Oldtimermuseum Groß Raden : Wochenend-Museum wider Willen

Zur Saisoneröffnung haben Mitglieder des Vereins „Freunde historischer Fahrzeuge“ noch einmal alles gerichtet und die Putzlappen geschwungen: Gabriele Koblin, Ronald Fentens, Winfried Lohse, Wolfgang Gerecht und Peter Koblin (v.r.).  Fotos: Rüdiger Rump
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Zur Saisoneröffnung haben Mitglieder des Vereins „Freunde historischer Fahrzeuge“ noch einmal alles gerichtet und die Putzlappen geschwungen: Gabriele Koblin, Ronald Fentens, Winfried Lohse, Wolfgang Gerecht und Peter Koblin (v.r.). Fotos: Rüdiger Rump

Verein „Freunde historischer Fahrzeuge“ Groß Raden startet in die neue Saison / Reduzierte Öffnungszeiten wegen Mindestlohn

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31. März 2015, 08:00 Uhr

Die ältesten Fahrzeuge in der Ausstellung haben rund 90 Jahre hinter sich. Bei den Motorrädern geht es mit Baujahr 1924 los, einer Terrot 175. Oder wenn es ein Schmuckstück aus dem Automobilbau sein soll: Ein Ford von 1925, ganz in Schwarz, um die Felgen mit einem ringförmigen Streifen in Rot, gleich daneben einer von 1928 in elegantem Grau mit Schwarz, die Felgen und Naben ganz hell.

Das Oldtimermuseum in Groß Raden hat wieder geöffnet. Die diesjährige Saison steht für den 1999 gegründeten Verein „Freunde historischer Fahrzeuge“ allerdings unter einem anderen Stern. Fanden Besucher bis 2013 noch täglich Einlass in dieses Kleinod und im Vorjahr mittwochs bis sonntags, so gilt das jetzt nur noch an den Wochenenden und Feiertagen, jeweils von 11 bis 16 Uhr. Der Grund: Der Verein, der keinerlei öffentliche Förderung erhält, muss an die Mitglieder, die als geringfügig Beschäftigte das Museum zu den Öffnungszeiten betreuen, Mindestlohn zahlen. Bei den eher mäßigen Besucherzahlen sei das in der Woche nicht möglich, erklärt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Ronald Fentens leicht geknickt.


Rund 6000 Besucher im Jahr müssten kommen


„Wir machen weiter, müssen am Ende der Saison aber genau durchrechnen, ob wir das Geld zumindest für die Wochenenden wieder hereinbekommen. Wenn nicht, bleibt uns wohl nichts anderes übrig als zu schließen. Doch das will möglichst keiner von uns.“

In den ersten Jahren ab 1999 seien es über 10 000 Besucher gewesen. Doch aus der Region kenne inzwischen jeder, der sich für so was interessiert, das Museum. „Und machen wir uns nichts vor, wir sind nicht an der Ostsee, wo es bedeutend mehr Urlauber gibt, die sich bei schlechtem Wetter gern mal so eine Attraktion ansehen“, bleibt Fentens Realist. Der Verein habe überschlagen, dass rund 6000 Besucher im Jahr kommen müssten, um das Museum auch in der Woche öffnen zu können. 2014 seien es aber nur ca. 3500 gewesen.

Dass sich ein Besuch lohne, bekämen die „Freunde historischer Fahrzeuge“ immer wieder bestätigt. Zur neuen Saison konnte die Ausstellung noch erweitert werden. „Wir erhielten zwölf DKW dazu, eine Leihgabe aus Gadebusch“, freut sich Fentens. Die stehen aneinander gereiht im ersten Obergeschoss, das insgesamt übersichtlicher geworden ist. Die Jawas sind eine Etage höher gezogen, wo noch Platz war. Während das Erdgeschoss den Autos vorbehalten ist, vom 1925er Ford bis zu Trabi und Wartburg, sind in den beiden Etagen darüber die Motorräder zu bewundern. Und was für welche! BMW R 52 und D-Rad 06, beide Baujahr 1928, oder Zündapp Z 500 von 1929. Alte Motorräder seien bei Freaks zunehmend gefragt, so Fentens. Wer sich 1999 eines für 1000 D-Mark gekauft habe, bekäme heute 2000 Euro dafür.


Bei Probefahrt mit den Hacken gebremst


Ihm gehöre unter anderem das D-Rad 06, ein besonderes Ding. Die Bremse befindet sich auf der anderen Seite, links unten, wo sonst geschaltet wird, anstelle der Bremse rechts unten ist die Kupplung, die zusammen mit einer Handkupplung links am Lenker betätigt wird. Geschaltet wird mit einem Handhebel rechts vom Tank. „Als ich die Probefahrt machte, fand ich die Bremse nicht. Der Bach kam immer näher, und ich habe mit den Hacken gebremst“, erzählt Fentens lachend. Aber alles ging gut, und nun ist der restaurierte Oldtimer mit anderen eine Augenweide im Museum.

Kommentar "Klassenziel verfehlt" von Rüdiger Rump

Sinn von Mindestlohn kann doch nicht sein, dass ein Verein, der ehrenamtlich geführt wird und keinen Gewinn erzielen will,  in die Bredouille gerät, wenn  er die touristischen Angebote in der Region bereichert. In der Schule würde es heißen: Klassenziel verfehlt. Oder soll  so ein Museum  etwa ganz ohne Bezahlung geöffnet werden? Dann macht der Mindestlohn hier erst recht keinen Sinn.

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