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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 04:50 Uhr

Sternberg : Zuwachs aus 100 Ostseebohrungen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die geologische Landessammlung in Sternberg archiviert Gestein von einem Windparkuntergrund bei Rügen. Geothermie ist auch für Häuslebauer interessant.

svz.de von
erstellt am 11.Aug.2014 | 16:08 Uhr

Immer neue Geheimnisse aus dem Innern der Erde gelangen zutage: In der Geologischen Landessammlung in Sternberg sind nun weitere 100 Bohrungen akribisch archiviert. Bei denen ging es nicht einige Tausend Meter tief wie bei der Suche nach Erdöl, sondern lediglich 60 Meter in der Ostsee nordöstlich Rügens. „Doch schon dabei ist über Eiszeitablagerungen hinaus Kreide erreicht worden“, erklärt Karsten Obst, der Fachmann für Tief- und Untergrund beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in Güstrow.

Die Gesteinsproben sollen Auskunft geben, wie standfest der Untergrund für einen Windpark im Arkonabecken ist. Danach richte sich, so Obst, wie tief die Rohre gerammt werden müssen, um bei der immens hohen Belastung auf See sicheren Halt zu finden.

Mit ihrem Wissen aus Erdölbohrungen, die im Norden der DDR in den 1960er-Jahren „richtig losgegangen“ seien, unterstützen die Geologen auch Projekte dieser Art. Indes hatte erst jüngst eine deutsch-kanadische Ölfirma bei Barth die erste abgeteufte Horizontalbohrung in die Erde gebracht. 2000 Meter sei es senkrecht hinunter gegangen, dort zunächst schräg weiter, sozusagen um die Kurve, und dann 1000 Meter waagerecht.

Im Gegenzug können die archivierten Gesteinsproben, in Sternberg insgesamt 70 000 Meter aus mehr als 350 Bohrungen, zur Forschung genutzt werden. So erstellen Studenten der Universitäten Greifswald und Jena ein 3 D-Modell vom Untergrund des Windparks bzw. bestimmen das Alter der Kreidesedimente. Das sei interessant für den Strukturaufbau in der östlichen Ostsee und damit für ein Forschungsprojekt, das die norddeutschen Bundesländer und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe für sechs Jahre aufgelegt haben. Dabei sollen Informationen von alten Karten und von Bohrungen sowie seismische Messungen aufgearbeitet werden, auf dem Festland und in die Ostsee hinein, und daraus ein 3 D-Modell des norddeutschen Beckens entstehen. In MV hätten zwei Geologen sechs Jahre voll zu tun.

Das Projekt diene dazu, „Vorrangräume für bestimmte Nutzungen zu erkunden“, sagt der Fachmann vom Lung. Mit der Notwendigkeit würden auch immer wieder neue Möglichkeiten entdeckt, beispielsweise zur Speicherung von Energie. „Das ist aktuell ein großer Renner“, wie Karsten Obst weiß. Dafür lasse sich überschüssiger Strom von Windparks nutzen, für den die Netzkapazität nicht ausreiche. So könne in Salzstöcken nicht nur Erdgas vorgehalten werden, wie etwa in den mittlerweile vier Kavernen unter den Kraaker Tannen zwischen Schwerin und Hagenow, um bundesweit ca. ein Jahr für Lieferengpässe, Spitzenzeiten oder andere Eventualitäten gewappnet zu sein, sondern auch Druckluft gepresst, die bei Bedarf abgelassen und Turbinen antreiben würde. Zum Verdichten werde Strom benötigt. Mit Windstrom lasse sich ebenfalls Methangas produzieren. Wasserstoffspaltung sei ein weiterer Verwendungsbereich.

Mit seinem Wissen aus den Tiefen der Erde berate das Landesamt neben Politik, kommunaler Verwaltung und Wirtschaft auch private Interessenten, sagt der Lung-Fachmann. So komme für Häuslebauer durchaus Geothermie in Frage. Er spreche aus eigener Erfahrung, denn seit vier Jahren betreibe er eine „erdgekoppelte Wärmepumpenanlage“, wie es fachlich heiße. Die speise Niedrigtemperaturheizung und Warmwasserbereitung, so Obst. 140 Meter tief wurde gebohrt und eine Sonde installiert, alles von einer Fachfirma berechnet und ausgeführt.

Geothermie sei „prinzipiell überall möglich“, nur in Grundwasserschutzbereichen gäbe es Einschränkungen. Auskunft erteile die Untere Wasserbehörde, bei der ohnehin jede Bohrung anzuzeigen sei. Das Lung gäbe dazu gern fachliche Auskünfte. Die Anschaffung der Anlage sei relativ teuer, sie amortisiere sich über die Zeit, rund 20 Jahre, rechnet Obst. Die Stromkosten für die Anlage hielten sich in Grenzen, und er habe „ein gutes Gefühl“.

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