zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 14:46 Uhr

Wendorf : Zugvögel-Rückkehr immer früher

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ornithologe Ernst Schmidt führt seit Jahrzehnten Buch: Ankunft von Nachtigall & Co. ist ein „deutliches Zeichen der Klimaerwärmung“.

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 05:53 Uhr

Weil die Schwalben sich Nestmaterial und Insekten gern aus Schlamm holen, glaubten die Mecklenburger noch vor 200 Jahren, dass sie im Schlamm überwintern und im Frühjahr wieder rauskommen. Vom Kuckuck, der ab September weg ist, glaubte man hierzulande, dass er über Winter als Sperber aus dem Norden und Osten wiederkomme, weil beide Vögel eine ähnliche Gestalt haben. Und vom Storch hieß es seit Aristoteles, er verberge sich im Winter im Sumpf.

Zwar wusste man später, dass Adebar wegzieht, aber niemals glaubte man, dass sie bis nach Afrika fliegen. Als 1822 auf Schloss Bothmer bei Klütz ein Weißstorch mit einem 80 Zentimeter langen afrikanischen Pfeil im Hals lebend erlegt wurde, war dies eine wissenschaftliche Sensation. Wurde doch dadurch der Fernzug der Störche bis nach Ostafrika bewiesen.

Dieser Pfeilstorch von 1822 wurde übrigens präpariert und gehört heute zur zoologischen Sammlung der Universität Rostock. Seit diesem ersten Fall wurden bis heute über 30 Fälle von Pfeilstörchen nachgewiesen: So 1970 bei Kyritz, ansonsten in Afrika und der letzte 2006 in Israel.

Heute wird der Vogelzug mit fortgeschrittenen Techniken erforscht. Ornithologen wie Ernst Schmidt aus Wendorf verfolgen ganz genau, wann sich Zugvögel auf ihre Reise ins Winterquartier machen und wann sie wieder zurückkehren. Dabei unterscheiden sie zwischen Kurzstreckenzieher (etwa bis Mittelmeer) und Langstreckenzieher (bis Südafrika).

Der Wendorfer beobachtet seit Jahrzehnten viele einheimische Zugvögel und kann dadurch eine aussagekräftige Statistik vorlegen.

Kurzstreckenzieher


Zu den Kurzstreckenziehern gehört die Feldlerche. Sie hat Schmidt nach seinen Notizen (1963 bis 2006) im Durchschnitt am 7. Februar das erste Mal singen hören, zwischen 2007 und 2016 hat sich das schon auf den 22. Januar vorverlegt.

Die Bachstelze kam etwa 1915 am 20. März aus ihrem Winterquartier zurück, nach Schmidts Beobachtungen am 5. März (1963 bis 2006) und 8. März (2007 und 2016)

Ringeltaube – Sangesbeginn: 60er im Schnitt 28. Februar; 1963 bis 2006: 17. Februar; 2007 bis 2016: 11. Februar;

Kranich – deren Ruf war in den 60ern durchschnittlich erstmals um 10. März zu hören; 1963 bis 2006: 28. Februar; 2007 und 2016: 13. Januar. „Hier allerdings geht der Trend dahin, dass einige Kraniche gänzlich versuchen hier zu bleiben. Im Januar habe ich im Bibower Polder mit 250 Kranichen bereits eine riesige Schar gesehen, am vergangenen Sonntag allerdings nur 24 und das trotz Eis und Schnee“, erzählt der Ornithologe. Über den Grund vom Sonntag rätselt er.

Bei den Bachstelzen sei es bisher eher selten, dass welche dableiben. Allerdings habe man bereits überwinternde Feldlerchen gesehen, die unter Rapsblättern Schutz vor Eis und Schnee finden.

Weitstreckenzieher


Durchschnittliche Rückkehr bei den Weitstreckenziehern:

Rauchschwalben – 60er: 13. April, 1963 bis 2006: 13. April; 2007 bis 2016: 10. April;

Kuckuck: 60er: 2. Mai, 1963 bis 2006: 28. April; 2007 bis 2016: 25. April;

Nachtigall: 1915: 1. Mai; 1963 bis 2006: 28. April; 2007 bis 2016: 22. April;

Pirol: 60er: 10. Mai, 1963 bis 2006: 8. Mai; 2007 bis 2016: 5. Mai;

Roter Milan: „Der Rote Milan nimmt die weite Reise teilweise auch schon gar nicht mehr auf sich. Aber sein normales Ankommen bei uns wäre der 14. März (60er-Jahre), 1. April (bis 2006) und 24. Februar (bis 2016.)“

Aus all diesen Daten sei „eine eindeutige Tendenz abzulesen“, so Ernst Schmidt. „Sowohl die Kurzstrecken- als auch die Langstreckenzieher kommen immer früher aus ihren Winterquartieren zurück.“ Natürlich gebe es Ausnahmen wie der „Trauerschnäpper, der all die Jahre nach wie vor am 27. April eintrifft.“ Schmidts Fazit: „Die Verfrühung der Zugvogelrückkehr ist ein deutliches Zeichen der Klimaerwärmung.“  



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen