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Groß Raden Erstochen und Erschlagen

Von erge | 05.12.2013, 17:28 Uhr

„Im Angesicht des Todes“ – so lautete der spektakuläre Titel des Vortrages am Mittwochabend in Groß Raden.

Bei den Stralsunder Funden 2010, handelt es sich offenbar um zwei Söldner aus der Zeit der Belagerung Stralsunds von Mai bis August 1628 durch kaiserliche Truppen. Diese Skelette sowie zahlreiche Waffen und Schanzwerkzeuge zeigen eine Momentaufnahme des Drießigjährigen Krieges. Der Laufgraben war etwa 7,5 Meter lang, zwei Meter breit und 80 Zentimeter tief. Das östlich gefundene Skelett wurde auf ein Alter von 18 bis 22 Jahre mit einer Größe von 1,82 Metern datiert. Es wies unterschiedliche Stichverletzungen auf, zugefügt von hinterrücks unten, wie eine Rückenmarksverletzung beweist. Das westlich gefundene Skelett wurde auf ein Alter von 45 bis 50 Jahre datiert mit einer Größe von 1,66 Meter. Es wies eine unverheilte Verletzung am linken Oberarmknochen durch stumpfe Gewalteinwirkung auf, an der rechten Oberhand eine unverheilte Hiebverletzung – „wie bei einer Abwehrhaltung“, so die Referentin. Beide Skelette wiesen erhebliche Zahnfehlstellungen auf, Zahnstein und Zahnerkrankungen, sowie poröse Veränderungen der Augenhöhlendächer, die auf Fehlernährung hinwiesen, etwa durch einen Vitamin-B12- Mangel im Kindesalter.


Einzige bronzezeitliche Stelle nördlich der Alpen

Was mag sich auf dem Schlachtfeld, wenn es eins war, abgespielt haben? Wer waren die Menschen, wo kamen sie her? Das sind Fragen, die wohl nicht mehr konkret beantwortet werden können. Aber einiges geben die Funde doch her: Nämlich, wie sie gestorben sind. 50 Prozent weisen scharfe Verletzungen auf, zehn Prozent stumpfe Verletzungen. „Es wurde eine 3,6 Zentimeter lange Pfeilspitze gefunden die 2,6 Zentimeter tief in einem Oberarmknochen recht fest saß“, so Dr. Brinker, die dazu Fotos zeigte. Die 46-Jährige Wismarerin arbeitet in Wiligrad beim Landesamt für Bodendenkmalpflege und untersucht dort Skelettfunde. Sie fand neben unverheilten Verletzungen, die auf einen gewaltsamen Konflikt im Tollensetal hinweisen, auch länger verheilte Traumata als Vorbelastung der Toten durch Unfälle oder Gewalt. 14 Fundstellen gibt es bisher im Tollensetal. Über 12 000 Knochen, davon 9000 von Menschen, wurden bisher freigelegt. Waren es 1996 18 Prozent an Knochen, die gefunden wurden, stiegen dies 2012 auf 37 Prozent an. 85 Prozent der Funde sind Oberschenkelknochen, weniger Hand- und Fußknochen von überwiegend 20 bis 40 Jahre alten Menschen.

„Im Angesicht des Todes“ – so der spektakuläre Titel des Vortrages am Mittwochabend im Vortragsraum des Archäologischen Freilichtmuseums in Groß Raden. Dazu hatten der Förderverein des Freilichtmuseums und das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege eingeladen. In dieser gut besuchten Veranstaltung von Referentin Dr. Ute Brinker ging es um menschliche Skelettreste: Bronzezeitliche Funde aus dem Tollensetal und um zwei Söldner aus im Dreißigjährigen Krieg, die 2010 in einem Laufgraben in der Frankenvorstadt der Hansestadt Stralsund bei Ausgrabungsarbeiten gefunden wurden.