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Nach Brand in Witzin Nach der Verzweiflung kam neuer Mut

Von Rdiger Rump | 09.12.2016, 21:00 Uhr

Ein Feuer in ihrem Einfamilienhaus hat alles vernichtet – doch Rita Rosenfeld erhielt unglaublich viel Hilfe aus dem Dorf und darüber hinaus.

Das Lachen ist bei ihr zurück. Es tut richtig gut. Rita Rosenfeld war auch wieder zur Veranstaltung der Dörpschaft und hat mit dem DRK-Seniorenchor aus Sternberg gesungen. „Ich bin nicht der Typ, der sich zurückzieht und alles in sich hinein frisst, ich komme lieber unter Leute. Sicher ist da jeder verschieden“, sagt die Witzinerin.

Es ist der 15. Oktober: In der Küche des Einfamilienhauses entzündet sich heißes Fett und das Feuer breitet sich rasant aus. Den Versuch, es selbst zu löschen, müssen die beiden Bewohner, Rita Rosenfeld (71) und ihr Sohn Jürgen (45), schnell aufgeben, sondern nur noch ihr Leben retten. Trotz großen Einsatzes von mehr als 50 Feuerwehrleuten wird das Eigenheim vernichtet. Die Rentnerin kommt erst einmal bei einer ihrer Töchter unter, der Sohn bei einer weiteren. Die insgesamt drei Schwestern leben alle in Witzin.

Das Haus mit eigenen Händen errichtet

Bei dem Brand hätten sie „alles verloren, Papiere, Bilder, persönliche Erinnerungsstücke“, was unwiederbringlich sei. „Davon ist nichts mehr
da. Man kommt sich in dem Moment hilflos vor“, fügt Rita Rosenfeld an. Wer das nicht selbst erlebt habe, könne sich kaum hineinversetzen.

Das Haus war mit eigener Hände Arbeit errichtet worden. Der Ehemann, Zimmerer von Beruf, und ein Schwager, der damals Maurer lernte, setzten Stein auf Stein, der Opa siebte Tage vorher den Kies dafür, der Vater als Elektriker packte tüchtig an, zählt die Rentnerin auf. Sie lebt seit 1954 in Witzin, zog als Kind mit den Eltern von Sternberg dorthin. Erst hätten sie bei den Großeltern im Kiez gewohnt. Nach der Heirat 1965 bekam das junge Paar ein Zimmer „im Neubau“, teilte sich das auch mit zunächst zwei Kindern. Das eigene Heim entstand dann von 1967 bis 1968, ein Zeitraum, der üblich war, wenn Bauherren alles selbst machten. Rita Rosenfeld hat bei ihrer Schwester im Konsum gearbeitet und dann in der Sternberger Kaufhalle. Noch heute treffe sie auf Leute aus der Zeit und freue sich über einen Plausch.

Die Rentnerin und ihr Sohn konnten in eine Vier-Raum-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus der Stewo ziehen, die gerade frei geworden war. Was im Oktober gleich nach dem Brand zur Verfügung stand, sei zu klein gewesen. „Der Junge braucht auch sein Zimmer. Er fährt Lkw, mal am Tage, mal nachts, durch ganz Deutschland“, erzählt die 71-Jährige.

Daran, dass nach Verzweiflung rasch neuer Mut kam, habe maßgeblich die unglaubliche Welle von Hilfsbereitschaft beigetragen. „Wir leiten alles Mögliche ein, um der Familie zu helfen. Wir halten da im Dorf sehr zusammen“, hatte Bürgermeister Hans Hüller gesagt. Die Gemeinde zahlte eine Soforthilfe von 1000 Euro. Gleich Montag früh war im Amt in Sternberg innerhalb einer Stunde alles erledigt, so Hüller. Die Dörpschaft, bei der Rita Rosenfeld und ihr Sohn Mitglied sind, sowie die Gemeinde seien „ganz aktiv“ gewesen. Der DRK-Seniorenchor habe gesammelt. Und auf ein eigens eingerichtetes Konto gingen serienweise Spenden ein, darunter von zahlreichen Privatpersonen aus Witzin und darüber hinaus, „selbst jetzt nach dem eigentlichen Abschluss der Aktion kommt noch Geld“, sagt der Bürgermeister. Bis gestern stieg die Summe auf 4390 Euro. Zudem habe mancher „aufmunternde Worte geschrieben, die auch gut tun, und noch einen Geldschein hineingelegt“, fügt Rita Rosenfeld völlig gerührt an.

Viel Mobilar stammt aus Sachspenden

Zum neuen Teppichboden in der Wohnung habe die Stewo einen Zuschuss gezahlt. Viel Mobilar stamme aus Sachspenden, Einbauküche und Fernseher etwa aus Dabel, die große Anbauwand überließen die Vormieter. „Anderes haben wir uns durch gespendetes Geld anschaffen können.“

Wenn sie an der Brandruine vorbeifahre, habe sie das Feuer wieder vor Augen, sagt Rita Rosenfeld. Nun hoffe sie, dass das Haus über die Versicherung wieder aufgebaut werde, denn nichts gehe über ein eigenes Heim. Doch zuvor kommen alle, Kinder, Enkel und die drei Schwestern mit Familie aus Witzin, Kaarz und Sternberg, am 1. Weihnachtstag zu Kaffee und Abendbrot. Platz sei „in der kleinsten Hütte“.