Warin : Zu wenig Umsatz – Drogerie dicht

Auf einem unscheinbaren Blatt Papier neben der bunten Reklame wird lediglich verkündet: Geschlossen. Nichts weiter, auch keinerlei Hinweis, ob das nur vorübergehend ist oder auf Dauer.  Fotos: Rüdiger Rump (3)
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Auf einem unscheinbaren Blatt Papier neben der bunten Reklame wird lediglich verkündet: Geschlossen. Nichts weiter, auch keinerlei Hinweis, ob das nur vorübergehend ist oder auf Dauer. Fotos: Rüdiger Rump (3)

Das Unternehmen aus Bayern schließt die Wariner drogeria-Filiale von heute auf morgen. Bis Monatsende muss ein Interessent gefunden sein, sonst ist Schluss.

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26. April 2017, 21:00 Uhr

Die Schließung der Schlecker-Filiale Mitte 2012 in Warin war – wie überall – zumindest vorher angekündigt worden, mit „drogeria – meine Welt“ passierte das nun Knall auf Fall. Von manchen bis heute unbemerkt, ist der Drogerie-Fachmarkt bereits seit dem 11. April dicht. Die Eröffnung an der Stelle im Zwei-Seen-Center, wo es zuvor einen Getränkemarkt gab, war Anfang Dezember 2013 groß gefeiert worden, nun verabschiedet sich die L&S Warenhandelsgesellschaft mbH im bayerischen Grundremmingen sang- und klanglos aus Warin.

Bürgermeister wie die Kunden überrascht

Selbst bei der Stadt sei keine offizielle Mitteilung eingegangen, sagt Bürgermeister Michael Ankermann enttäuscht. Dazu sei das Unternehmen auch nicht verpflichtet, „doch ich hätte mir gewünscht, vorher davon zu erfahren, um vielleicht gemeinsam zu überlegen, ob es noch eine Chance gibt“.

Vermutlich seien „mehrere Faktoren zusammengekommen“, so Ankermann. Er sei an dem Tag in einer Whats-App über die Schließung informiert worden und genauso überrascht gewesen wie Kunden, habe sich dann gleich vergewissert und zu seinem Bedauern feststellen müssen, dass das stimmt. „Schade, für die Stadt und das Einkaufszentrum ist das ein Verlust.“

Bei kleiner Umfrage verschiedene Reaktionen

Als wir in anderen Geschäften, in der Burg-Apotheke und auf dem Parkplatz nachfragen, das gleiche Resultat: Erstaunen über das plötzliche Aus. „Ich habe es durch Zufall erfahren“, sagt Dirk Kock aus Jesendorf. „Das Grundsortiment war in Ordnung. Doch zwei-, dreimal habe ich nicht die Artikel bekommen, die ich brauchte, und bin dann wieder nach Wismar gefahren. Die Warinerin Kristin Fröhnel erzählt, sie habe in dem Fachmarkt eingekauft, wenn sie „etwas Bestimmtes suchte“, sich den einen Tag dann aber gewundert, dass es im Geschäft dunkel blieb, obwohl schon Mittagszeit war“. Aber niemand habe gewusst, was los ist, bis eine ehemalige Verkäuferin zufällig davor angetroffen und gefragt worden sei.

Heidemarie und Gerhard Fink aus Sternberg fahren einmal pro Woche in das Wariner Einkaufszentrum. Dass die Drogerie geschlossen ist, sei ihnen noch nicht aufgefallen. Zum Glück gebe es auch in Sternberg wieder eine, dort würden sie einkaufen. „Aber für Leute, die darauf angewiesen sind, ist es nicht gut, dass hier geschlossen ist“, meint die Sternbergerin. Und so klein sei der Einzugsbereich nicht. „Unsere Kinder in Zahrensdorf haben hier gern eingekauft.“

Yvonne Sellmann aus Ventschow weiß von der Schließung nichts, als wir sie fragen. Sie sei gleich nach der Eröffnung einmal in dem Drogeriemarkt gewesen. „Es war schön vom Ambiente, auch übersichtlich, aber für mich nicht so ansprechend.“ Vom Angebot her würden die großen Drogerieketten eben „einer anderen Liga“ angehören.

Bis Ende April auf Suche nach Interessenten

Im ersten Jahr sei noch ein gutes Ergebnis erzielt worden, dann aber der Umsatz ständig bergab gegangen, so Lumila Lesyou, in dem bayrischen Unternehmen für „drogeria“ zuständig, auf SVZ-Nachfrage. „Die Umsätze waren zu gering, wir hatten jeden Monat Verluste.“ Den vier Mitarbeiterinnen sei fristgerecht zu Ende April gekündigt worden.

Lesyou zufolge suche das Unternehmen vor allem über Lieferanten, die sich auf dem Drogeriemarkt auskennen, einen Interessenten für die Wariner Filiale. Der müsse bis Ende dieses Monats gefunden sein, „sonst ist Schluss“. Die Filiale in Rostock sei an ein Unternehmen aus der Branche verkauft worden. In einer Kleinstadt wie Warin sei das aber ungleich schwieriger.

Die aus der Lebensmittelbranche kommenden Bayern wollten in ein für sie neues Segment einsteigen und planten nach Warin weitere fünf
Geschäfte im ersten Halbjahr 2014. Während große bundesweit agierende Drogerieketten in der Regel 800 bis 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche beanspruchten, wollte der Branchenneuling sich mit weniger als 500 Quadratmetern begnügen und auf Zweitstadt-Lagen konzentrieren, um es regionalen Drogerieketten, die längere Zeit erfolgreich auf dem Markt seien, gleich zu tun. In Warin seinerzeit freudig aufgenommen, dauerte es nicht mal dreieinhalb Jahre bis zur Ernüchterung.

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