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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 23:30 Uhr

Groß Görnow : Zu Pfingsten springen die Lämmer

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Ablammzeit in der Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden steht vor dem Abschluss. Die 4500 Neugeborenen frischen den eigenen Bestand auf oder werden verkauft.

von
erstellt am 22.Mai.2015 | 20:51 Uhr

Um Lämmer geht es eigentlich mehr zu Ostern. Sie gehören in vielen Familien zum Feiertagsessen, andererseits werden sie in der Zeit besonders zahlreich geboren. In der Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden, mit etwa 3100 Muttertieren Spitzenreiter im Land und auch bundesweit einer der größten Schafzuchtbetriebe, ist das seit einigen Jahren anders. Das Ablammen wurde hier vom Stall überwiegend ins Freie verlegt. Und damit die Tiere dann möglichst viel Futter auf den Weiden finden, rutschte alles zeitlich nach hinten.

In diesem Jahr ging es am 10. April los, in der Woche nach Ostern. Jetzt steht die Ablammzeit im Warnowtal kurz vor dem Abschluss. Von etwa 20 Mutterschafen wird noch Nachwuchs erwartet, sagt Geschäftsführer Dietmar Schulz. Bislang seien schätzungsweise 4500 Lämmer geboren worden. „Die genaue Zahl wissen wir, wenn alle ihre Ohrmarken haben. Die bekommen sie nächste Woche. Wir haben erst angefangen“, so Schulz. Mit dem sich abzeichnenden Ergebnis sei er zufrieden. Das sieht Schäfer Christian Diederichs genauso. Mit etwa 1,5 Lämmern pro Mutterschaf ließe sich gut leben. Und deutlich verbessert habe sich die Verlustrate, die mehr oder weniger jenseits von zehn Prozent lag. „Als die Schafe zum ersten Mal im Freien lammten, war es besonders schlimm“, erinnert sich Erik Neumann. Aber auch im Vorjahr. Der Betrieb erhielt deshalb für acht Jagdreviere eine Sondergenehmigung zum limitierten Abschuss von Raben, die häufig Neugeborenen, die kaum auf der Welt sind, fürchterlich zusetzen. In diesem Jahr seien nur noch zwei Prozent Verluste auf das Konto von Raben gegangen, drei Prozent auf das von Füchsen, wie John Ryley überschlägt. Der Schotte aus dem Hochland ganz im Nordosten, erst vor einigen Tagen 60 geworden, arbeitet seit Januar in Groß Görnow. Er hatte sich auf eine Offerte in einer schottischen Bauernzeitung beworben. Dort sei es üblich, dass gerade Schäfer auch in seinem Alter nach einigen Jahren wechseln. „Warum nicht? Ich fühle mich gut“, sagt Ryley fröhlich. Dass er sich nur in Englisch verständigen kann, ist für ihn und seine neuen Kollegen kein Problem. Sicher lasse sich nicht alles übertragen, schon weil das Wetter so unterschiedlich sei, doch seine langjährige Erfahrung mit Schafen sei schon von großem Nutzen.

Wenn ein Mutterschaf das Neugeborene nicht annimmt oder zu wenig Milch hat, ein anderes verletzt ist oder besondere Fürsorge benötigt, übernimmt Monika Richter, die sonst im Büro arbeitet, die Betreuung. Inzwischen seien es 80 Lämmer. Mit der Flasche sei das nicht zu schaffen. Ein Automat mit fünf Zitzen, der Milchpulver und Wasser verrührt, dient als Hauptnahrungsquelle. Hinzu kommen Pellets. „Anfangs gebe ich aber allen, bevor sie in die große Box kommen, die Flasche, damit sie sich an den Sauger gewöhnen“, erklärt Richter.

800 Lämmer bleiben, um den Mutternbestand aufzufrischen und noch zu erweitern, innerhalb der nächsten beiden Jahre bis auf 3500. Die Flächen rund um den Betriebshof in Groß Görnow, der jetzt auch ein modernes Sozialgebäude hat, gelten als Schafweiden, die sich nur auf diese Weise sinnvoll bewirtschaften lassen. Ohne die so genannten Pfennigsucher würde die Gefahr bestehen, dass sie unkontrolliert verbuschen und die Kulturlandschaft Schaden nimmt.

Ende August beginnt der Verkauf der Lämmer, wenn ihr Lebendgewicht etwa 45 Kilogramm erreicht. Die Abnehmer kämen vor allem aus Deutschland, aber auch aus den Niederlanden. Danach werde überlegt, wie es mit der Kreuzung der Schafrassen weitergehe, um die Qualität der Lämmer weiter zu verbessern. Dabei baut der Betrieb einmal mehr auf die Erfahrung des Schotten.

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