Warin : „Zeitlos“ über zwei Jahrzehnte

Der Chor „Zeitlos“ hatte am Sonnabend zwei Auftritte – am Vormittag im Einkaufszentrum Gägelow bei Wismar (Foto) und am Nachmittag im Wariner Diakonie-Pflegeheim.
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Der Chor „Zeitlos“ hatte am Sonnabend zwei Auftritte – am Vormittag im Einkaufszentrum Gägelow bei Wismar (Foto) und am Nachmittag im Wariner Diakonie-Pflegeheim.

Der Chor aus Warin und Umgebung hat ein rundes Jubiläum und breites Repertoire. In der Adventszeit ist er besonders häufig zu Auftritten unterwegs.

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01. Dezember 2014, 17:29 Uhr

Die Frauen in festlichem Schwarz, ihre azurblauen Schals locker umgelegt; im gleichen Farbton die Hemden der Männer zu schwarzen Hosen. So tritt der Chor „Zeitlos“ auf, der in Warin und Neukloster zu Hause ist. Wobei einige Mitglieder auch von weiter her kommen. „Zeitlos“ steht für ein breites Repertoire und das nun schon über zwei Jahrzehnte.

Das Gründungsdatum liegt im September 1994, gefeiert wurde das runde Jubiläum erst kürzlich. Gerade noch rechtzeitig, denn in der Adventszeit häufen sich die Auftritte. Am Sonnabend waren es gleich zwei – am Vormittag im Einkaufszentrum Gägelow bei Wismar und am Nachmittag im Wariner Diakonie-Pflegeheim Am Glammsee. Hier ein anderes Programm, mehr auf den Advent zugeschnitten und mit Akkordeonbegleitung.

Der Chor zählt 40 Mitglieder, darunter 34 aktive Sänger. Manja Völzow, wie Heike Söth klangvolle Solostimme, ist mit 37 Jahren die Jüngste, einige gehen auf Mitte 80 zu, sagt Marianne Vitense, seit 2004 Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, zur Altersspanne. „Wir sind sehr froh, dass immer wieder jüngere Frauen, die gern singen, zu uns stoßen. Schade nur, dass wir keine Alt-Stimme haben. Und die Männer sind auch knapp. Da könnten wir Verstärkung gebrauchen“, so Vitense, die bei den Auftritten durch das Programm führt. Sie und Ehemann Hartmut Vitense, der Chorleiter, sind als einzige Gründungsmitglieder noch dabei. Und das, obwohl sie seit Juli 2011 im holsteinischen
Oldenburg wohnen, zu jeder Probe am Montagabend in Neukloster 150 Kilometer fahren – und die gleiche Strecke zu später Stunde wieder zurück. „Das ist anstrengend, doch ich hänge daran, der Chor macht mir viel Freude und hält mich jung. So lange ich gesund bleibe und das mit der Fahrerei noch kann, mache ich weiter“, hat sich der 68-Jährige vorgenommen. Er sei beeindruckt, dass „immer alle zur Probe da sind“, außer jemand sei krank oder müsse arbeiten. Neben der Freude am Singen seien es die sozialen Kontakte im Chor, fügt Ehefrau Marianne an. Alle Schichten seien vertreten und hätten eine Heimat gefunden. Heike Söth, Brigitte Kaacksteen oder neuerdings Edda Janker kümmerten sich um kleine Dinge am Rande. „Und eine kleine Fangemeinde haben wir auch. Die ist bei jedem Auftritt dabei“, erzählt der Chorleiter schmunzelnd.

Zwei ehemalige Schülerinnen hätten ihn vor 20 Jahren angesprochen, ob er in Neukloster einen Chor aufmachen könnte. Ein Schulensemble habe bereits bestanden. Mit den Jahren wechselten die Mitglieder, zeitweilig hätten auch Gymnasiasten mitgesungen. In den 20 Jahren habe es eine enorme Entwicklung gegeben. „Wir sind nicht der Chor der üblichen Art.“ Hartmut Vitense meint damit vor allem die instrumentale Begleitung vom Band. Die eröffne mehr Möglichkeiten. So habe er zu „Biscaya“, einem der größten Erfolge von James Last, einen Text geschrieben. „Zeitlos“ singt auch die „Ballade Pour Adeline“, die Richard Clayderman weltberühmt machte, die ebenso bekannte Schiwago-Melodie „Weißt du wohin“ oder seit einem Jahr als Einstiegslied einen Hit von Udo Jürgens. Hartmut Vitense schreibt neue Texte zu alten Melodien, teilweise die Musik, macht Arrangements und Playbacks. Beim Klassiker „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ hat er die ersten beiden Strophen jugendgemäß umgetextet. Die handeln jetzt von Internet und E-Mails. Fünf CDs sind bereits entstanden, alle für den eigenen Gebrauch, wie er betont. Nummer sechs mit plattdeutschen Titeln sei in Arbeit. Zum 20-jährigen Bestehen haben die Chormitglieder jedoch für ihn ein Lied umgewandelt.

Kommen die Ideen im Auto, schreibt die Ehefrau auf dem Beifahrersitz schnell mit. Und das „Fischerlied“ sei aus einem Traum heraus entstanden. „Ich hatte das bildlich vor mir, bin schnell aufgestanden und habe mir das Motiv notiert. Am Morgen wäre es weg gewesen“, erzählt Vitense lächelnd.

Gern gehe es auch auf Reisen. Im 20. Jahr war der Chor für „ein schönes Wochenende im Harz“, der Höhepunkt sei aber 2003 die Teilnahme am internationalen Chorfestival an der italienischen Adria gewesen mit unbeschreiblicher Stimmung im Ort bei einem Fischerfest, das Vitense zu einem Lied inspirierte, das der Chor dann im Hotel mit Kellnern und Köchen gemeinsam sang. Für das Abschlusskonzert des Festivals hatte „Zeitlos“ den Refrain von „Wünsche“ in Italienisch einstudiert. „Wir bekamen so viel Beifall, das vergisst man nie“, schwärmt Erhard Neumann, der zusammen mit seiner Frau im Chor singt. „Sowas lässt sich aber nicht wiederholen“, meint Marianne Vitense.

Die nächsten Auftritte hat „Zeitlos“ am Donnerstag in Neuburg bei Wismar und am 13. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt in Hohen Wieschendorf.

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