Groß Raden : Würzwein und Wasser von oben

Silvester-Rundgangsbeginn mit Urlaubern aus Magdeburg sowie Astrid Grigull aus Zepelin (r.) und Annett Ohde aus Groß Raden (6.v.r.), Einheimischen wie auch manchem Gast bekannt als Mitarbeiterin in der Sternberger Touristinformation. Fotos: Roland Güller
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Silvester-Rundgangsbeginn mit Urlaubern aus Magdeburg sowie Astrid Grigull aus Zepelin (r.) und Annett Ohde aus Groß Raden (6.v.r.), Einheimischen wie auch manchem Gast bekannt als Mitarbeiterin in der Sternberger Touristinformation. Fotos: Roland Güller

25 Einheimische und Urlauber nahmen bei der geführten Silvesterwanderung auf dem Außengelände des Archäologischen Freilichtmuseums teil.

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02. Januar 2018, 12:00 Uhr

Der mittelalterliche Würzwein, traditionell zur Silvesterwanderung über das Außengelände des Archäologischen Freilichtmuseums angeboten, wärmte diesmal besonders gut. Beim sonntäglichen Beginn um 11 Uhr waren 25 Frauen, Männer und Kinder – Einheimische sowie Urlauber u.a. aus Magdeburg, Berlin und Leipzig – der Einladung zu einem Rundgang über das Gelände des Slawentempels gefolgt. Mindestens noch einmal 50 Personen schauten sich hier am Vormittag ohne Führung um.

Petrus sorgte für ein Schietultimowetter 2017. Anfangs nieselte es nur, so dass der Rostocker Sven Müller mit Bestimmtheit verkündete: „Das hier ist kein Regen, nur Nebel. Regen ist erst, wenn der unten wieder rausläuft!“, sagte der passionierte Radfahrer. Der Vorsitzende des „Vereins der Freunde und Förderer des Museums Groß Raden“ war wieder mal per Drahtesel von der Hansestadt „über Schwaan, Bützow, Zernin, Warnow und Buchenhof“, angereist. „Das sind ungefähr 50 Kilometer.“

Er sei nach Groß Raden „interessehalber und für den Fall des Falles“ geradelt, dass mehr als ein Dutzend Silvesterwanderer kämen. Es wurden besagte 25; die sich dann aufteilten. Eine Gruppe übernahm Museumsmitarbeiterin Carina Sabahn, die das Wanderführer-Silvesterlos gezogen hatte, die andere Sven Müller.

Bei Letzterer waren auch Astrid Grigull aus Zepelin („Ich bin die Imkerin mit Hut hier auf dem Gelände in Groß Raden.“) sowie erstmals Annett Ohde und ihr Freund Arne Willsch dabei. „Wir sind 2017 nach Groß Raden gezogen. Da muss man doch wissen, was im Ort so los ist“, sagt Ohde, die in Sternberg in der Touristinfo arbeitet.

Sven Müller nahm mit seiner anschaulichen wie unaufdringlichen Wissensvermittlung die Gäste sogleich in seinen Bann. „Eine ganz tolle Führung“, bedankte sich Annett Ohde abschließend.

Zuvor allerdings erfuhr nicht nur sie viel Neues über unsere Vorfahren. „In jedem Dritten von uns stecken genetisch Slawen im Stammbaum. Das Volk wurde später von den Germanen nicht vertrieben, sondern ist praktisch aufgegangen“, weiß Müller. Die Töpferwaren der Slawen gingen von hier aus bis nach Venedig, zudem waren sie u.a. begnadete Bootsbauer. Nachbauten sind auf dem Freigelände zu sehen.

Beim immer stärker einsetzenden Regen erfolgten die Erläuterungen dann doch lieber im trockenen vom Wächterhaus aus. Wikinger und Slawen seien gar nicht so getrennt gewesen, „vielfach heirateten sie unter einander“. Und was die beidenseitig spitz zulaufenden Boote mit extrem flachem Tiefgang von nur 30 bis 40 Zentimetern betrifft, so fand man beim Nachbau im dänischen Roskilde heraus, dass solch ein Boot „dank des entstehenden Luftpolsterteppichs unterm Boot 20 Knoten, oder 40 km/h schnell war. Das fahren die großen Fregatten der Bundesmarine heute noch nicht einmal“, verglich Müller.

Nach Führungsende stärkte er sich mit einem Würzwein, holte einen W-Schokomann aus der Jackentasche sowie einen in der eigenen Erdmiete gelagerten Apfel als Verpflegung raus und radelte zurück gen Ostseestadt. Mit Regen-Durchlauftest wohl inklusive – es herrschte endgültig Schietwetter.

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