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Insolvenz des Schützenvereins Warin Endgültig Aus für Wurftaubenschießen

Von Michael Beitien | 20.09.2011, 06:52 Uhr

"Das Schießen ist eingestellt" , prangt an einem kleinen Schild in Warin-Graupenmühle. Das Insolvenzverfahren gegen den Schützenverein läuft. Den Offenbarungseid mussten der renommierte Verein im Frühjahr leisten.

"Das Schießen ist eingestellt" , prangt an einem kleinen Schild in Warin-Graupenmühle. Das Insolvenzverfahren gegen den Wariner Schützenverein für Jagd- und Sportschießen läuft. Wie die Hamburger Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde auf SVZ-Anfrage erklärte, reicht das Vermögen des Vereins nur aus, um die Kosten für das Verfahren zu tragen. Nicht aber, um die Forderungen zu begleichen, die Grund für dieses Verfahren sind.

Den Offenbarungseid mussten der renommierte Wariner Verein, der etliche Landes- und Deutsche Meister im Schießsport hervorgebracht hatte, im Frühjahr leisten, nachdem Behörden auf ein Gutachten zur möglichen Verunreinigung des Areals mit Bleischrot bestanden hatten. 10 000 Euro hätte das gekostet. Schätzungen gehen davon aus, dass nach Jahrzehnte langem Tontaubenschießen rund 100 Tonnen Bleischrot über den Boden des Schießplatzes und Nachbargrundstücke verstreut sind. Die Kosten für die Entsorgung dürften die des Gutachtens um ein Vielfaches übertreffen.

Klaus Daniel, langjähriger Vorsitzender des Wariner Schützenvereins, ist enttäuscht von den Behörden, die Forderungen aufgemacht haben, aber dem Verein keinen Weg aufgezeigt haben, wie er an Fördermittel kommt, um die immensen Summen aufzubringen, um die Auflagen zu erfüllen. Er nennt dabei insbesondere das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umland (StALU) in Schwerin.

Laut StALU-Sprecher Jean Weiß habe es wegen der Problematik bereits im Jahr 2008 Gesprächsangebote des Wirtschaftsministeriums an den Landesschützenverband gegeben. Nach seinen Worten wurde das nicht angenommen. Weiß, der nach eigenen Worten selbst stellvertretender Vorsitzender eines Schützenvereins ist, drückt sich zur Problematik in Warin drastisch aus: "Ich kann nicht jahrelang rumballern und so tun, als wenn nichts passiert." Er spricht von der Abwägung von Hobby und Sport auf der einen Seite und dem Schutz von Menschen, Natur und Umwelt auf der anderen Seite. Der Wariner Schießplatz liege auf sensibler Fläche im Trinkwassereinzugsgebiet, das bis nach Rostock reicht. Derzeit werde im Land geprüft, so Weiß, ob sich Fördermöglichkeiten zur Beseitigung der

Bodenverunreinigung an Schießplätzen erschließen lassen. Bezüglich der Forderung für Graupenmühle mache die Behörde aber keinen Rückzieher.

"Im Moment ist es das endgültige Aus für den Schießsport in Warin", sagt Daniel. Enttäuscht äußert er sich zum Urteil des Gerichts in einem Nachbarschaftsstreit zwischen Verein und Privatleuten. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit, der dem Verein laut Daniel ca. 30 000 Euro kostete, hatten sich die Bungalow-Nachbarn des Schießplatzes durchgesetzt und dem Wurftaubenschießen auf ihrem Nachbargrundstück ein Ende gesetzt. Ein Richter untersagte den Wariner Sportschützen zwar nicht generell das Schießen. Aber er verfügte, dass kein Blei mehr auf das Grundstück der Nachbarn fallen darf. Der Verein könnte dieser Auflage nur mit einer aufwändigen Kugelauffanganlage nachkommen. Das würde Kosten in Höhe von 250 000 Euro verursachen, so Daniel. Nicht finanzierbar. Es sei ein einmaliger Vorgang. Zwei Familien haben sich gegen 150 Vereinsmitglieder durchgesetzt, die hier bisher ihrem Hobby nachgegangen sind, ärgert er sich. Seit 1963 hatte der Schießsport in Warin Tradi tion. Der Schießplatz in Graupenmühle wurde gemeinsam von Wariner Jägern und der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) aufgebaut. Nach der Wende übernahm der Schützenverein das Ruder. Seit 1995 gab es einen Pachtvertrag mit der Stadt.

Zum 1. Januar 2012 läuft laut Daniel der Pachtvertrag des Vereins mit der Stadt aus. Er weiß von Bestrebungen, dass möglicherweise ein neuer Verein einen Teil des Geländes übernehmen will: die Kugelstände.

Die Stadt werde das unterstützen, sagt Warins Bürgermeister Michael Ankermann. Angesichts der durch Blei beeinträchtigten Grundstücke, sieht Ankermann auch das Land und, da die GST hier schon zu Vorwendezeiten geschossen hat, den Bund in der Pflicht.