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Kuhlen Melker mit Erfahrung aus Neuseeland

Von rump | 24.02.2014, 17:30 Uhr

Gut Kuhlen ist mit zwei Teilnehmern beim Leistungsmelken morgen in Tempzin dabei. Steffen Hein hat nach der Ausbildung schon ein halbes Jahr in der Ferne gearbeitet.

Da fallen gleich mehrere Premieren zusammen: Die Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf richtet morgen in ihrer Tempziner Milchviehanlage zum ersten Mal das Leistungsmelken aus (wir berichteten), die beiden Teilnehmer von Gut Kuhlen, Facharbeiter Steffen Hein (22) und Auszubildender Fabian Dauter (18), starten das erste Mal bei so einem Wettbewerb, und der Agrarbetrieb ist neu im Milchkontrollverein Güstrow und damit auch in dieser Runde.

Der Vergleich sei gut für die Motivation der jungen Leute, die andere Menschen treffen, miteinander reden und viel lernen können, findet Friederike Strothmann, die mit ihrem Ehemann Werner 1993 den Betrieb gegründet hat, nachdem die Beiden von der Treuhand eine Hälfte des einstigen volkseigenen Gutes erworben und einen Neustart gewagt hatten. Das Gut, das 710 Hektar Acker und Grünland bewirtschaftet, hält 145 Milchkühe. Der Kuhstall wird in diesem Jahr umgebaut, bei den so genannten Frischmelkern soll künftig ein Roboter die Arbeit erledigen.


Landwirt als Wunschberuf – für Facharbeiter und Lehrling

Steffen Hein sieht dem morgigen Tag gelassen entgegen. „Mal schauen, was passiert.“ Es gehe weniger um die Platzierung. „Wichtig ist, Einblicke in einen anderen Betrieb zu bekommen, wie dort gearbeitet wird und sich mit Berufskollegen auszutauschen. Ich denke, bei dieser Gelegenheit kann man sich einiges abgucken und einfach mal was anderes sehen.“ Gut Kuhlen arbeite mit einem Auto-Tandem-Melkstand, „der jetzt nicht mehr so häufig ist“. Die Anlage in Tempzin verfügt nach ihrer Sanierung über ein neues Karussell mit 28 Plätzen, das mit einem automatischen Melkarm ausgestattet ist, der selbstständig unter die Kuh und nach dem Melken wieder in die Ausgangsposition zurück geführt wird. Darauf müssen sich alle Teilnehmer, die in ihren Betrieben andere Technik haben, erst einmal einstellen. Für den 22-Jährigen aus Kuhlen kommt erschwerend hinzu, dass ihm derzeit das regelmäßige Training fehlt. „Er hilft nur am Wochenende beim Melken aus, sonst ist er den ganzen Winter über zur Fachschule“, erklärt Friederike Strothmann.

Steffen Hein, der aus Schleswig-Holstein stammt, genauer aus dem Dithmarschen, hat dort die Fachhochschulreife erworben und auch einen Teil der Ausbildung zum Landwirt absolviert, von Letzterer außerdem ein Jahr im Landkreis Demmin. Weil er als Ferienkind häufiger in Kuhlen gewesen sei, blieb der junge Mann beruflich hier hängen. „Ich fühle mich wohl, habe mir inzwischen ein Umfeld aufgebaut.“ Und etwa zweieinhalb Stunden mit dem Auto nach Hause seien kein Problem.

Jetzt steht er im ersten von drei Wintersemestern an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Güstrow-Bockhorst, um den Abschluss als staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt (SGA) zu erlangen. Der sei etwa vergleichbar mit einem Meister, umfasse „vielleicht einen Tick mehr Betriebswirtschaft“. Zudem müssten zwölf Monate Praxis nachgewiesen werden. Die habe er, so Hein, auf Gut Kuhlen sowie in einem Milchviehbetrieb in Neuseeland längst hinter sich. „Ich habe dort ein halbes Jahr gearbeitet. Mich hat am Ausland gereizt, den Horizont zu erweitern, Landwirtschaft mal ganz anders zu erleben und die Sprachkenntnisse zu verbessern“, so Steffen Hein. Er sei in einer Grünlandregion gewesen. Die Betriebe hätten zwischen 500 und 2000 Milchkühe mit ganzjähriger Weidehaltung. „In dem Betrieb, in dem ich war, sind es 1200.“ So sei er mit völlig neuen Erfahrungen zurück gekehrt. Dass es ihn noch einmal dorthin ziehe, wolle er gar nicht mal ausschließen.

Landwirt sei für ihn der Wunschberuf. „Sonst sollte man das nicht machen“, meint Steffen Hein. „Wir haben zu Hause eine kleine Landwirtschaft, mittlerweile im Nebenerwerb. Ich bin damit groß geworden.“ Er wolle gern „universal“ arbeiten, so wie er den Beruf gelernt habe, also in Ackerbau und Milcherzeugung. In den kleineren Betriebsstrukturen, die er aus heimischen Gefilden kenne, sei die Arbeit nicht so spezialisiert wie hier vielerorts.

Fabian Dauter hatte gerade Halbzeit im ersten Ausbildungsjahr. Auch für ihn sei das der Wunschberuf. „Im Büro sitzen oder in einer Werkstatt arbeiten, ist nichts für mich“, meint der 18-Jährige. In der Landwirtschaft habe er sich in der Schulzeit schon ein bisschen Taschengeld verdient und dann ein Praktikum gemacht. Danach sei das mit der Ausbildung zum Landwirt klar gewesen. Auch die Großeltern, die jetzt Rentner seien, hätten auf dem Gut in Kuhlen gearbeitet. Sie würden ihn unterstützen, wo es geht, freut sich der Fabian. So bringen sie ihn auch, weil er noch keinen Führerschein hat, am Sonntagabend zum Internat, wenn die Woche Berufsschule in Zierow bei Wismar ansteht, und holen ihn am Freitag wieder ab. Was morgen das Leistungsmelken betrifft, ist der Lehrling im Unterschied zu seinem Arbeitskollegen „ein bisschen aufgeregt“. Doch der Wettstreit werde bestimmt Spaß machen, ist er überzeugt. Und er sei ganz gespannt, wie das alles abläuft.