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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

14. Dezember 2017 | 07:28 Uhr

Sternberger Seenland : Zahl der Biber hält sich konstant

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Bei der Kartierung im Naturpark Sternberger Seenland wurden 177 Reviere mit knapp 320 Tieren erfasst. Beim 18. Bibertag wurde auch über Problemlösungen informiert.

von
erstellt am 24.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Biber laufen nicht gern, viel lieber schwimmen sie bei der Nahrungssuche. Die vierbeinigen Baumeister errichten jedes Jahr zum Winter an der Göwe-Brücke zwischen Gustävel und Wendorf einen Damm, damit das Flüsschen übers Ufer tritt und sie schwimmend zum
nahen Wäldchen gelangen, das reichlich Gehölze als Vorrat bietet. Im Frühjahr, wenn sich in der Umgebung genug Nahrung findet und der Biber nicht den Weg zu dem Waldstück nimmt, wird die von ihm aufgeschichtete Barriere entfernt. Die sehe aus „wie ein Burgdamm und der wäre tabu, doch es ist ein Nahrungsdamm, da dürfen wir eingreifen, so dass Landwirt und Biber glücklich miteinander leben“, erklärte Mario Krüger vom Naturpark Sternberger Seenland, Ranger und Biber-Experte.

Im zurückliegenden Jahr habe es sieben Anträge gegeben, Dämme der streng geschützten Nager zu entfernen, bilanzierte Krüger auf dem 18. Bibertag am Sonnabend. Der Vormittag war Vorträgen im Haus Biber & Co. in Alt Necheln vorbehalten, am Nachmittag führten Exkursionen zu Plätzen, die die Tiere für sich entdeckt haben.

Bei den genannten Anträgen ist die Einschätzung der Wariner Naturparkverwaltung gefragt, ob ein Damm entfernt werden solle oder es Alternativen gebe. An der Strecke Blankenberg-Brüel hatte sich ein Biber bis in den Bahndamm hinein breit gemacht und einen daneben laufenden Graben angestaut. Dadurch war Schotter von dem Gleis abgesackt und bestand Gefahr für die Züge. Ecomotion Sternberg nutzt die Strecke für Transporte von Biodiesel. „Wir haben erst den Durchlass des Grabens frei gemacht, damit das Wasser abläuft“, erläuterte der Naturparkranger die Vorgehensweise. Der Biber habe es nicht gern, wenn sein Bau freigelegt werde, und sei zur Familie rund 500 Meter entfernt zurückgekehrt. „Wir haben den Bau vorsichtig aufgemacht und uns vergewissert, dass er unbewohnt ist, ihn dann komplett aufgegraben und mit Kies aufgefüllt.“ Im Winter sei regelmäßig kontrolliert worden. Der Nager habe mehrmals versucht, seinen Bau wieder zu besetzen, aber dass der frei sei, habe ihm nicht gefallen. So sei das Problem ausgeräumt worden, „ohne dem Biber was zu tun“, so Krüger. Auch bei zwei Dämmen im Radebach unterhalb von Graupenmühle im Wald, durch die eine Wiese zum See geworden sei, der schon bis an die Häuser heran gereicht habe, sei eine Lösung für alle Beteiligten
gefunden worden.

Für einen toten Biber an der Kreuzung zwischen Qualitz und Jabelitz sei „eindeutig“ ein Wildunfall die Ursache.

Die Verbreitung des Bibers im Naturpark werde jährlich kartiert. Danach sei die Zahl der Biber annähernd konstant. 2017 seien 177 Reviere erfasst, acht mehr als im Vorjahr, aber 53 von den Tieren aufgegeben worden, das seien zehn mehr. Die 77 Familienreviere mit Reproduktion seien eines, die 46 Einzeltiere zwei weniger als 2016. Das auf Flakenwerder bei Pinnow sei in beiden Jahren nicht kontrolliert worden. Bei einem Durchschnitt von 3,5 Tieren in einer Familie ergebe sich aktuell ein Bestand von 316 Individuen, fünf weniger als im Vorjahr, listete Krüger auf. Sie verteilten sich im Naturpark „relativ gleichmäßig“. Eine Konzentration gebe es seit längerem von Karnin aus östlich und südlich in den Gemeinden Kuhlen-Wendorf und Pinnow, neuerdings auch um Warin im Bereich von Tönniesbach, Glamm-, Bibow-, Groß Labenzer, Keezer und Tempziner See. Noch nicht vom Biber besiedelt sei der nördliche Teil des Naturparks mit dem Neukloster- und dem Großen Wariner See. Der Stavenbachsgang mitten durch die Stadt sei die einzige Verbindung zu den anderen Gewässern, die 2014 gebaute Fischtreppe und das Wehr hätten den Biber offenbar aufgehalten, „aber er findet noch den Weg“, ist Krüger überzeugt. Die Nachbarn im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide hätten über Bresenitz und Mildenitz „schon welche abgekommen“. Die Ersten seien jedenfalls kartiert worden.

Der Bibertag fand wieder reges Interesse. „Er ist schon zur guten Tradition geworden“, so Caroline Lindemann, Hausherrin von Biber & Co. in Alt Necheln. Ihr 2008 plötzlich verstorbener Ehemann Peter Lindemann, ein passionierter Naturschützer, hatte im Jahr 2000 den Bibertag ins Leben gerufen. Auch der Brüeler Bürgermeister Jürgen Goldberg sagt, „wenn ich kann, bin ich hier“. Alt Necheln sei ein Ortsteil, er treffe Leute und erhalte viele interessante Informationen.

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