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Dorfgeschichte: Zülow : Zeitzeugen: Wasserkraftwerk und Gutshaus

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Mit ruhigem Wasser fließt die Mildenitz durch Zülow, passiert die Schleuse und das Wasserwerk. Es ist größte Wasserkraftwerk in Mecklenburg-Vorpommern. 1924 ging es ans Netz, 1983 wurde es zum technischen Denkmal.

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erstellt am 07.Jun.2013 | 05:55 Uhr

Zülow | Mit ruhigem Wasser fließt die Mildenitz durch Zülow, passiert die Schleuse und das Wasserwerk. Es ist größte Wasserkraftwerk in Mecklenburg-Vorpommern. 1924 ging es ans Netz und wurde 1983 zum technischen Denkmal erklärt. Heute noch wird das Kraftwerk als Spitzenlastkraftwerk genutzt und gehört zum Energieversorger Wemag AG in Schwerin.

Eine Ein- und Aussetzstelle für Wasserwanderer befindet sich am Kanal in Zülow. Wer verweilen möchte, kann den aufgestellten überdachten Rastplatz nutzen. Entlang der Straße am Kanal, die zum Wasserwerk führt, stehen ein paar Häuser. Vor einem Hoftor läuft aufgeregt ein junger Jagdhund. Arko ist neugierig. Sein Hofkamerad, ein Zwergtekel, liegt in der Sonne und lässt sich durch nichts stören. "Der Tekel ist 16 Jahre alt. Für die Jagd nehme ich den jungen Hund. Der hat eine Jagdhundeausbildung absolviert", erzählt Olaf Harm. Er wohnt mit seiner Familie in einem Siedlerhaus, das seine Großeltern und Eltern schon bewohnten. Seine Kinderzeit verlebte er in Sternberg, verbrachte aber viel Zeit in Zülow. "Ich bin 1993 hergezogen, weil meine Oma alleine war. Wir bauen uns das Haus nach und nach für unsere Bedürfnisse um", erzählt der 43-Jährige.

Gerade kommt seine Frau von der Arbeit. Wickie Harm arbeitet bei der Diakonie. Zu den Nachbarn hat Familie Harm ein gutes Verhältnis. "Manchmal klopfen auch Kanuwanderer an die Tür und fragen nach Wasser. Dann helfen wir schon mal aus. Zu Pfingsten und am Herrentag ist hier an der Ein- und Aussetzstelle eine Menge los", so Harm.

Der 43-Jährige schaut von seinem Hof über den Teich zum alten Kuh- und Schweinestall. Jetzt werden dort Puten gehalten, sagt er. Wenn er nicht in der Landwirtschaft zu tun hat, geht er gerne zur Jagd, während seine Frau sich um die zwei Kinder kümmert und lieber am Haus und auf dem Hof wirtschaftet.

Hans und Dora Bluhm sind gerade vom Einkaufen zurück gekommen. Nun wollen sie Mittag essen. Frau Bluhm hat die Bratpfanne mit Bratkartoffeln schon heiß und bald duftet es in der Küche. Seit 14 Jahren bewohnt das Ehepaar einen Teil des Hauses, das als Wohnhaus 1924 für die Wasserwerker gebaut wurde. "Fünf Familien lebten früher hier im Haus und dazu hatte jede Familie einen Garten. Jetzt gibt nur noch zwei Gärten und Hausgärtchen", erzählt Hans Bluhm. Er ist in Zülow aufgewachsen und berufsmäßig durch die Republik gezogen. In Frankfurt/ Oder war er Leiter des Technischen Museums, das wurde aber aufgelöst. Die Familie zog nach Westdeutschland und kam 1999 zurück in den Osten, nach Zülow. "Es war schwierig, Arbeit zu finden. Als Rentner wollten wir dann wieder zurück in die Heimat und waren auf der Suche nach etwas Geeignetem. Weil meine Eltern immer in Zülow gelebt haben und unser Nachbar Dieter Lentien Bürgermeister war, machte er uns ein Hausangebot", so der 73-Jährige.

Dora Bluhm stammt aus dem Vogtland. Da hatten sich beide kennen gelernt. Sie war immer im Handel tätig und hat ein Händchen für die Außengestaltung im Vorgarten. Vier Kinder haben Bluhms aufgezogen. Nun wollen sie ihr Haus verkaufen und in die Nähe ihrer Tochter bei Berlin ziehen.

Langsam spaziert Gustav Neubauer, mit dem Krückstock in der Hand, die Dorfstraße entlang. "Ich bin jeden Tag draußen, wenn es geht", sagt der 82-Jährige. Er stammt aus Odessa und ist 1989 nach Deutschland gekommen. "Ich war Waldarbeiter und habe von 1946 bis 1976 im Wald gearbeitet. Manchmal sogar bei Kälte bis minus 50 Grad Celsius", sagt der freundliche alte Mann in deutscher Sprache mit rollendem "R". Seine Schwester und sein Bruder lebten schon in Delmenhorst. Seinen Lebensabend verbringt er nun mit Sohn und Tochter in Zülow.

Die Dorfstraße weiter schaut man direkt auf das Zülower Gutshaus. Es ist ein neoklassizistischer Bau von Martin Haller, Architekt des Hamburger Rathauses. Eigentümerin Margret Haas kommt mit Korb und Unkrautmesser um die Ecke. Sie hatte gerade die Zwischenräume der Terrassensteine gesäubert. Die meiste Zeit des Jahres verbringt sie in Essen. "Ich bin ein Stadtmensch und kann nicht immer auf dem Lande leben. Im Sommer bin ich bis zu vier Wochen hier. Je nachdem und vor allem, wenn die Stammgäste da sind", erzählt die 60-Jährige. Dafür lebt seit vier Jahren ihr Mann Volker Posczich hier und bewirtschaftet das Gutshaus, das sie zu komfortablen Ferienwohnungen ausgebaut haben. Alte Stallungen dienen zur Unterkunft von Gäste pferden und werden als Seminarräume genutzt, wo Malkurse und Töpferhandwerk stattfinden. "Wir haben schon konkret gesucht. Das Haus haben wir als Ruine gesehen. Dach und Raumdecken waren eingestürzt, Bäume wuchsen aus dem Dach. 1998 haben wir das Gutshaus gekauft. In 14 Monaten hatten wir mit hiesigen Firmen das Haus saniert und von der Ruine zu Ferienwohnungen ausgebaut. Des Öfteren wurden wir belächelt", erinnert sich Posczich. Er war gerade dabei, im Waldstück eine abgestorbene Esche aus Verkehrssicherungsgründen zu entfernen. Die Linden vor dem Haus sind etwa zehn Jahre nach dem Gutshausbau von 1871 gepflanzt worden. Sie wurden von einem Baumspezialisten behandelt und sollen stehen bleiben, weil sie zur Ansicht des Hauses gehören.

Inmitten von Butterblumen und blühenden Obstbäumen werkelt Jana Nießler im Garten. Sie ist dabei, Paprikapflanzen einzusetzen. "Im vorigen Jahr habe ich auch schon welche eingesetzt und eine schmackhafte Ernte gehabt", sagt sie. Es lebt sich schön in Zülow, findet die 35-Jährige, die aus Dabel stammt und in Zülow bei ihrer Freundin oft zu Gast war. Vor allem mag sie die Ruhe. Hat sie doch in Dabel am Bahnhof gewohnt und auch in Hamburg, wo sie einige Jahre verbrachte. "Wir haben uns entschieden, das Elternhaus meines Mannes umzubauen. Da gibt es noch viel zu tun. Früher war das Haus eine Schmiede", weiß sie und macht sich wieder an die Arbeit.

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