Zülow : Zehn tote Rehkitze bei Futtermahd

Ein schlimmer Anblick: Totes Kitz bei der Futtermahd.
Ein schlimmer Anblick: Totes Kitz bei der Futtermahd.

Landwirt stoppte zwischenzeitlich die Arbeiten auf Bitte des Sternberger Hegering-Vorsitzenden.

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05. Juni 2015, 08:00 Uhr

Zehn tote Rehkitze bei der Futtermahd in Zülow auf einer Fläche von 20 Hektar in drei Tagen! Für Rainer Barabas, Vorsitzender des Hegerings Sternberg und seit einem Jahrzehnt der zuständige Aufseher im Revier Zülow, Grund genug zu intervenieren. „Zehn tote Kitze auf solch eine kleinen Fläche habe ich in 40 Jahren nicht erlebt“, so Barabas gestern gegenüber SVZ.

Am Dienstag war laut Barabas auf besagter Fläche mit der Futterernte begonnen worden. Bereits nach wenigen Hektar gab es zwei tote Kitze. Der zuständige Jäger war im Vorfeld über den Erntetermin leider nicht informiert, so der Hegeringchef. Der Landwirt wurde von Barabas gebeten, die Arbeiten bis zum nächsten Tag einzustellen. Derweil durchsuchten mehrere Jäger das hüfthoch stehende Futtergras mit Hunden und nahmen zudem eine akustische Vergrämung mittels Rauchmelder-Dauerton vor. Das Ziel, die Ricken zu bewegen, die Kitze aus den gefährdeten Flächen zu führen, wurde „leider nur bedingt erreicht“. Ein Grund: Die Kitze haben – zum Schutz vor Fressfeinden – kurz nach der Geburt kaum Eigengeruch. Da war es auch für die Hunde sehr schwer, sie aufzuspüren.

Am 3. und 4. Juni wurden die Erntearbeiten fortgesetzt – mit weiteren Kitz-Verlusten. Barabas bat erneut den Landwirt um die Einstellung der Arbeiten. Die Jäger wollten es auf den verbleibenden vier Hektar erneut mit Vergrämungsmaßnahmen versuchen. Doch dazu kam es nicht. Als Barabas gestern gegen 16.45 Uhr nochmals vor Ort weilte, wurde die Restfläche gerade abgeerntet.

Laut Rainer Barabas wäre mit Blick auf Kitze und Junghasen ein Mähtermin Anfang Mai bzw. Ende Juni besser. Im Mai/Juni fielen die Grünfuttermahd und die Hauptsetzzeit bei den Rehen zusammen. Die Ricken bringen ihren Nachwuchs in vermeintlich sicheren Flächen mit guter Deckung und ausreichend Äsung zur Welt. „Auch wenn nicht jedes Jungtier gerettet werden kann, sollten alle Möglichkeiten wie Kitzretter an Maschinen, Absuchen der Flächen, geeignete Erntetermine, optische und akustische Vergrämung genutzt werden“, erklärt Barabas, der betont: „Wir Jäger verstehen uns als Partner der Landwirte.“ 


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