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Warin „Du bist ein ganz Schlauer“

Von Roland Gttler | 03.03.2018, 05:00 Uhr

Hausmeister Jürgen Schmidt brachte den Grundschülern nicht nur Wariner Geschichte nahe. Verabschiedung nach 36 Jahren.

Er war für Schülergenerationen eine Institution in Warin: Nach 36 Jahren verabschiedete sich Hausmeister Jürgen Schmidt endgültig in den wohlverdienten Ruhestand. Am 28. Februar war sein letzter Arbeitstag an der Grundschule und eigentlich sollte gestern Vormittag nur noch ein gemeinsames Frühstück im Lehrerzimmer sein.

Doch dann wurde der gebürtige Wariner, der am Dienstag seinen 65. Geburtstag begeht, in die Turnhalle gerufen. Hier erwarteten ihn neben den Lehrern auch die komplette „Rappelkiste“ – die Mädchen und Jungen der 1. bis 4. Klasse zu einem Abschiedsständchen.

Jürgen Schmidt („Ich hatte wirklich nichts geahnt.“) wirkte gerührt, als die Kinder zur Verabschiedung das umgedichtete Lied sangen „Wer will fleißige Hausmeister seh’n, der muss zu Herrn Schmidt geh’n.“ Dann trugen einige Kinder abwechselnd lustige Verse vor. „Nach 36 Jahren klingelt nun die Schulglocke nicht mehr“ oder „Ball aufs Dach schießen war einfach klasse!“ Klar, der Hausmeister wusste auch dieses Problem zu lösen.

Und dann gab es noch ein ganz dickes Lob aus Kindermund: „Du bist ein ganz Schlauer, hast uns die Geschichte Warins nahegebracht.“

Damit es Hausmeister Schmidt auch künftig an nichts fehle, überreichten die kleinen Verse-Erzähler ein „Rentnernotfallband“. Daran bammelten etwa Pinsel, Malerrolle, Schraubendreher – aber auch zwei kleine „Taschenwärmer“ und einige Pilker, wie der leidenschaftliche Angler sogleich entdeckte. „Im Juni geht es zum Dorschfang nach Schweden“, erzählte Schmidt gegenüber SVZ. Seit 25 Jahren bereits fährt er mit einigen Angelfreunden entweder nach Schweden oder Norwegen.

Dankesworte gab es zum Abschied auch von Schulleiterin Dagmar Arndt sowie Bürgermeister Michael Ankermann. Dieser erinnerte daran, dass Hausmeister Schmidt „zwei Klassenlehrer hatte, um im Sprachgebrauch zu bleiben: Frau Arndt und ich als Bürgermeister. Und jeder hat an einer Seite gezogen. Darum hat Herr Schmidt auch so lange Arme.“

Dabei war Jürgen Schmidt eigentlich „Hausmeister aus Not geworden. Ich habe auf dem Bau gearbeitet und hatte einen Unfall.“ Und so kam es, dass er erst neun Jahre lang als Hausmeister im Kindergarten arbeitete und danach in der Schule tätig war.

Das Aufregendste für ihn war der Umzug von der alten Backsteinschule über die Straße in die neue Schule sowie vor einigen Jahren erst die Turnhallensanierung. Im Hausmeisteralltag bedurfte es „ein dickes Fell, es war laut, wie Kinder eben so sind. Aber irgendwann hört man sie gar nicht mehr. Stille fand ich schon schlimmer, wenn Ferien waren“, sagt Schmidt, der garantiert einer der bekanntesten Wariner ist. Beim Einkauf hört er häufig: „Guck mal, da ist Hausmeister Schmidt“. Das dürfte sich fürs erste nicht so schnell ändern; auch wenn mit Michael Baier der Nachfolger den Kindern gestern vorgestellt wurde…