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Hegering Sternberg Kritischer Blick auf das Jagdjahr

Von MBEI | 20.03.2018, 12:00 Uhr

Sternberger Jägerschaft zieht Bilanz. Hegeringleiter äußert sich zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest

374 Wildschweine haben die Jäger des Hegerings Sternberg in den vergangenen zwölf Monaten erlegt. Das ist die zweithöchste Strecke der letzten sieben Jahre, so Hegeringleiter Rainer Barabas. Auf der Versammlung des Hegerings am Sonnabend in Mustin äußerte sich Barabas sehr kritisch im Zusammenhang mit der drohenden Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Das Agieren des Präsidiums des Landesjagdverbandes in diesem Zusammenhang bezeichnete der Hegeringleiter als erbärmlich. Wenn die ASP auf natürlichem Wege durch Schwarzwild verbreitet werde, wandere sie nur 20 bis 30 Kilometer im Jahr. Die Seuche kommt aber über Verkehrswege, vom Menschen transportiert. Das weggeworfene Schinkenbrot infiziert die Schwarzwildbestände.

„Anstatt sich z.B. auf die Sicherung der Transportwege zu konzentrieren, die Wildschweinimporte aus Polen zu stoppen und den Jagdtourismus in die betroffenen Länder zu untersagen, haben Politiker und Landwirtschaftsverbände schon vor dem Ausbruch der Seuche in Deutschland den Buhmann gefunden. Der Jäger ist schuld“, so Barabas. Die Schwarzwildbestände seien viel zu hoch. Der Hegeringleiter ärgert sich auch über die Abschussprämie: „Man lässt sich für eine Pürzelprämie feiern und unser Präsidium des Landesjagdverbandes klatscht Beifall.“ Man erwecke den Eindruck, die Jäger müssten zur Jagd motiviert werden. Es werde so getan, als wenn die Jäger zu wenig Anstrengungen unternehmen. „Kein Wort mehr darüber, wie wir seit Jahren unter größtem persönlichen Einsatz mit einer immer älter werdenden Jägerschaft über 60 000 Sauen pro Jahr strecken.“

Barabas wünscht sich vom Verband der Jäger eine klare Stellungnahme, „dass die begrenzenden Faktoren für eine wachsende Strecke nicht in fehlender Motivation der Jägerschaft liegen“.

Der Hegeringleiter ging auf verschiedene Faktoren ein, die sich auf die Wildschweinbestände auswirken, u.a. auch veränderte Anbaustrukturen in der Landwirtschaft. Auch manche Eigenjagden sieht Barabas kritisch: „Die Zahl der Eigenjagdbezirke im Wald ist stark gestiegen. Es gibt Beispiele, dass der Jagdbetrieb nicht auf eine Reduzierung der Wildbestände ausgerichtet ist, sondern dass die jährlich einmal stattfindende Gesellschaftsjagd im Mittelpunkt des Interesses steht.“

Äußerst kritisch sieht Barabas, dass die Jäger bei der Vermarktung des Wildfleisches allein gelassen werden.

Fakten zum Hegering Sternberg

  • Der Hegering Sternberg umfasst die Reviere von Sternberg, Pastin, Mustin und Witzin. Er hat 64 Mitglieder.
  • Im Jagdjahr, das vom 1. April bis 31. März geht, wurden 374 Wildschweine erlegt. Das ist die zweithöchste Strecke der letzten sieben Jahre. Die Strecke umfasst beim Rotwild 13, beim Rehwild 206, beim Damwild neun. Erlegt wurden 81 Füchse, 14 Dachse, zehn Marderhunde und 243 Waschbären.
  • Der Hegering ist die Interessenvertretung der Jäger, die zu neuen Konfliktfeldern Position bezieht und gemeinschaftlich agiert. Das gilt beispielsweise für die Herausforderungen durch die Afrikanische Schweinepest, die Wildschadensverhütung, Gefährdung der biologischen Vielfalt durch die Ausbreitung von Waschbären und anderen Neozoen oder auch die Wolfproblematik.
  • Gesetzlicher Hegeauftrag ist, die Nachhaltigkeit der Vorkommen an heimischen Wildarten zu sichern, bedrohte Tierarten zu schützen und dabei Wildschäden in Feld und Flur zu minimieren.

(Nach Aussagen von Hegeringleiter Rainer Barabas)