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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

26. September 2017 | 02:02 Uhr

Podiumsdiskussion in Rothen : Zukunft der Landwirtschaft

vom

Wie es mit der Wirtschaft auf dem Lande weitergeht, damit beschäftigten sich die 80 Besucher auf der Podiumsdiskussion des Rothener Hofs. Ein Problem sei, dass kein bäuerlicher Mittelstand geschaffen und gefördert wird.

svz.de von
erstellt am 03.Jun.2013 | 11:35 Uhr

Rothen | Trotz Fußball-Endspiel im DFB-Pokal kamen am Sonnabendabend rund 80 Besucher zum Podium Rothener Hof. Der gleichnamige Verein hatte zu einer Veranstaltung mit dem Titel "Wirtschaft auf dem Lande - wie weiter" eingeladen und zur Diskussion ein kompetent besetztes Podium organisiert.

Dr. Jörg Gerke von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und selbst Biobauer kritisierte insbesondere die Politik der Privatisierung von Ackerland, das zur Wendezeit zu 40 Prozent in öffentlicher Hand war. Es wäre kein bäuerlicher Mittelstand geschaffen und gefördert worden, junge Landwirte hätten keine Chance bekommen, Betriebe einzurichten. CDU- wie SPD-Landespolitiker hätten das Land großen Landbesitzern zukommen lassen. Inzwischen sind die Bodenpreise so hoch, dass kleine und mittlere Betriebe kaum eine Chance zum Erwerb von Boden haben. Darum werde weiter Landwirtschaft wie bisher betrieben, und Alternativen hätten nur geringe Chancen.

Johannes von Niebelschütz, Guts besitzer in Cambs beklagte speziell die unfähige Verwaltung der Behörden, die den Landwirten immer wieder Schwierigkeiten bereite. Sein Credo: weniger Regulierung, dafür freie Entwicklungsmöglichkeiten für die Landwirte, die seiner Auffassung nach in Lage sind, selbst kreativ zu entscheiden, was gut für das Land und die Arbeit auf und mit dem Land ist. Er appellierte auch an den Verbraucher: "In Deutschland fahren die Verbraucher mit einem teuren Auto zum Discounter, um billige Lebensmittel zu kaufen, in Frankreich fährt der Käufer mit einem billigen Auto zum Lebensmittelhändler und kauft verhältnismäßig teure Lebensmittel." Fred Paarmann, Bauer aus Augzin, meinte, wenn die Verbraucher bereit sind, mehr Geld für die Lebensmittel auszugeben, werden die Landwirte auch eher bereit sein, biologisch angebaute Produkte zu liefern.

Die kluge Moderation von Professor Peter Adolphi von der Akademie für Nachhaltige Entwicklung führte dazu, dass sehr sachlich und offen diskutiert wurde. Zwei Stunden konzentrierte Debatte über Landwirtschaft warfen viele Fragen auf, brachten nützliche Informationen, ließen aber auch manches offen. Auf die abschließende Frage, was er aktuell tun würde, wenn er Entscheidungsmacht hätte, antwortete Jörg Gehrke, dass er die verbliebenen 80 000 Hektar Land in öffentlicher Hand, alternativen Landwirten zukommen lassen wollte, damit wenigstens auf dieser Fläche ohne Pestizide und andere Gifte, ohne Monokulturen für den Tank Landwirtschaft betrieben werden könne. Gleichzeitig zeigte er sich skeptisch, ob der geplante Masterplan von Landwirtschaftsminister Till Backhaus dies leisten könne und werde.

Am Sonntag fand um 11 Uhr die dritte Veranstaltung des Podium Rothener Hof statt. Geladen war zu einem kommunalpolitischen Frühschoppen. Die 50 Teilnehmer, darunter Bürgermeister und Kommunalvertreter aus Kreistag und Gemeinden, diskutierten lebhaft über die Möglichkeiten kommunaler Demokratie und Mitwirkung. Gemeinderat Ralf Eggert wünschte sich mehr Wertschätzung von Initiativen aus der Bevölkerung durch die Gemeinderäte. Viele Regelungen der Kommunalarbeit empfindet er als einengend und nicht dazu geeignet, neuen Ideen Raum zu geben. Ernst Schützler aus Qualitz berichtete von vielen örtlichen Initiativen, die aktive Bürger im Dorf starten und umsetzen. Er fände es gut, wenn die Kommunalpolitiker dies aufgriffen und fördern würden. Jörgen Fuchs , der für die Grünen in Kreistag sitzt, wünschte sich Einmischung in die Kommunalpolitik und sprach die Hoffnung aus, nicht zu resig nieren. Er meinte, gerade im Gemeinderat bestehe die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und auch negative Entwicklungen zu verhindern. Christa Bölkow, die aus einer schon lange in Rothen ansässigen Familie stammt, meinte in der Debatte, dass es ganz wichtig sei, die Menschen mit neuen Ideen zu "berühren". Wer sich berührt fühlt, ist auch bereit, Neues aufzugreifen und mitzumachen an der Gestaltung des Gemeinwesens. Regine Rosenfeld, Bürgermeisterin aus Borkow, berichtete ebenso wie andere Kommunalvertreter, dass die Gemeinden eigentlich pleite sind und kaum noch finanzielle Spielräume haben. Sie sei offen für neue Ideen und Initiativen. Baldur Beyer, ehemaliger Lehrer, der in Witzin viele kulturelle Aktivitäten angekurbelt hat, erzählte davon, dass zur Vorbereitung von Aktivitäten Stammtische mit Interessierten aus der Dorfbevölkerung durchgeführt wurden. Kommunikation, "Palaver" und eine konstruktive Streitkultur, so betonten mehrere Redner, sind das A und O, wirkliche Bürgerbeteiligung in den Kommunen zu mobilisieren.

Andrea Klein vom Verein Rothener Hof moderierte und bedankte sich bei allen Teilnehmern für die konstruktive, sachliche Diskussion.

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