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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

13. Dezember 2017 | 10:07 Uhr

Warin : „Wir gehen zur Mühle“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Nachkriegserinnerungen wurden wach bei älteren Warinern anlässlich des Tages des „Technischen Denkmal am Wasser“ .

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 17:49 Uhr

Mit dem Handwagen haben sie ihren Getreidesack von Waldheim nach Warin gezogen. An der großen Getreidemühle mussten sie dann warten, bis sie dran waren. Viele Wariner und Leute aus der Umgebung ließen hier ihr Getreide mahlen. Sie war noch ein Kind damals und es machte ihr großen Spaß, die Maschinen und das Mahlwerk zu beobachten.

„Wir waren Flüchtlinge, die gerade hier ihre Heimat gefunden hatten und die Mühle hat uns mehr oder weniger am Leben erhalten. Das Getreide haben meine Eltern irgendwo bekommen. Wir haben es in der Mühle zu Mehl oder zu Kleie mahlen lassen. Davon haben wir unser Brot gebacken und das Geflügel und die Schweine gefüttert. Für mich war das immer ein Ereignis, wenn es hieß, wir gehen zur Mühle…“ Heute ist Ingrid Kaiser aus Waldheim 78 Jahre alt und die Wariner Mühle mahlt kein Mehl mehr. 1990 war es damit vorbei. Bis 2011 wurde mit der Wasserkraft noch Strom erzeugt.

Inzwischen ist die Wariner Wassermühle zu einem „Technischen Denkmal am Wasser“ avanciert, denn in ihr steht noch die komplett erhaltene alte Mahltechnik. Und weil der Hamburger Wirtschaftsjournalist Sven Bardua die „Tage der Industriekultur am Wasser“ in der Metropolregion Hamburg mit ins Leben gerufen hat, gab es am Samstag nach 2013 unter diesem Motto eine zweite Gelegenheit, die Wariner Wassermühle von innen zu besichtigen. Um die 70 Leute nutzten allein am Vormittag (um 15 Uhr gab es einen zweiten Termin) die Führung. Unter ihnen auch Ingrid und Hans Kaiser aus Waldheim. Während er bereits 2013 die „hoch interessante“ Führung von Sven Bardua mitgemacht hatte, war seine Frau zum ersten Mal dabei.

Auch Lothar (85) und Dietlind (84) Spriewald sind extra aus Schwerin angereist, um diese Mühle zu besichtigen. Ich war Meliorations- oder Wasserbauer und interessiere mich eigentlich für die Fischtreppe. Vielleicht sagt unser Führer etwas dazu“, hoffte Lothar Spriewald. Und Sven Bardua sagte nebenbei auch dazu etwas. Als man ihn fragte, was er sich als Nutzung für die Mühle wünschen würde, meinte er: „Dem Bauwerk wäre zu wünschen, dass es im Sinne eines Denkmals wieder hergerichtet wird, mit einem kleinen Café und regelmäßigen Führungen für Touristen. Allerdings passt die Fischtreppe so oder so nicht dazu. Die ist einfach nur hässlich. Vor zwei Jahren war das hier ein idyllisches Fleckchen. Wer das jetzt verbrochen hat…“

 


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