Brüel : Zeit und Ruhe für die Hobbys

Den Stuhl, auf dem Tischlermeister Klaus-Jürgen Krüger sitzt, hat er nicht selbst angefertigt, aber liebevoll wie fachgerecht restauriert.
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Den Stuhl, auf dem Tischlermeister Klaus-Jürgen Krüger sitzt, hat er nicht selbst angefertigt, aber liebevoll wie fachgerecht restauriert.

Der Brüeler Klaus-Jürgen Krüger erhielt den Goldenen Meisterbrief – seine Tischlerei hat er vor Jahren an den Sohn übergeben.

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22. April 2017, 05:00 Uhr

Der Garten am Haus sieht picobello aus. Da könnte mancher fast neidisch werden. „Man muss sich als Rentner doch betätigen“, meint Klaus-Jürgen Krüger. „Nein, ich möchte das auch, mache es sehr gern“, korrigiert er sich selbst. Der Garten ist eines der Hobbys, für die der Brüeler im Ruhestand die Zeit hat – und sich nimmt.

Das Berufsleben als Tischlermeister liegt schon eine Weile zurück. Nun wurde der mittlerweile 78-Jährige auf erfreuliche Art noch einmal davon eingeholt: Klaus-Jürgen Krüger erhielt mit zehn weiteren Handwerkern den Goldenen Meisterbrief, eine Ehrung, die für mindestens 50-jährige Zugehörigkeit zum Meisterhandwerk steht.


Schon als Kind gern mit Holz gearbeitet


Wie wär’s mit Tischler, habe sein Vater gefragt, als es um die Berufswahl nach zehn Jahren Schule ging. Holzarbeiten, vor allem mit der Laubsäge, hätten ihm schon als Kind Spaß gemacht. „Ich wusste aber auch, dass es körperlich schwere Arbeit ist“, sagt Krüger.

Die Familie war am Ende des Zweiten Weltkriegs aus Pommern geflüchtet und hatte in Brüel eine neue Heimat gefunden. Der Vater leitete hier das Postamt. Der Sprössling lernte also von 1953 an drei Jahre Tischler bei Alfred Schwarz in Brüel, musste in einen anderen Betrieb wechseln und blieb sieben Jahre. Die 18 Monate Grundwehrdienst bei der NVA wurden dann seine „Wanderjahre“, wie Krüger schmunzelnd sagt. Nach der Grundausbildung sei er nur noch in Tischlereien eingesetzt worden, meist in Schwerin, aber selbst in Potsdam. In den letzten beiden Monaten bei der NVA bis zur Entlassung
Ende Oktober habe er einen Meisterlehrgang begonnen.

Die Tischlerei Gröger in Brüel sei die nächste berufliche Station gewesen. „1972 wollte ich mich in Zahrensdorf selbstständig machen. Doch es war das unselige Jahr, in dem viele Privatbetriebe in die PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks/d. Autor) mussten.“ Die Genehmigung der Gemeinde sei bei der Örtlichen Versorgungswirtschaft (ÖVW) des Rates des Kreises vor seinen Augen zerrissen worden. Dann sei in Plattdeutsch noch der Spruch gefolgt: Solange ich auf diesem Stuhl sitze, macht sich hier keiner selbstständig.

Weil der Holzbau Sternberg Lehrausbilder suchte, ging der junge Meister dorthin, bevor „der berühmte Ministerratsbeschluss vom 12. 2. 76“ wieder den Weg frei machte, einen Privatbetrieb zu gründen. Die Gemeinde Zahrensdorf habe zu ihm gehalten und er am 12. Juni einen neuen Antrag gestellt, am 1. September sich selbstständig gemacht, die Werkstatt für zehn Jahre gepachtet. Als gelernter Möbeltischler sei er allerdings beauflagt worden, auf Bautischlerei umzusatteln, also Fenster und Türen zu bauen. Nebenbei habe er Bauernmöbel angefertigt, aber auch die Fühler ausgestreckt, um in Brüel eine eigene Werkstatt zu bauen. „1982 habe ich den Antrag gestellt und 1985 angefangen zu bauen. Zwischendurch gab es Baustopp, ich habe wirklich alles mitgemacht“, erinnert sich der Brüeler, kann heute jedoch darüber schmunzeln.

Für das Eigenheim habe er vor genau 50 Jahren mit dem Ausschachten begonnen. Krüger nennt es „die beste Investition des Lebens, unsere drei Kinder sind darin groß geworden“. 1989 sei er nur ein Stück dahinter in die neue Werkstatt gezogen. „Ich hatte erstmals ein Büro.“ Sonst habe er allen Schreibkram zu Hause erledigen müssen. Am 9. November, das vergesse er nie, habe er die erste Rechnung geschrieben, in Kladde, bevor alles samt Kopfbogen mit der Schreibmaschine ausgestellt wurde. Ein Nachbar habe ihm dann am Abend erzählt, dass die Grenze offen sei.

In Zahrensdorf seien sie mit Lehrling „bis zu sechs Leute“ gewesen. Auch Sohn Steffen habe dort gelernt, die Meisterprüfung als Tischler legte er später ab. „Nach der Wende haben wir auf zehn Mitarbeiter aufgestockt und unheimlich in Maschinen investiert.“ Doch anfangs sei es schwer gewesen. Die Menschen hätten „alles im Westen gekauft“. Zu DDR-Zeiten sei er „für Jahre vorher ausgebucht, gleich nach der
Wende aber drei Tage unterwegs gewesen und ohne Auftrag zurückgekommen“.


Mit dem Pedelec an Elbe und Ostsee


Im neuen Jahrtausend übergab Klaus-Jürgen Krüger mit 61 Jahren, als es ihm gesundheitlich nicht gut gegangen sei, die Firma an den Sohn. Gerade anfangs habe er geholfen, aber nie hinein geredet. „Er hatte die volle Verantwortung.“ Der Betrieb macht Altstadtsanierung, zum Beispiel des öfteren in Sternberg, Neubau und Reparaturen, es sei „eine Tischlerei wie vor 50 Jahren auf dem Dorf“, sagt der Senior lachend.

Er gehe häufig auch seinem zweiten großen Hobby nach, dem Radfahren, habe die Elbe auf deutschem Boden komplett abgefahren, sei entlang der Ostsee geradelt. Beim Pedelec, das ihm die jüngste Tochter vor knapp zwei Jahren gekauft habe, würden nur noch 240 an 10 000 Kilometern fehlen. Damit fahre er „wie ein junger Bengel“, sagt der 78-Jährige.

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