und Steine aller Art. "Für mich ist nicht wichtig, wie teuer ein Material ist, sondern wie es mir gefällt", erzählt sie und streift dabei mir ihren Fingern über eine rosafarbene Kette, deren Glieder aus ineinander gesteckten Ovalen aus Acryl bestehen. "Die Einen sind begeistert, die Anderen eben nicht. Das ist halt eine Typfrage", sagt sie.

Inspirieren lässt sich von Lehsten von ihrem Umfeld, der Natur und Architektur in Mecklenburg-Vorpommern.

Das künstlerische Talent wurde ihr in die Wiege gelegt. Der Uropa war Silberschmied, die Oma Malerin, ihr Vater Maler und Grafiker und ihre Mutter Goldschmiedin.

Seit nunmehr acht Jahren lebt sie dieses Talent in Rothen aus. Damals hatte sie sich bewusste entschieden, von einer Parterre-Wohnung in München in ein großes Haus auf dem Land zu ziehen. Sie suchte einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen und ihre Kunst ausleben kann. In Rothen hat von Lehsten diesen Platz für sich gefunden und in den Betreibern des Rothener Hofs und der Rothener Mühle, die ebenfalls künstlerisch tätig sind, Gleichgesinnte getroffen. "Wir befruchten uns gegenseitig", erzählt sie und lacht dabei.

Und wenn ihre Fantasie angefacht wird, und sie sich nicht gerade um ihre Feriengäste kümmern muss, sucht von Lehsten die kleine Werkbank im Wintergarten auf. Dann lässt sie ihrer Kreativität freien Lauf. Sie sägt, feilt und poliert, bis ein neues einzigartiges Schmuckstück entstanden ist.

Umfrage-Ergebnisse:

Kultur: SVZ-Leser vergeben schlechteste Note der ganzen Studie

Ins Kino gehen, das Theater besuchen oder ein Familienfest erleben. Für viele gehören diese Freizeitbeschäftigungen zu einem festen Bestandteil ihres kulturellen Lebens. Was für diese Menschen selbstverständlich ist, können einige unserer Leser kaum oder überhaupt nicht ausleben. Das verdeutlicht der sechste Teil unserer Lebenswert-Studie. Wir haben Sie gefragt, wie Sie das kulturelle Angebot im Bereich Sternberg-Brüel-Warin einschätzen und wie Sie die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren bewerten.

Das Ergebnis ist eindeutig. Mit der schlechtesten Bewertung der ganzen Studie vergeben sie für das kulturelle Angebot eine Gesamtnote von 4,2, für die Entwicklung in den letzten Jahren eine 4,1.
Bemängelt werden vor allem die langen Fahrtwege zu kulturellen Veranstaltungen. Ein Leser aus Ventschow beispielsweise sagt: „Im Dorf sind die kulturellen Möglichkeiten eben begrenzt, daher muss man in die nächsten Städte fahren. In Anbetracht dessen, was zurzeit mit dem Theater in Schwerin passiert, ist zu befürchten, dass man dann demnächst für Kultur bis Hamburg fahren muss. Hier ist die Politik mit Taten gefordert.“ Eine Teilnehmerin der Befragung aus Brüel kritisiert, dass sie ohne eigenes Auto, nur wenig Chancen hätte, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Eine Neuhoferin sei schon froh, wenn ein Verein einmal im Jahr einen Film anbiete. Ein Befragter aus Langen Jarchow bedauert, dass es aufgrund fehlender finanzieller Mittel vor Ort kaum noch Kultur gebe.

Bürger aus Sternberg wiederum beklagen, dass es in der Stadt kein Kino und Theater gibt, aber auch dass die bisherigen Veranstaltungen von ihren Mitbürgern eher wenig genutzt würden.
Ein Brüeler kritisiert die seiner Ansicht nach systematische Zerstörung aller kulturellen Einrichtungen. Es gibt aber auch positive Stimmen. So lobt eine Leserin aus Kobrow den Karneval in Sternberg sowie die vielen Feste in Kobrow und den Nachbardörfern. Die zahlreichen Angebote des Deutschen Roten Kreuzes und der Volkssolidarität in Sternberg, honorierte eine dort ansässige Rentnerin.
Ein Wariner würdigte das Engagement seines Heimatortes: „Warin hat seine traditionellen Veranstaltungen, wie Langstreckenschwimmen und Volleyballturnier, die auch durch die Stadt unterstützt wird. Konzerte im August-Cords Park sind begrüßenswert.“ Der Rentner wünscht sich aber, dass das Kino mehr genutzt wird.