Witzin : Witziner Alphornidee greift um sich

Das  überregionale Alphorntrio übt   in der Kirche zu Witzin, v. r.:  Wolfgang Fellechner,  Klaus Wiesner und Baldur Beyer.
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Das überregionale Alphorntrio übt in der Kirche zu Witzin, v. r.: Wolfgang Fellechner, Klaus Wiesner und Baldur Beyer.

Nach über 19 Jahren Arbeit existieren sechs dieser seltenen und schwierig zu bauenden Holzblasinstrumente aus der „Ein-Mann-Werkstatt“ von Baldur Beyer.

svz.de von
03. Dezember 2013, 16:21 Uhr

Vor vier Jahren entstand das erste Witziner Alphorn in Mecklenburg-Vorpommern. Vorangegangen waren 15 Jahre intensive Beschäftigung mit einem möglichen Bau eines Alphorns in Mecklenburg überhaupt. Heute, nach über 19 Jahren, existieren insgesamt sechs dieser seltenen und schwierig zu bauenden Holzblasinstrumente der individuellen Bauart, von denen fünf momentan in ganz Mecklenburg geblasen werden.

Die nach einem eigenwilligen Patent gefertigten „Mecklenburger Alphörner“ werden auch die einzigen sein, die gegenwärtig im ein- oder mehrstimmigen Alphornvortrag bzw. in Vorträgen oder Konzerten zum Einsatz kommen. Momentan ist an einer baumäßigen Erweiterung der Alphorn-Stückzahl aus der Witziner „Ein-Mann-Werkstatt“ von Baldur Beyer nicht gedacht. Um so mehr wird die verbleibende Zeit des Erbauers für die Konstruktion eines funktionierenden Chromatischen-Alphorns und zur weiteren Vervollkommnung der eigenen Blastechnik sowie zu Vorbereitungen entsprechender Auftritte und Präsentationen genutzt.

Von den sechs in Witzin gebauten Alphörnern befinden sich zwei Instrumente als Ausleihe für den Musikunterricht der Kreativ-Musikschule Groß Laasch, dessen Direktor ein weiteres Instrument als persönliches Geschenk aus den Händen des Erbauers übergeben wurde. Quasi als Dank dafür, dass die Groß-Laascher private Musikschule zum qualitativen Bestehen des Mecklenburger Alphorns und seiner tonmäßigen Vervollkommnung wesentlich beigetragen hat. Damit wird vor allem Kindern und Jugendlichen im Landkreis Parchim-Ludwigslust die Möglichkeit gegeben, kostengünstig oder sogar kostenfrei das Alphornspielen an dieser Schule zu erlernen. Ein weiteres Witziner Alphornexemplar wird vom engagierten Alphornbläser Wolfgang Fellechner in Mühlen-Eichsen als Ausleihe genutzt. Das fünfte Mecklenburger Alphorn befindet sich in privater Hand der Erbauers. Am sechsten Alphorn wird weiterhin experimentiert und nach einer chromatischen Tonlösung bautechnisch mit tenorhornähnlichen Ventilen gesucht. Dazu wurde bisher der Rat versierter Trompetenbauer Deutschlands gesucht und gefunden. Besonders dankbar ist der Witziner Alphornbauer Baldur Beyer über die innovativen Hinweise im Zusammenhang mit dem Einbau einer „Tenorhornmaschine“ in ein in „F“-gestimmtes Alphorn seitens des weltweit bekannten Trompetenbauers Michael Münkwitz in Rostock. So ein F-gestimmtes Chromatisches-Alphorn gibt es gegenwärtig nämlich weltweit noch nicht. Dennoch verliefen viele gemeinsamen Versuche bisher Erfolg versprechend.

Das Alphornblasen verlangt neben einem gutklingenden Instrument auch ein entsprechendes Können des Bläsers im Umgang mit dem voluminösen Holzinstrument. Selbst langjährige Bläser anderer Blechblasinstrumente benötigen viele Jahre, bis sie sich an das eigenwillige Naturtoninstrument gewöhnt haben. Denn das Alphorn hat keine Klappen, wie z. B. ein Saxophon oder Ventile, wie eine Trompete oder gar Blaslöcher, wie eine Flöte. Alle Töne werden mit den Lippen zum Schwingen gebracht. Zudem wird nur in der Naturtonreihe geblasen, die keine „Sondertöne“ der chromatischen Tonleiter zulassen. Dennoch sind Töne auf dem Alphorn für einen geübten Alphornbläser nach vier Jahren Übung über zwei Oktaven eine große Anforderung, wenn die entsprechenden und geeigneten Mundstücke für den Bläser und das Alphorn vorhanden sind. Auch diese Alphornbauteile werden in der Witziner Werkstatt individuell angefertigt. Am Ende einer langen Baureihe ergeben sich viele typischen Alphorn-Tonvarianten für jede Auftrittsgelegenheit.

Kein Wunder, dass gerade das Alphorn immer wieder zu besonderen Feierlichkeiten und festlichen Höhepunkten mit seinen einmalig wohltuenden tiefen und beruhigenden Tönen gewünscht wird.
Neben den bisher üblichen Solo-, Duo oder Trio-Alphornauftritten wird landesweit an gemeinsamen Darbietungen von acht und mehr Alphörnern gearbeitet. Und in der Landeshauptstadt Schwerin gibt es Überlegungen, perspektivisch die Musik von dort ansässigen Blasorchestern mit den Alphornklängen wohlwollend zu verknüpfen.
Alphörner klingen in der freien Natur, aber auch in großen Räumen und Kirchen besonders eindrucksvoll. Aus diesem Grunde sei der Kirchengemeinde Witzin und seinem Pastor Siegfried Rau ausdrücklich für die Bereitstellung von Übungsmöglichkeiten in der Witziner Kirche gedankt.

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