ZDF-Spezial in Witzin : Wünsch Dir was von der Groko

Das ZDF-Team mit Hans Hüller, Willfried Thomä und Hildegard Katke am Mühlensee. Fotos: Katja Frick
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Das ZDF-Team mit Hans Hüller, Willfried Thomä und Hildegard Katke am Mühlensee. Fotos: Katja Frick

Hauptstadtstudio drehte nur Stunden nach der Koalitionsvereinbarung in Witzin ein ZDF-Spezial für den Tag der Regierungsbildung

svz.de von
08. Februar 2018, 21:00 Uhr

„Wieso sind die mit der Kamera hier?“, fragten am Donnerstagmorgen gleich mehrere Kinder der Kita „Weltentdecker“ in Witzin. Das ZDF-Hauptstadtstudio wollte zufälligerweise gerade an dem Tag, nach dem CDU/CSU und SPD in Berlin die Groko beschlossen haben, in der 457-Einwohner-Gemeinde unweit von Sternberg ein ZDF -Spezial drehen. Redakteur Christhard Läpple und Kameramann Heinz Kerber hatten sich schon länger angekündigt, um zu erkunden, ob das Dorf eine Zukunft hat und was sich die Witziner von einer neuen Regierung wünschen - nun entschieden sich die Verhandlungsführer in Berlin passend zum Drehtermin für eine Große Koalition. „Ich wünsche mir eine beitragsfreie Kita“, antwortete Jana Ruder, Geschäftsführerin der Kita GmbH des ASB Schwerin-Parchim, ohne überlegen zu müssen auf die Frage des Fernsehteams. Die Erzieherin fing 2012 mit nur einem Kind in der Witziner Kita an, nachdem die Vorgängereinrichtung aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste. Mittlerweile werden 41 Kinder dort betreut. Der Trend gehe zu kleineren Kitas, vor allem auf dem Land, ist sie überzeugt. „Wir würden uns auch freuen, wenn der Betreuungsschlüssel in MV besser wird.“ Im Moment ist für 15 Kinder eine Erzieherin vorgesehen.

„Ich finde das Konzeptpapier der Groko ganz gut“, meinte der parteilose Bürgermeister Hans Hüller in Richtung einer neuen Regierung. „Aber die Bürokratie in der EU sollte dringend abgebaut werden.“ Durch die Kontrollmechanismen würden Millionen von Steuergeldern verschleudert. „Und die neue Regierung sollte darauf achten, dass die geburtenstarken Jahrgänge, die sich gerade ankündigen, auch wirklich sozial abgesichert sind, wenn sie einmal Rentner sein werden.“ Und natürlich wünsche er sich, dass endlich der Radweg an der B 104 zwischen Witzin und Sternberg gebaut wird. „Weil das eine Bundesstraße ist! Es kann doch nicht angehen, dass die Leute hier seit zehn Jahren quasi schreien müssen, damit sie endlich gehört werden.“ Der rührige Macher hat nicht nur durch sein Neulandprojekt „Dorfmusikanten“ Aufsehen erregt. „Ich bin auf Hans Hüller bei einer Tagung in Berlin aufmerksam geworden“, erklärte ZDF-Redakteur Läpple der SVZ. „Das Thema war ,Dorf mit Zukunft’. Hans Hüller hat den Kongress zum Tanzen gebracht. Er hat die Leute gefragt, ob sie wüssten, wie die Augenfarbe ihres Nachbarn aussehe. Und sie dann aufgefordert, aufzustehen, ihrem Stuhlnachbarn in die Augen zu sehen, ihm die Hand zu schütteln und zu schnuppern, ob sie ihn riechen könnten. Dann hat er gesagt: ,Wenn sie diesen Menschen beim nächsten Mal wiedersehen, wird es mit einem Lächeln sein. Denn jetzt kennen sie ihn.’“ „Mein Thema war Nachbarschaft und ich hatte nur drei Minuten Zeit“, entschuldigte sich der Witziner Bürgermeister fast. Nachbarschaft ist das große Thema in Witzin. „Wir setzen hier auf das Miteinander“, sagte Willfried Thomä, Vereinsvorsitzender der sehr aktiven Witziner Dörpschaft, in die ZDF-Kamera. In Witzin würden Alte und Junge, Ureinwohner, Rückkehrer und neu hinzu gezogene Stadtflüchter zusammenhalten. Die Regierung in Berlin sei für ihn gar nicht so wichtig. „Wichtig ist, was wir daraus machen“, meinte er. „Nicht jammern, man muss sich selber helfen!“

„Wenn Du eine Idee hast, dann mach es! Das ist unser Motto in der Dörpschaft“, ergänzte Robert Schüning, der zugleich Mitglied der Bürgerschaft „Witziner Mitte“ und Trainer für die Kinder und Jugendlichen des dörflichen Inlinehockey-Vereins ist. „Wichtig für uns hier ist Infrastruktur“, appellierte er in Richtung Berlin. „Damit unsere Kinder nicht weggehen und der Arbeit folgen müssen. Damit wir uns hier nicht nur mit Tourismus, Landwirtschaft und Fischerei präsentieren.“

Im ZDF-Spezial wird Witzin übrigens der Stadt Heilbronn gegenüber gestellt, in der nur noch weniger als 50 Prozent der 126 500 Einwohner Einheimische sind und der Frust groß ist. Ein Sendetermin steht noch nicht fest. „Die Sendung soll an dem Tag ausgestrahlt werden, an dem die Tinte unter der Regierungsvereinbarung trocknet“, so der Redakteur.

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