Sternberg : Zweites Standbein für Fischereihof

Fischer Jörg Rettig (M.) diesmal nicht auf dem See oder beim Verkauf von Frisch- und Räucherware, sondern als Vermieter von Ferienwohnungen, die als zweites Standbein für den Betrieb über Leader gefördert wurden. Die Aktionsgruppe war jetzt vor Ort.
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Fischer Jörg Rettig (M.) diesmal nicht auf dem See oder beim Verkauf von Frisch- und Räucherware, sondern als Vermieter von Ferienwohnungen, die als zweites Standbein für den Betrieb über Leader gefördert wurden. Die Aktionsgruppe war jetzt vor Ort.

Ferienwohnungen wurden gefördert – die Lokale Arbeitsgruppe Warnow-Elde-Land machte sich mit Projekten im Sternberger Seenland vertraut.

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22. Juni 2016, 20:45 Uhr

Mit dem Reetdach sieht das richtig schick aus, findet Marco Rexin, Unternehmer und stellvertretender Bürgervorsteher in Plau am See. Fischer Jörg Rettig freut sich und fügt zur Verblüffung in der Runde an, dass das allerdings Kunstrohr sei. Aus paar Metern Entfernung unterscheide es sich überhaupt nicht von natürlichem Reet, wird ihm bescheinigt.

Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Warnow-Elde-Land machte sich mit drei geförderten Leader-Projekten im Sternberger Seenland vertraut. Eines davon sind zwei Ferienwohnungen auf dem Fischereihof in der Seestraße. Sie sollen ein zweites Standbein im touristischen Bereich sein. Denn rückläufige Fänge machten für traditionelle Betriebe ein wirtschaftliches Überleben allein mit dem Kerngeschäft schwierig, heißt es zu diesem Projekt.


Unter dem Strich die gleichen Kosten


Die 2011 beantragten Leader-Mittel flossen in den Um- und Ausbau des Fischereigebäudes. Im Erdgeschoss blieben die Arbeitsräume, darüber, zuvor als Lager genutzt, entstanden Ferienwohnungen für Urlaub auf dem Fischerhof. „Es hätten auch drei hinein gepasst, aber wir wollten die Wohnungen lieber großzügiger gestalten. Dies ist ein weites Land, und so möchten die Urlauber auch gern ihre Unterkunft haben“, erklärt Jörg Rettig. „Wir machen das jetzt das fünfte Jahr und sind sehr zufrieden.“ Häufig würden Urlauber, die zum Kurzaufenthalt im Hotel waren, für ein, zwei Wochen wiederkommen und dann gern eine Ferienwohnung nehmen. Insofern hielte er es für gut, für Sternberg sowieso, wenn auch das Seehotel wieder öffnen würde. Die Seenfischerei hatte zuvor lediglich ein Ferienhaus vermietet.

Noch einmal zum Reetdach zurück: Es passe in die Landschaft, mache aber viel Arbeit und sei teuer bei der Versicherung, so Rettig. „Wir haben uns deshalb an der Ostsee Häuser mit Kunstrohr angesehen. Das hatte teils 25 Jahre hinter sich.“ Das Material sei teurer als Naturreet, das Verlegen jedoch günstiger und die Pflege ohnehin, so dass unter dem Strich etwa die gleichen Kosten entstünden. Dieses Dach habe er übrigens selbst gedeckt, verkündet der Fischer stolz, das gegenüber mit Fischhältern und Verkauf einst sein Vater. Johann-George Rettig kam 1961 als Wirtschaftsleiter des VEB Binnenfischerei nach Sternberg, machte sich nach der Wende selbstständig mit zwei Mitstreitern, die aber innerhalb kurzer Zeit starben, und übergab 65-jährig den Betrieb 2003 an Sohn Jörg.

Gerne fährt der Fischer – Senior, Junior oder ein Mitarbeiter – mit Gästen auf den See, zeigt ihnen das uralte Handwerk oder bringt sie auf die gegenüber liegende Seite zum Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden. Somit führt das Projekt eine traditionsreiche Seenfischerei in Sternberg mit Fischfang und -veredelung sowie Tourismus weiter, macht den traditionsreichen Beruf erlebbar und stellt den Gästen ein Leben von und mit der Natur in Mecklenburg vor.

Die Leader-Aktionsgruppe hatte vor dem Fischereihof die Pilgerherberge Kloster Tempzin besucht. Hier ist die Außenhülle des Warmhauses aufwändig saniert und der Innenbereich neu hergerichtet worden. Mit Hilfe der Förderung wurden Übernachtungsplätze für Pilger und Einkehr suchende Gäste, ein Andachtsraum und Sanitäreinrichtungen geschaffen.

Dritte Station war das Projekt „Lütt Acker summt – Bienenvielfalt in Sternberg“, das der Verein Dialog + Action verwirklicht.

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