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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 10:29 Uhr

Naturpark Sternberger Seenland : Wolfsspuren im Naturpark

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 05:57 Uhr

Sternberg/Warin | Die Spuren verdichten sich. Der Wolf scheint zurück zu sein in den Wäldern des Naturparks Sternberger Seenland.

Der jüngste und offenbar bisher stärkste Hinweis stammt von einem Förster. Florian Rackwitz entdeckte am Mittwoch im Waldgebiet zwischen Sternberg und Warin, nur etwa einen halben Kilometer entfernt vom nächsten Wohnhaus, ein Reh, das wahrscheinlich von einem Wolf gerissen wurde.

Birgit Erlebach, Naturparkrangerin und Wolfsbetreuerin, hielt die Einzelheiten fest, machte Bilder, füllte Protokolle aus und sandte alles an den Wolfbeauftragten von Mecklenburg-Vorpommern Norman Stier. Alles deutete gestern darauf hin, dass ein sogenannter C2-Fund gelungen ist. Dieses C2 steht für die zweithöchste Wahrscheinlichkeit, dass wirklich ein Wolf in der Region unterwegs ist, erfuhr SVZ. Die höchste Stufe C1 gibt es bei einem genetischen Nachweis, der beispielsweise dann möglich ist, wenn man einen toten Wolf, dessen Kot oder aber auch den Speichel bei ganz frischen Bissspuren sicher stellen kann, so Erlebach.

Es sind nicht die ersten Indizien, dass ein Wolf in Sternbergs Wäldern auf Beutesuche ist. Bei einer Treibjagd am Ende des vergangenen Jahres berichtete ein Hundeführer, dass er einen Wolf gesehen habe. Allerdings sind die Wildtiere rein äußerlich schwer von Hunden zu entscheiden. Sie ähneln sehr bestimmten Rassen, z, B. dem Belgischen Schäferhund und dem Husky-Schäferhund-Mix, so Erlebach.

Doch in den folgenden Monaten verdichteten sich die Hinweise. An zwei Orten in der Nähe von Warin wurden Spuren im Schnee entdeckt, die wahrscheinlich von einem Wolf stammen. Das ergab die Vermessung durch Birgit Erlebach. Sowohl die Größe der Spuren - acht Zentimeter breit und neuneinhalb Zentimeter lang - passt zu den Wölfen wie auch die leicht ovale Form der Abdrücke. Und auch die Art der Fährte. Das Tier hatte einen längeren Abschnitt im Stück im so genannten

geschnürten Trab zurückgelegt, wozu Hunde nur auf kürzeren Abschnitten in der Lage sein sollen. Die Abdrücke erscheinen dabei wie auf eine Perlenkette gereiht. Die Tiere setzen ihre Hinter beine im Nachsetzen immer wieder an die Stelle, an der sich ihre Vorderbeine bereits in den Schnee gedrückt haben. Dass sich in diesem Winter so deutliche Spuren abzeichneten, wurde dadurch begünstigt, dass immer wieder Neuschnee fiel.

Das gerissene Reh, das am Mittwoch gefunden wurde, vergrößert die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in unserer Nähe ist. Denn ein Raubtier hat offensichtlich der Ricke in die Kehle gebissen. Hier passt auch der Abstand der Zahnabdrücke genau zu einem Wolf. Das Reh war aufgerissen, der Räuber hatte mehrere Kilogramm Fleisch vertilgt. Um dem Fall noch weiter auf die Spur zu kommen, postierte der Förster in der Nacht zu gestern eine Kamera. Die gab allerdings vor dem spannendsten

Moment ihren Geist auf. So gibt es keine Bilder, wer das aufgerissene Tier zu nächtlicher Zeit weggeschleppt und in einiger Entfernung vertilgt hat. Gefunden wurden nur ein paar Reste. Ein Tier mit dieser Kraft und diesem Hunger - das ist ein weiteres Indiz für einen Wolf.

Dass die Wölfe irgendwann einmal im Naturpark auftauchen, haben die Ranger schon erwartet, so Jan Lippke, der stellvertretende Leiter des Naturparks. Dabei kamen nach Vermutung der Naturparkmitarbeiter auch nur zwei weitläufige Waldgebiete für den scheuen Wolf in Frage: das Kaarzer Holz und das Gebiet zwischen Warin und Sternberg. Auch zu DDR-Zeiten kam es vor, dass beispielsweise aus Polen stammende Tiere durch unser Land streiften. Damals wurden sie abgeschossen. Heute ist der Wolf streng geschützt. Diese Raubtiere brauchen Platz. Etwa 250 Quadratkilometer groß ist ihr Revier, so Erlebach. Das entspricht fast der Hälfte des Naturparks Sternberger Seenland, der eine Gesamtgröße von 540 Quadratkilometern aufweist.

Es ist derzeit ungewiss, wie lange der vermeintliche Wolf in den Sternberger Wäldern bleibt. Die Tiere sind auf der Suche nach einem Partner, um sich zu paaren, weiß Naturparkrangerin Erlebach. Und auf ihrer Wanderschaft können sie in der Nacht 80 bis 100 Kilo meter zurücklegen.

Nach etwa 150 Jahren Abwesenheit entwickeln sich in Deutschland seit dem Jahre 2000 kontinuierlich dauerhafte Vorkommen wild lebender Wölfe. Die Länder Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt beherbergen aktuell zusammen 20 Wolfsrudel beziehungsweise -paare. In Mecklenburg-Vorpommern konnten bislang nur Einzeltiere festgestellt werden, die Etablierung von Rudeln ist jedoch aufgrund der natürlichen Gegebenheiten und des inzwischen vorhandenen Populationsdrucks auch hier sehr nahe liegend, teilt das Landwirtschaftsministerium mit. Zuletzt wurde in MV von drei Einzeltieren ausgegangen. Wölfe gibt es im Nordosten Deutschlands u.a. in den Bereichen Lübtheener Heide, Ueckermünder Heide, Kyritz-Ruppiner Heide sowie im Müritz-Nationalpark.

 

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