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Witzin Kooperativer Toilettengang

Von IENG | 22.02.2014, 08:00 Uhr

Das etwas andere stille Damen-Örtchen von Witzin und ein Blick in die Notdurft-Geschichte: Wie kam es zur „Null-Null (00)-Bezeichnung?

„Upps“, „Olala“, „Ach Gott“ oder bestenfalls nur ein einfaches Grinsen entlockt der Anblick der Damentoilette dem weiblichen Geschlecht, das jene in „Murmels Gaststätte“ in Witzin an der Güstrower Chaussee 15 aufsuchen. Ein sauberer, hell gefliester Raum mit Fenster, Blumentöpfen auf der Ablage, ein Waschbecken und zwei Toilettenbecken nebeneinander „empfangen“ die Besucherin des so genannten stillen Örtchens in der gastronomischen Einrichtung von André Rodestock.

Zwei Becken nebeneinander. Ist das so etwas Ungewöhnliches? In Arztpraxen praktiziert man es teilweise schon. Ein kleines Becken für das Kind, ein größeres für den Erwachsenen. Mögen die Sanitärschüsseln zwar nebeneinander stehen, ist die Tür zur Toilette aber immer schließbar.

„Mädels gehen sowieso meist zu zweit auf Toilette. Die haben immer so viel zu quatschen“, sagt der Gaststätten-Betreiber und grinst übers ganze Gesicht. André Rodestock, den die Witziner nur „Murmel“ nennen, hat 2006 den Gaststätten-Neubau mit Getränkeladen errichtet. Dazu gehörten Gastraum, Küche, Laden und natürlich auch sanitäre Einrichtungen für Damen und Herren getrennt. Das es keine Trennwand auf der Damentoilette in „Murmels“ Gaststätte gibt, ist ein ungeplanter Zufall.

„Ich habe vieles allein gemacht. Dann waren wir fertig, der Getränkemarkt lief, der Gaststättenbetrieb begann und es fehlte die Zwischenwand auf der Damentoilette. Immer wieder haben wir das vorweg geschoben, wollten später eine einbauen. Tja dabei ist es geblieben und jetzt bleibt es so, wie es ist, weil die Gäste es so wollen“, erzählt der 54-Jährige. Gemeinsam mit seiner Partnerin Sigrid Stieber bewirtschaftet er die Einrichtung.

„Eigentlich war es eine Motorradgruppe aus Lübeck, die den Stein ins Rollen brachte, es so zu belassen. Die Frauen machten sich einen Spaß daraus, Fotos auf dem Klo zu schießen. Sie sagten, dass ich nichts verändern sollte, das wäre sehr selten und hier einmalig. Die Frauen und Männer kehren jedes Jahr bei mir ein“, berichtet der gelernte Schmied. Meistens sieht er nur die Minen der Personen, wenn sie vom Toilettengang kommen. Da waren Berliner, die feixten rum; andere grinsten oder sprachen am Tisch darüber und manche sagten nichts. Rollstuhlfahrer begrüßten die Barrierefreiheit und den Platz.

„Ich habe mit meiner Freundin da auch schon drauf gesessen. Na und, da ist doch nichts dabei. Zu zweit ist es schöner. Man kann quatschen, gerade über Dinge, die kein anderer hören soll“, sagte Manuela Huth. Die Witzinerin ist für vielerlei Späßchen zu haben. Sie erklärte sich auch bereit, gemeinsam mit Sigrid Stieber für ein Foto zu posieren. Beide Frauen waren Kolleginnen im Kuhstall damals und hatten auch auf der Kloschüssel viel zu lachen.

Von WC bis Donnerbalken

Befasst man sich einmal näher mit Toiletten, findet man in manchen Museen Interessantes dazu, oder schaut ins Internet und gibt „Doppelte Toiletten“ oder ähnliches ein, so findet man von schlichten bis kuriosen Hinweisen, Artikeln und Geschichten, alles Mögliche zum stillen Örtchen: Da werden Toiletten-Touren angeboten; ein Foto einer Gruppentoilette ist zu sehen, wo mehrere Kloschüsseln direkt nebeneinander stehen. Oder es wird der Frage nachgegangen: „Warum verriegeln die Chinesinnen die Toilette nicht?“ „Toiletten und Schamgefühl“ im Mädelsblog – ist nur Einiges, was es über die Notdurft-Örtlichkeiten zu erfahren gibt.

Ganz interessant sind die Erfahrungen zu lesen über die stillen Örtlichkeiten in anderen Ländern. Ebenso gibt es vielerlei umgangsförmliche Bezeichnungen für die Toilette: WC, Pott, Pissoir, Abort, Abtritt, Bedürfnisanstalt, Latrine, Lokus, Null-Null, Klo oder Donnerbalken.

Und wer noch weiter in die Tiefe des geheimen Örtchens tauchen will, der bekommt auch Antworten auf diese Definierungen. So war zum Beispiel die Toilette ein Vorgang des Schminkens, Ankleidens und Frisieren der französischen Hofdamen und stammt aus dem französischen Sprachgebrauch. Die Damen bei Hofe besaßen für ihre Toilette spezielle Ankleidezimmer und saßen dort auf ihren „Leibstühlen“, wodrauf sie auch ihre Notdurft verrichten konnten. Es bürgerte sich die Bezeichnung, vor allem außerhalb von Frankreich, für die heutige Toilette, das Klosett, ein.

Null-null (00) ist hingegen eine Bezeichnung, die aus den Hotels des 19. Jahrhunderts stammt. Diese hatten zu jener Zeit Etagenklos, die in der Nähe des Aufzugs oder des Treppenhauses lagen. Da dort die Zimmer-Nummerierung begann, trugen die Toilettenräume die Zimmernummer 00.

Das Spektrum rund um das „wo der Kaiser zu Fuß hingeht“ ist schier unendlich, ernsthaft und zum Schmunzeln. So auch in Witzin. Die Damen, die nicht alleine aufs Klo mögen, kehren in „Murmels“ Gaststätte ein, verzehren etwas, und nutzen den kooperativen Toilettengang.