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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. September 2017 | 12:39 Uhr

Woserin : Zweites Leben für baufällige Kirche

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Nach einer aufwändigen Sanierung der Hülle wurden die Farbfassungen und Malereien in der Woseriner Feldsteinkirche restauriert oder freigelegt.

von
erstellt am 10.Jul.2017 | 21:00 Uhr

An eine Rettung glaubten nur wenige. Zu baufällig war nach der Wende die schon 1234 urkundlich erwähnte Feldsteinkirche in Woserin. Selbst übergeordnete Kirchengremien gaben ihr so gut wie keine Chance. Doch jene, die daran glaubten, nahmen ihren ganzen Enthusiasmus in die Hand, allen voran Hansherbert Lange, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Dabel, zu der das Woseriner Gotteshaus gehört, suchten und fanden Verbündete. Das und manche Episode, über die Beteiligte heute schmunzeln, kam zur Sprache, als nun der Abschluss der Sanierung mit einem Festgottesdienst gefeiert wurde. Liturgie und Predigt übernahm Pastor Christian Lange aus Vellahn, einer der beiden Söhne des 2016 verstorbenen Dabeler Seelsorgers.


Baumstämme wie ein Korsett angelegt


Der Schweriner Kirchenbaubeauftragte Klaus-Peter Gauer erinnert sich genau, unter welchen Umständen die Sanierung begann: Eine Außenwand drohte umzustürzen. Deshalb wurden Baumstämme aus dem Wald geholt und wie ein Korsett bis zur Traufe hoch daran gestellt. Halt bekam die ungewöhnliche Konstruktion durch Eisenspanngurte, die um den Turm gelegt wurden.

Eine erste Verbündete des Pastors wurde Sigrid Patellis aus dem Landesamt für Denkmalpflege in München. Die gebürtige Schwerinerin kam über aufgefrischte Kontakte zu damaligen Schulfreundinnen in die Region. Sie gewann den Zonta Club in Bayerns Hauptstadt, überparteilicher, überkonfessioneller und weltanschaulich neutraler Zusammenschluss von Frauen in verantwortungsvollen Positionen und Pendant zu Lions Clubs, für das Mammutvorhaben in Woserin sowie andere in Not geratene Dorfkirchen. Dann klingelte es unvermittelt bei Langes an der Tür. Der Seniorchef der Firma Lehmann & Voss & Co. KG, 1894 als Handelshaus in Hamburg gegründet, hat Wurzeln im Raum Parchim und bot finanzielle Hilfe an, da er von den vielen sanierungsbedürftigen Kirchen im Land wusste. Er bat Hansherbert Lange, auf der Feier zum 100-jährigen Firmenjubiläum das Tischgebet zu sprechen, und die Gratulanten anstelle von Geschenken um Geldspenden für die Orgel in Woserin. Das ist Christoph Munzlinger, seinerzeit Bundeswehr-Kommandeur in Dabel und der Kirche eng verbunden, der nun auf diesem Instrument spielt, fast wie gestern gegenwärtig. Der großzügige Hamburger spendete eine halbe Million D-Mark für die Sanierung des Kirchengebäudes, und als das Geld nicht reichte, weitere 100 000. „Wir haben das als Kinder miterlebt, waren bei Arbeitseinsätzen dabei“, blickt Andreas Lange zurück, inzwischen 36. Ihm wurde jetzt ebenso gedankt wie seiner Mutter Astrid Lange stellvertretend für ihren verstorbenen Mann.

Der Juniorchef von Lehmann & Voss & Co. finanzierte dann die 2010 begonnenen und jetzt abgeschlossenen Arbeiten im Innern der Kirche mit 170 000 Euro in vier Jahresscheiben. Die Farbfassungen und Malereien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden restauriert. Als Hauptarbeit bezeichnet der Schweriner Restaurator Matthias Zahn die Befestigung des Untergrunds, das Malen sei dann „das I-Tüpfelchen“ gewesen. Ebenso seien das Gewölbe im Altarbereich befestigt und
Risse darin verfüllt, ältere Malereien, „meist Renaissance und ein kleines Stück Mittelalter“, so Zahn, freigelegt und gesichert worden. Deshalb seien Restauratoren gefragt gewesen, sonst hätten Maler die Farberneuerungen vornehmen können. Die Ausmalung, die nun wieder in ihrer ganzen Schönheit zu sehen ist, stamme aus der gleichen Zeit wie die Ausstattung der Kirche, von Altar über Kanzel bis zum Gestühl.

Der Feldsteinbau in Woserin hat manche Besonderheit. „Es ist unsere Hubertuskirche“, sagt die Dabeler Kirchenmusikerin Ingrid Kuhlmann. So dreht sich auf dem Turm kein Wetterhahn im Wind, sondern ein goldener Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih. Weitere Anzeichen sind eine Bronzeplastik im Eingangsbereich, Geweihe als Leuchter, Bleiglasornamente in den Fenstern und natürlich die Orgel. Christoph Munzlinger macht es sichtlich Freude, die vier Nebenregister zu ziehen: Kuckuck, Schuss, Entenruf und Vogelgezwitscher.

Die Dorfkirche, die wieder rege genutzt wird, soll noch neue Glocken erhalten. Auch dafür hat Hansherbert Lange geworben.

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