Dorfgeschichten: Dieses Mal in Dabel : Wo das Handwerk zu Hause ist

Er öffnete für uns nochmals seine Mühle: Getreidemüller und Handwerksmeister Fritz Döscher. Fotos: Ines Engelbrecht
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Er öffnete für uns nochmals seine Mühle: Getreidemüller und Handwerksmeister Fritz Döscher. Fotos: Ines Engelbrecht

Die SVZ hat sich in Dabel umgeschaut und sprach dabei mit den Anwohnern, die interessante Geschichten über ihr Leben in der kleinen Ortschaft mit ihrem schönen Wahrzeichen zu erzählen hatten.

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17. Mai 2013, 07:08 Uhr

Dabel | Ein leichter Wind weht über den Dabeler See. Abwechselnd schaut Klärchen durch die Wolken hervor. Im Vorgarten seines Hauses macht sich Peter Bujatzeck zu schaffen. "Ich mache die groben Arbeiten wie umgraben, für die anderen Gartensachen ist meine Frau zuständig", sagt er und macht sich weiter ans Ausgraben eines Rosenstocks. 32 Jahre wohnt er in Dabel. Früher hat er als Heizer in der Dabeler Feinkost gearbeitet.Gleich gegenüber.

Die Gebäude stehen heute noch und werden privat genutzt. "Das große Haus mit dem Ochsenkopf soll früher eine Schlachterei gewesen sein." Der 53-Jährige zeigt auf das hell gestrichene Haus mit dem Friesengiebel. Schräg gegenüber befindet sich ein noch markanteres Gebäude: "Der Blaue Bock". Ganz früher Konsum gewesen und seit langem eine Gaststätte. Norbert Backhaus übernahm die damalige Dorfgaststätte 1983. Er baute das Objekt um und eröffnete es ein Jahr später. Als Koch steht er selber in der Küche und bereitet das Mahl für seine Gäste. Birgit Gredig bedient die Gäste. Vor sieben Jahren zog sie von Sternberg hierher. "In Dabel passiert eine ganze Menge. Wir haben eine Grundschule, Kindergarten, Feuerwehr, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, zwei Galerien, Vereine die alle etwas auf die Beine stellen, viele Handwerksbetriebe und eine Oldieband", erzählt sie und stellt das Mittagessen vor Klaus-Dieter Krebs auf den Tisch.

Der Malermeister mit eigenständigem Betrieb ist in Dabel aufgewachsen und zur Schule gegangen. "Zwischenzeitlich mussten wir nach Wamckow zur Schule, weil unsere Schule gebrannt hatte", erzählt der 54-Jährige, der seit 27 Jahren im benachbarten Holzendorf wohnt. Zu ihm an den Tisch gesellt sich Hartmut Schmidtke. Er ist Sänger in der Oldieband. "Wir sind fünf Musiker, die sich seit sechs Jahren bei Aurich und Schröder in Dabel zum Proben treffen. Auftritte hatten wir in Dabel, Klein Pritz, sind auf Dorffesten und Privatveranstaltungen zu erleben", so der Demener.

Die Wilhelm-Pieck-Straße entlang stehen alte Backsteinhäuser. Ehemalige Bauernstellen, Wohnhäuser sowie die Kirche und das Gemeindehaus. Hier haben sich die zwölf Frauen des Rommé-Clubs zu einem gemütlichen Nachmittag zusammen gefunden. Die Idee dazu stammte von Brigitte Stave. Immer dienstags treffen sich die Frauen aus Dabel, Holzendorf und Sternberg für vier Stunden zum Spiel.

"Der Gemeinderaum wird die ganze Woche über genutzt von den Knoblern und Handarbeitsfrauen. Traudel Förster betreut den Chor", erzählt Edeltraud Bujatzeck. Sie ist in ihrem Haus geboren und aufgewachsen. "Dabel hat sich sehr verändert. Die Häuser sind schön saniert. Das ganze Dorfbild hat sich positiv verändert. Etwa 1500 Menschen leben hier", erzählt die 57-Jährige.

Den schönen Nachmittag nutzten auch die beiden Cousinen Jördes und Jette zum Spielen in der Schillerstraße beim Fischereibetrieb von Klaus-Dieter Dehmel. "Hier bei uns auf dem Dorf können die Mädchen auch noch angeln", sagt Jeanette Dehmel (38). Sie arbeitet im Betrieb ihres Mannes und kümmert sich um das Büro. Ihre Eltern betrieben früher das Gasthaus "Waldeslust". "Als die Armee hier noch stationiert war, hatten wir dadurch viel Gästebetrieb. Auch die Kaufkraft war stärker. Die Infrastruktur ansonsten ist toll. Schade nur, dass es keine Bank mehr in Dabel gibt. Ansonsten lebt es sich gut hier", erzählt die Mutter zweier Kinder. Ihre Tochter Jördes wächst mit ihrer Nichte fast wie mit einer Schwester auf, da die sieben und sechs Jahre jungen Mädchen täglich miteinander spielen.

In den Volieren von Hans-Heinrich Stoll gurren Tauben der Rasse "Giant Homer" und "Weiße Mittelhäuser". Ein Taubenpärchen schnäbelt. Kein Wunder, ist es doch Frühling. In den Nistschalen sitzen die Nachzuchten. Die sechs Tage jungen Täubchen sehen noch etwas unförmig aus mit ihren dicken, rosigen, kaum befiederten Körpern und den übergroßen weichen Schnäbeln. 18 Tage sitzen die Taubenpaare auf dem Gelege und nach vier Wochen tummeln sich die Jungtauben bereits in den separaten Volieren. Zwölf Paare der Taubenrasse "Mittelhäuser" und sieben Zuchtpaare der "Giant Homer", mit blauer und schwarzer Binde, tummeln sich im Stollschen Stall. Die "Mittelhäuser" zieht der 60-Jährige seit 1996 nach und seit 2004 auch "Giant Homer". 60 bis 70 Jungtiere schlüpfen jährlich. Die besten Zuchtpaare und Nachzuchten zeigt der Dabeler auf Ausstellungen. Bei der Landesausstellung in Sparow wurde er Landesmeister mit fünf Jungtieren der "Weißen Mittelhäuser".

Fährt man aus Dabel heraus oder kommt aus Richtung Sternberg, ist das Wahrzeichen, die Mühle von Fritz Döscher, weithin zu sehen. 40 Jahre lang hat er den Mühlenbetrieb, den er vom Vater übernahm, aufrecht erhalten. Vor vier Jahren nun hatte der Müller seinen Betrieb abgemeldet. Und so gilt die Holländer Mühle als sehr gut erhaltenes Technisches Denkmal.

Kommt man mit Fritz Döscher ins Gespräch, sollte man viel Zeit mitbringen, denn das Urgestein hat eine Menge zu erzählen. Er war auch derjenige, der die Plappermöhl ins Leben gerufen hat, die im sonntäglichen Regional-Radioprogramm zu hören ist. Die ersten Male fand die Sendung auch in der Mühle statt. Rotweißkarrierte Tischdecken sind aufgezogen und auch die Bar steht auch noch. "Ich hatte hier schon Gäste aus aller Welt zu Gast. Die Führungen, die ich durch die Mühle machte und die Tanzveranstaltungen, kann ich gar nicht zählen. Als meine Mutter noch lebte, war ihre Art, wie sie die Bockwurst zubereitete, sehr beliebt. Sie hatte da so ihre Methode, dass die Leute dachten, es wäre besondere Wurst aus dem Delikatladen", erzählt der 70-Jährige aus alten DDR-Zeiten.

Er ist in dem gelben Backsteinhaus oben auf dem Berg geboren, in dem er heute lebt.

"Die Mühle hat mein Großvater damals für seinen Sohn, meinen Vater, gekauft. Sein Vater, mein Urgroßvater, hatte in Grebbin eine Windmühle. Väterlicherseits waren wir also Müller. Die Eltern meiner Mutter Lisbeth betrieben die Gaststätte "Waldeslust", wo sie das Kochen erlernte. Geboren war sie in Kobrow. Als der Krieg 1939 begann, sollte mein Vater eingezogen werden. Sein Müllerbetrieb war aber wirtschaftlich anerkannt und er wurde zurückgestellt, bis er 1944 doch noch einberufen wurde", erzählt Fritz Döscher. Seine Schwester ist sechs Jahre älter und mit Bruder Eckhard telefoniert er regelmäßig. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit Lutz Mahnke. Eine Müller- und Bäckerdynastie in Stralsund, deren desolate Mühle einen Neuaufbau im Hansestädtischen Zoo erfuhr.

"Ich kann mich noch erinnern, dass bei uns früher die Betten von Gänsefedern gestopft wurden. Vor allem für die Angestellten und Kriegsflüchtlinge. Wir mussten als Kinder auch zeitig mit ran und auf dem landwirtschaftlichen Hof zupacken", so Döscher. Die Mühle gehörte einst zum Gut Rother Strumpf, erzählt er weiter, mit allein stehenden Höfen. 1945 brannte das Gut ab. Heute befindet sich ein Siedlerhaus dort, wo auch die Scheunen standen.

Die Mühle wurde 1982 erbaut. Der Walzenstuhl aus jener Zeit tat viele Jahre seinen Dienst. "Mit Landmaschinenschlosser Voß war mein Vater zur Messe gefahren und hatte dort eine moderne Anlage gesehen. 1953 hielt die neue Anlage Einzug in unsere Mühle mit neuester Mahltechnik. Das Korn wurde früher vom Müller von den Bauern abgeholt. Wir haben es gemahlen und wieder zu den Häusern gebracht. Manchmal kamen die Leute auch selber mit ihren Fahrrädern und haben das gemahlene Korn, ihr Mehl, in Textilsäcken abgeholt", erinnert sich der Getreidemüller. An der Wand in seiner Wohnstube zeugen Urkunden von seinem Schaffen und seinem Meister-Jubiläum.

Dann schließt Fritz Döscher noch einmal seine Mühle auf. Zu jedem Inventarstück hat er eine Geschichte. Zum Abschied steht er auf der Laderampe. Neben der halb offenen Mühlentür liegt ein Mühlstein. Die Mühlenflügel stehen ebenso still wie der ausgediente W50 und erinnern an eine Ära, die noch gar nicht so lange her ist.

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