Schönlage : Zu viele Raser in der Idylle

Bangig eng geht es manchmal in Schönlage zu. Fotos: Horst Kamke
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Bangig eng geht es manchmal in Schönlage zu. Fotos: Horst Kamke

Enge Ortsdurchfahrt in Schönlage soll verkehrsberuhigt werden / Bürgergemeinschaft beantragt Tempo-30-Zone für Gustäveler Weg

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15. März 2015, 19:05 Uhr

Wer von der Kreisstraße 106 zwischen Kaarz und Jülchendorf nach Schönlage abbiegt, kommt in ein Idyll, das seinem Namen alle Ehre macht. Am Zitronenberg, Dorfstraße und Golchener Weg heißt dort die Gemeindestraße, die sich kurvenreich durch diesen Ortsteil der Gemeinde Weitendorf windet. Ihre Asphaltdecke hat sie erst nach der Wende im Rahmen des ländlichen Wegebaus erhalten – dank schneller Zuschüsse und ohne große Planung. Die in der „Richtlinie zur Anlage von Straßen (RAST)“ geforderte Mindestbreite einer dörflichen Hauptstraße von 5,50 Meter wird jedoch an keiner einzigen Stelle eingehalten. Höchstens 4 Meter Breite weist die Gemeindestraße auf. An einen Bürgersteig oder Radweg ist bei den engen Platzverhältnissen ohnehin nicht zu denken. Der vorhandene Verkehrsraum wird von allen Verkehrsteilnehmern genutzt. Beim Bau wurde die Mahnung von Urgestein-Bürgermeister Bernd Knoll (68, Wählergemeinschaft Weitendorf) nicht beachtet. Er hatte vorausgesagt, dass der Autoverkehr und die Größe der landwirtschaftlichen Fahrzeuge derart zunehmen, dass der eingebrachte Unterbau und die unbefestigten Seitenstreifen auf Dauer nicht standhalten. Fahrzeuge müssen bei Gegenverkehr die Dorfstraße verlassen, um ausweichen zu können. Entsprechend ausgefahren präsentieren sich die Bankette.

In der bebauten Ortslage wird außerdem viel zu schnell gefahren. Davon kann beispielsweise Norbert Hartig (Dorfstraße 1) ein Lied singen. Von seinem etwas abseits gelegenen Gehöft kommt er nur schwer auf die Gemeindestraße. Sie hat dort nämlich eine Kurve, und nahende Fahrzeuge bekommt er deshalb erst ziemlich spät zu Gesicht. Und wenn die dann auch noch deutlich schneller als 50 Stundenkilometer fahren, wird es für die Ausfahrt oftmals ziemlich knapp. Eine Verbesserung würde ein Verkehrsspiegel bringen, der quasi um die Ecken guckt. Doch den müsste Hartig aus eigener Tasche bezahlen. So jedenfalls die mehrheitliche Meinung im Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Bau und Verkehr.

Die Bürgergemeinschaft Weitendorf , mit zwei Sitzen im siebenköpfigen Gemeindeparlament vertreten, will nun Nägeln mit Köpfen machen. Sie beantragte, die Höchstgeschwindigkeit für die Schönlager Ortsdurchfahrt auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren und für den Gustäveler Weg zwischen Ortsschild und dem Abzweig nach Golchen eine Tempo-30-Zone einzurichten. Fahrbahnen mit gemischtem Verkehr wie in Schönlage seien nur bei weniger als 400 Fahrzeugen pro Tag und bei weniger als 30 Stundenkilometer zulässig, begründete die Bürgergemeinschaft ihren Antrag, den sie mit zahlreichen Fotos untermauerte. Den Gustäveler Weg als Tempo-30-Zone einzurichten, mache deshalb Sinn, weil seine Fahrbahnbreite zwischen 3,60 und 3,90 Meter sogar noch schmaler als die Ortsdurchfahrt sei.

„Uns geht es um mehr Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer“, untermauerte Egon Stöber die Position der Bürgergemeinschaft. Man werde sich dann zwar auch künftig bedrängt fühlen und auf den unbefestigten Randstreifen ausweichen müssen, „aber dafür bleibt dann mehr Zeit“. Bürgermeister Knoll kündigte an, dass der Ausschuss Gemeindeentwicklung, Bau und Verkehr sich im Rahmen eines Ortstermins ein Bild von der Lage machen werde. 

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