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Sternberg Als falsche Rettungskräfte ins Rathaus

Von Rüdiger Rump | 12.11.2012, 09:12 Uhr

Menschenauflauf vor dem Rathaus: Der Sternberger Carneval Club (SCC) hat am Sonnabendnachmittag seine Susa-Party zum Start in die fünfte Jahreszeit begonnen.

Bürgermeister Jochen Quandt und Kämmerer Reinhard Dally legen zur gleichen Zeit eine Sonderschicht ein, um sich einen aktuellen Überblick über die Finanzen der Stadt zu verschaffen. Dabei stört das Getöse auf dem Platz. Was da unten los sei, ruft Quandt unwirsch vom Balkon. "Wir wollen ins Rathaus und bis Aschermittwoch regieren", erwidert SCC-Präsident Jan Markowski. Darauf könne er lange warten, wird ihm beschieden. "Aber ihr seid nur zwei und wir mehr als tausend", legt der Präsi der Jecken nach. Das Stadtoberhaupt bleibt standhaft. Bürgeramtsleiter Eckardt Meyer, der zum närrischen Volk hält, bekommt noch sein Fett weg, weil er montags früh zur Besprechung immer zu spät komme. Er habe wohl mit der Landwirtschaft auf seinem Gehöft zu viele Verpflichtungen. Dann schließt der Bürgermeister das Thema ab. "Wir trinken jetzt ein Glas Rotwein und zählen unsere Anleihen."

Aber plötzlich geschieht es: Ein Hilferuf aus dem Rathaus, der Kämmerer habe einen Schwächeanfall. "Es müssen wohl griechische Anleihen dabei gewesen sein", argwöhnt der Bürgermeister. Die Narren nutzen die Gunst der Stunde. Als Rettungskräfte verkleidet, gelangen sie anstelle des herbeigerufenen Arztes in das Rathaus. Jetzt bleibt dem Bürgermeister doch nichts anderes, als den Schlüssel zu übergeben. Aber das habe er in seiner Amtszeit schon öfter als 20 Mal machen müssen und ihn jedes Mal wiederbekommen, tröstet sich das Stadtoberhaupt.

Das Prinzenpaar Netty I. und Jörn I. strecken auf dem Balkon den Rathausschlüssel in die Höhe. Netty Manthei (35) und Jörn Wendland (38) sind seit zehn Jahren auch im normalen Leben ein Paar, ihr Sohn Leo ist zwei. Vor acht Tagen auf dem 50. Geburtstag von Präsi Markowski habe es sich dann ergeben, dass die Beiden in dieser Saison das Prinzenpaar darstellen. Sie habe schon vor 20 Jahren in der Garde des SCC angefangen und später lange Zeit Tanzgruppen trainiert, erzählt die hübsche Prinzessin, die von Beruf Wirtschaftsjuristin ist. Dies sei nun völlig neu für sie, aber auch schön. Ihr Partner, Mitarbeiter im städtischen Wasserwerk, geht seit zehn Jahren mit zum närrischen Treiben, jedoch ohne Mitglied des Vereins zu sein; zufällig (?) so lange, wie sie ein Paar sind. "Alle Achtung, wie viel Arbeit jedes Jahr in dem Programm steckt, auf und hinter der Bühne", meint Jörn I. Am kommenden Sonnabend steigt ab 20 Uhr die Abend-Gala im Seehotel und am Sonntag ab 14 Uhr der Familienfasching.

Der Susa-Party am Sonnabend war ein Umzug vom Parkplatz am Mecklenburgring zum Markt vorausgegangen. Ein Erlebnis auch für Kinder; die neunjährige Ayline trug zum ersten Mal eine Fackel. Oma und Opa, Adelheid und Fredy Schmidt, hatten sich mit ihr auf den Weg gemacht, weil beide Eltern zur Arbeit waren. "Für uns ist es auch nicht verkehrt, aus dem Haus zu kommen. Sonst hätten wir auf der Couch gesessen und Fußball-Bundesliga geguckt", so Fredy Schmidt. Er habe zwar nie selbst gespielt, Aylines Papa aber "von klein auf". Dieser sei treuer Hansa-Fan und fahre möglichst zu jedem Heimspiel, und die Tochter mit ihm.

Als alle Fackeln angezündet sind, setzt sich der Umzug in Bewegung. Und auf dem Markt vergnügen sich dann Alt und Jung. Schade, der Regen, der kurz darauf beginnt, passt leider gar nicht zu der guten Stimmung.