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Abschied einer Kirchenmusikerin „Musik ist mein Leben“

Von WNIE | 09.12.2017, 05:00 Uhr

Die Dabeler Kantorin Ingrid Kuhlmann wird am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet

In keinem anderen Dorf im Amt Sternberger Seenlandschaft wird so viel musiziert und gesungen wie in Dabel. Zu danken ist dies der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und hier vor allem Ingrid Kuhlmann. Die 65-Jährige legt zusammen mit dem damaligen Pastor Hansherbert Lange am 1. Advent 1983 den Grundstein für die Dabeler Kantorei.

Am Sonntag, dem 10. Dezember, wird sie im Rahmen der Lütt Wihnacht in der Kirche Dabel in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Von Wehmut keine Spur. „Ich freue mich auf die Zeit, die jetzt kommt und möchte kürzer treten. In der Kantorei wird es weitergehen, zwar anders als bisher, aber es ist wichtig, dass etwas anderes, etwas Neues kommt“, sagt Kuhlmann im SVZ-Gespräch.


Umzug von der Stadt aufs Land1979 zieht sie zusammen mit ihrem Mann Jürgen von Schwerin nach Dabel – von der Stadt aufs Land. „Unser Sohn sollte Roller fahren lernen und ich habe meinen Mann beauftragt, loszufahren und ein Haus zu suchen in einem Ort, wo es einen Bahnhof, eine Schule für unseren Sohn, einen Wald zum Spazieren gehen und Pilze sammeln sowie einen Badesee gibt. Das waren meine Bedingungen“, erinnert sie sich. Dreimal sei ihr Mann auf der Suche gewesen, bis er schließlich ein altes Bauernhaus in der Wilhelm-Pieck-Straße – zwischen Pfarrhaus und Kirche – in Dabel findet.

Aller guten Dinge sind drei. „Der große Garten hat mir auf Anhieb gefallen und die Menschen im Dorf waren so herzlich zu uns. Wir waren ja die Neuen. Da habe ich mich sofort willkommen gefühlt“, sagt Kuhlmann.

Im Sommer 1981 gründet sie in ihrem Heimatort den bis heute existierenden Seniorenchor. „Das ist meine älteste Gruppe. Da war ich nicht mal 30 Jahre alt“, berichtet sie. Eine Flötengruppe folgt. Seit 1987 gibt es den Dabeler Handglockenchor, bei dessen Gründung sie ebenso mitwirkt. „Das ist das Kernstück der Kantorei. Durch viele Reisen, die wir unternommen haben, sind wir weit über die Landesgrenzen von MV bekannt“, erzählt Ingrid Kuhlmann.

Neu hinzu kommen Tonstab-, Kirchen-, Kinderchor... Ingrid Kuhlmann leitet zudem die Flötenkreise, die Junior Handbells, die Kurrende (Kinderchor), die Sternsinger und auch den Jubiläumschor in Borkow. Zusätzlich ist sie einmal in der Woche in der Dabeler Kindereinrichtung St. Martin in der musikalischen Früherziehung aktiv, gibt ihr Wissen und Können als studierte Musiklehrerin gern an Mädchen und Jungen weiter, begeistert so schon die Jüngsten für die Musik. „In den 25 Jahren habe ich etwa 500 Kinder unterrichtet. Wir singen Volkslieder und christliche Lieder. So lernen die Kinder die Kirche kennen. Das ist mir wichtig“, sagt Kuhlmann.

1952 in Vorpommern geboren, wächst Ingrid Kuhlmann in einem musikalischen Elternhaus auf. „Bei uns zuhause wurde immer musiziert. Musik ist mein Beruf, mein Hobby, mein Leben. Das lege ich nicht einfach so ab, denn es gibt nichts Schöneres, als mit Menschen zusammenzuarbeiten, die die gleichen Interessen haben“, sagt sie. Im Ruhestand werde sie mit zwei, drei Gruppen weitermachen. Natürlich mit dem Seniorenchor. „Die Arbeit mit Senioren macht mich fröhlich. Ich würde mich auch nicht allein zu Hause hinsetzen und singen“, sagt sie. Und der Borkower Chor „wünscht sich das so sehr, dass ich ihn weiter leite“, so Kuhlmann.

Vor allem möchte sie Zeit mit ihren Enkeln verbringen. „Die sehe ich leider zu selten“, gibt sie zu. Weiter werde sie im Kirchengemeinderat tätig sein und sich intensiver der Vereinsarbeit als Vorsitzende im Förderverein zum Erhalt der Gägelower Kirche widmen. „Wenn ich richtig überlege, ist das mehr als vorher“, gesteht sie sich ein und schmunzelt. „Aber es sind andere Dinge, die mir auch Spaß machen.“