Warin : „Wir haben es einfach gemacht“

Geschäftsführer auf 450-Euro-Basis: Heinz Janetzki vom Gewerbe- und Technikzentrum (GTZ) in Warin-Waldeck. Fotos: Roland Güttler
1 von 2
Geschäftsführer auf 450-Euro-Basis: Heinz Janetzki vom Gewerbe- und Technikzentrum (GTZ) in Warin-Waldeck. Fotos: Roland Güttler

Geschäftsführer Heinz Janetzki über die Anfänge des Gewerbe- und Technologiezentrums in Warin-Waldeck ab 1991.

von
07. April 2017, 21:04 Uhr

Wenn Heinz Janetzki über das Gewerbe- und Technikzentrum in Warin-Waldeck, „seinem“ GTZ erzählt, öffnet sich ein Geschichtsbuch. Vor der Wende war hier ein Armeeobjekt. Im Wald unweit der heutigen Landesstraße 031 lagen seit den 60ern die Soldaten-Unterkünfte und das Stabsgebäude der „Fla-Raketenabteilung 131 Warin“. Weiter hinter im Wald – außerhalb des heutigen GTZ – gab es zudem „drei Bunker, zwei für Fahrzeuge und einen für die Waffen. Die Raketenstellung selbst lag ca. 500 Meter von hier weg im Wald in Richtung Ventschow“, erzählt Janetzki.

Dann kam die Wende und die Frage: Was anfangen damit? „Das Land wollte ein Asylantenheim daraus machen, der damalige Landkreis Sternberg hatte auch ein Auge darauf geworfen und sich mächtig für ein Gewerbe- und Technikzentrum eingesetzt. Wir haben es 1991 dann ,besetzt‘“, so der 68-Jährige.

Heinz Janetzki sah als Bereichsleiter Instandhaltung der LPG Tierproduktion Klein Labenz keine Perspektive, bewarb sich – und wurde 1991 der GTZ-Geschäftsführer. Den Posten hatte er bis November 2006 inne; und seit Jahresbeginn 2011 wieder. Da wurde er, bereits im Ruhestand, reaktiviert. Auf 450-Euro-Basis. „Mehr durfte ich vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters nicht zuverdienen“, betont er.

Als Übergang gedacht, hält der bis heute an. Zwar ist klar, dass der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg GmbH den Job mitmachen soll. Doch Martin Kopp, der von drei Monaten dazu gewählt wurde, „kommt vom alten Betrieb nicht los“, sagt Janetzki. Kopp muss erst noch einen Nachfolger für seinen Posten in Nordfriesland finden und den einarbeiten. Und so richtet sich der in Klein Labenz Wohnende auf weitere Monate ein: „Die Aufsichtsratssitzung beschloss, dass ich bis längstens 31. 12. bleibe, eventuell wird es früher.“

Doch mal ehrlich, Janetzki macht den Job nicht ungern. Ist das Wariner GTZ doch sein Werk, in dem so viel Schweiß, Herzblut und auch unzählige kurze Nächte stecken. „Am 1. Juli 1991 bin ich mit dem GTZ hier eingezogen. Anfang der 90er gab es viele Einbrüche, ein Gebäude wurde auch in Brand gesteckt. Wenn nachts das Telefon klingelte, wusste ich schon, wo ich hin musste.“


„Man konnte viele Dinge tun, ohne groß zu fragen“


Auch sonst war der Anfang schwer. Die alte NVA-Kohleheizanlage fürs Objekt funktionierte nicht mehr und so sorgte bei den ersten gewerblichen Mietern im Winter ein Gasheizer für etwas Wärme. „So haben wir angefangen und durchgehalten. Nach dem Motto: Was tun – aber nicht mit Frage-, sondern mit Ausrufezeichen! Man konnte damals viele Dinge tun, ohne groß zu fragen“, verkündet der 68-Jährige und fügt hinzu: „Wir haben einfach gemacht! Es hätte schief gehen können, ist aber gut gegangen. Bei der Bürokratie heute wäre das alles nichts geworden“, ist er sich sicher.

Das GTZ verstand und versteht sich als „Durchlauferhitzer“, wie Janetzki es nennt, für Existenzgründer. Der erste Mieter war die Firma Elektro Gregor aus Warin, hervorgegangen aus der PGH. Die Zimmerei Eggert sei später nach Neukloster gezogen. Als ein weiteres Beispiel erfolgreicher Starthilfe nennt Janetzki die Firma „LMI Ladenbau“ des Wariners Juri Ljubenow. „Der ist hier bei uns groß geworden. Noch heute sagt er, er wird nie vergessen, was wir im GTZ getan haben“, freut sich Heinz Janetzki über so viel Lob.

Insgesamt hat er 115 Mietverträge unterschrieben. „Allerdings ist die Nachfrage nach Büroräumen, ohne zusätzlichen Lagerraum, nicht mehr da. Wer heute eine kleine Firma gründet, macht es dank DSL/Internet von zu Hause aus“, so Janetzki, der von 1991 bis 1994 und 1999 bis 2004 auch noch ehrenamtlicher Bürgermeister in Klein Labenz war, als die Gemeinde eigenständig war. „In der Zeit hat mich meine Familie nur zum Schlafen gesehen“, zollt er seiner Frau Karin und den drei Söhnen große Anerkennung, dass sie das alles seinerzeit mitgemacht haben.

Das GTZ sieht er gut aufgestellt. Neben drei größeren Firmen sind hier auch der Wasser- und Bodenverband „Obere Warnow“, der Rettungsdienst und Katastrophenschutz des Nordwestkreises sowie die Kreisfeuerwehrzentrale ansässig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen