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Brüel: Bei Sanierung des einstigen Armenhauses fehlt Geld : Zwangspause in der Wariner Straße 11

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Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Wariner Straße 11, das im 19. Jahrhundert als Armenhaus genutzt wurde, hat sichtbare Fortschritte gemacht. Es wurde höchste Zeit, um es vor dem Verfall zu retten.

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erstellt am 04.Okt.2012 | 10:44 Uhr

Brüel | Die Klinker haben unterschiedliche Farbtöne. Anders kennen die Brüeler das Haus in der Wariner Straße 11 gar nicht. Dennoch sieht es ganz anders aus als vor sieben Monaten, die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, das im 19. Jahrhundert als Armenhaus genutzt wurde, hat sichtbare Fortschritte gemacht.

Es wurde höchste Zeit, um es vor dem Verfall zu retten. Die Wohnung zur Wipersdorfer Straße war gar nicht mehr vermietbar. Die Feuchtigkeit hatte deutliche Spuren an Balken, Fenstern und Schwellen hinterlassen, vor allem auch im Mauerwerk. Die sind inzwischen beseitigt, die gesäuberten und teils ersetzten Steine sauber verfugt. Die gesamte Häuserzeile hat dadurch gewonnen. Die Sanierung erfolgt über die Entwick lungsgesell schaft(EGS) des Landes mit Mitteln aus der Städtebauförderung, Bauherr ist die Stadt.

Seit einigen Wochen gibt es beim Innenausbau allerdings eine Zwangspause. "Da ist eine Panne passiert, mit der keiner rechnen konnte. Es hat sich auf einmal heraus gestellt, dass die liquiden Mittel nicht ausreichen", informierte Bürgermeister Hans-Jürgen Goldberg auf der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung. "Das ist wirklich sehr ärgerlich, wir machen aber niemandem einen Vorwurf."

Dort im Sanierungsgebiet, zu der das Haus in der Wariner Straße ebenso gehört wie der Dornenstieg, dessen Ausbau Mitte September abgeschlossen wurde, haben Grundstückseigentümer so genannte Ausgleichsbeiträge zu zahlen, ähnlich wie anderswo Straßenausbeiträge. Erstere berechtigen, Fördermittel auch für Sanierungsarbeiten an privaten Häusern in Anspruch zu nehmen, wenn der notwendige Eigenanteil vorhanden ist. Die Ausgleichsbeiträge seien bislang nicht wie erwartet geflossen, erklärt Goldberg, bei der Planung sei aber von der vollständigen Summe ausgegangen worden, die hereinkommen soll. Die rund 200 000 Euro, die derzeit fehlen, soll ein Kommunaldarlehen überbrücken, das die Stadt in dieser Situation beantragt hat. Das Innen ministerium habe bereits zugestimmt, sagt der Bürgermeister. Das müsse aber auch noch die Kommunalaufsicht des Landkreises, weil sie das Geld zur Verfügung stelle. Diese prüfe ganz genau, zumal Brüel mit etwa 4,8 Millionen Euro schon eine enorme Kreditbelastung habe. Dennoch rechnet der Bürgermeister buchstäblich jeden Tag mit einer Zusage. Die Refinanzierung sei hier weniger problematisch, sie soll über die noch ausstehenden Ausgleichsbeiträge und die Mieteinnahmen erfolgen. "Ein Kommunaldarlehen hat einen ganz niedrigen Zinssatz, und es kann jederzeit zurückgezahlt werden, wenn Geld vorhanden ist", so Goldberg. Das seien große Vorteile gegenüber einem Bankdarlehen.

Die Gesamtsumme für die Sanierung liege bei 450 000 Euro, ca. 220 000 Euro seien ausgegeben. Sobald die Kommunalaufsicht grünes Licht gibt, wird weitergebaut, versichert der Bürgermeister. "Die Arbeiten sind vergeben und die Handwerker bereit, doch wir können keine Aufträge auslösen, so lange die Finanzierung nicht abgesichert ist. Die Betriebe sollen pünktlich ihr Geld bekommen."

Ursprüngliches Ziel war, im November mit der Sanierung des Hauses fertig zu werden. Dieser Termin dürfte sich unbestimmt verschieben, und deshalb hält sich der Bürgermeister mit Werbung für die neuen Wohnungen noch zurück. Fest stehe bislang nur, dass ein Mieter in die Wariner Straße 11 zurück möchte. "Es werden gut sanierte, schöne und bezahlbare Wohnungen nach heutigem Standard. Ich bin selbst überrascht, was aus diesem früheren Armenhaus, das dringenden Sanierungsbedarf hatte, schon geworden ist", so Goldberg. Daher sei ihm überhaupt nicht bange, was die Vermietung betrifft. In Sternberg seien sanierte Altbauwohnungen jeweils nach kurzer Zeit vergeben. Damit rechne er auch in Brüel.

Im Erdgeschoss entstehen zwei völlig neu zugeschnittene Wohnungen mit 65 und 80 Quadratmetern, darüber drei Singlewohnungen um die 40 Quadratmeter, die durch das Dachgebälk einen besonderen Charme erhalten. In der Stadt würden gerade Wohnungen dieser Größe fehlen.

Das Sanierungsgebiet, in das Mittel aus der Städtebauförderung fließen, höre leider an der Schweriner Straße und dem dort beginnenden Abschnitt der Sternberger Straße auf, bedauert der Bürgermeister - obwohl gleichfalls Sanierungsbedarf bestehe. Erschwerend käme hinzu, dass die an der Bundesstraße gelegenen Häusern nur teilweise eine Zuwegung hätten. Doch das Vorhaben der Stadt, diesen Teil von Brüel in das Sanierungsgebiet einzubeziehen, sei "rundweg abgelehnt" worden. Das seien daher lediglich im übertragenen Sinne Baustellen, die bislang in keinerlei Planung eine Rolle spielten.

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