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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. November 2017 | 22:49 Uhr

Ludwigslust-Parchim : Zoff um Schülerticket: Warum nur?

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Jetzt kündigt auch die Linke einen eigenen Antrag für ein Jugend-Mobiltätsticket an und attackiert die CDU

von
erstellt am 04.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Es geht um ein kreisweites Freizeitticket für alle Kinder und Jugendlichen. Das war zuletzt Thema im Jugendhilfeausschuss. Dass die CDU dieses Ticket per Antrag fordern will und darüber hinaus die kostenlose Schülerbeförderung, gefällt nicht allen. Nach Kritik des Kreisjugendrings an dem Vorstoß (wir berichteten), findet die Linke die Ideen zwar gut, aber nicht die CDU.

Mit großem Erstaunen habe die Fraktion Die Linke im Kreistag die Forderungen der CDU für einen kostenlosen Schülerverkehr und ein Schülerfreizeitticket zur Kenntnis genommen. Dazu Wolfgang Bohnstedt und Jacqueline Bernhardt: „Seit Monaten wurde überfraktionell im Jugendhilfeausschuss über die Einführung und Umsetzungsmöglichkeiten eines Schülerergänzungstickets diskutiert, angestoßen durch die Jugendforen und die Antragstellung des Kreisjugendrings.“ Jetzt, wo das Thema im Ausschuss kurz vor Abschluss stehe, falle es der CDU ein, ein solches Ticket nochmal als ihre Idee einzubringen. Die Linken: „Hat Herr Waldmüller etwa monatelang nicht gewusst, was seine Ausschussmitglieder machen oder will er einfach den Erfolg für sich beschlagnahmen? Wir begrüßen, dass nun auch die CDU im Kreis endlich die Notwendigkeit einer kostenlosen Schülerbeförderung erkannt hat.“

Bereits im Februar 2016 habe die Fraktion für eine Unterstützung der landesweiten Volksinitiative für einen kostenlosen ÖPNV für Schüler im Kreistag geworben. Mit einem Antrag zur kommenden Kreistagssitzung will Die Linke einen „weiter reichenden Antrag zum Thema Schülerbeförderung“ einbringen. Geprüft werden soll, in welcher Höhe durch Bürokratieabbau und Vereinfachungen Einsparpotenziale generiert werden können. Weiter fordern die Linken, die vom Bund erhaltenen Regionalisierungsmittel komplett weiterzureichen.

Bohnstedt und Bernhardt: „Damit könnten die jährlichen Kostensteigerungen der Verkehrsbetriebe aufgefangen werden und es müsste nicht über Streckenausdünnungen oder Fahrpreiserhöhungen gesprochen werden, die die Attraktivität des ÖPNV im ländlichen Raum senken würden. Mit einer Unterstützung unseres Antrages kann die CDU zeigen, wie ernst es ihr mit ihrem Vorstoß wirklich ist.“

Die Kreis-CDU reagierte gestern auf die Angriffe. „Unsere Fraktion begrüßt den breiten Konsens mit dem Kreisjugendring und der Fraktion Die Linke darüber, dass wir eine weiterreichende und auch gerechtere Ausgestaltung unserer Schülerbeförderung, auch bis in die Freizeit hinein brauchen“, so der Vorsitzende Wolfgang Waldmüller. Die Aufregung kann er nicht verstehen: „Wir haben zu keiner Zeit von einer neuen Idee gesprochen, sondern lediglich einen Antragsvorschlag für eine schnelle Umsetzung unterbreitet.“ Neben dem Freizeitticket gehe es um die kostenlose Schülerbeförderung. Bescheide des Landkreises in der Region um Plate hatten zu erheblichem Unmut bei den betroffenen Eltern geführt, weil sie wegen wenigen Metern Entfernung mehr bezahlen sollten. Das habe die CDU aufgegriffen, weil Eltern sich an sie gewandt hatten. Waldmüller hofft auf Einigung: „Und mit Erfolg meine ich nicht, den persönlichen, politischen, sondern den im Ringen um die beste Lösung für unsere Schüler und Eltern.“

Kommentar des Autors: Streiten und Handeln
Schwer zu durchschauen, worum es beim Schülerticket-Streit eigentlich geht. Dass die CDU jetzt vorgeprescht ist, mag die politische Konkurrenz erzürnen. Wenn es aber darum geht, den Wählern zu sagen, was die kommunalpolitischen Akteure tun, ist es in einer Demokratie notwendig, auch mal ganz eigennützig den Finger zu heben. Den Eltern in Plate, die plötzlich wegen satellitengestützter genauer Abrechnung (wofür die Kreisverwaltung so Zeit hat...) höhere Bescheide ins Haus flattern, ist das egal. Schlimm genug, dass es so lange dauert, diesen Blödsinn zu reparieren. Es geht also nicht nur um das Freizeitticket, sondern auch um den Schulbus zum Unterricht. Schieben wir mal die Empörung zur Seite. Wenn beim ersten Jugendforum schon 2015 das Freizeitticket gefordert wurde und die anwesenden Kreispolitiker und -verwalter allesamt eifrig nickten: Warum ist es denn noch nicht da? Es braucht mehr Handlungen, egal ob von CDU oder anderen.

 

 

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