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Auf Reisen kostenlos übernachten : Willkommen bei den "Couchsurfern"

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Bei dem Wismarer Tarik Türk können Wildfremde übernachten. "CouchSurfing" nennt sich das. Kostenlos bei Menschen auf der Couch übernachten. Weltweit. Bei Tarik Türk bekommen Couchsurfer sogar ein eigenes Gästezimmer.

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2012 | 11:54 Uhr

Wismar | Die Couch von Tarik Türk ist ziemlich groß. Und sehr bequem. So groß und bequem, dass jemand darauf übernachten könnte. Bei Tarik Türk können das sogar Wildfremde. "CouchSurfing" nennt sich das. Kostenlos bei Menschen auf der Couch übernachten. Weltweit. Bei dem Wismarer Abbruchunternehmer Tarik Türk bekommen die Couchsurfer sogar ein eigenes Gästezimmer mit Bett und Kleiderschrank.

Über 60, vielleicht 70 "Couchsurfer" hatte der 44-Jährige in den vergangenen drei Jahren zu Gast bei sich. Menschen aus Taiwan, Australien, Israel, Polen, England, Kolumbien, Italien - zu fast allen kann Tarik Türk eine Geschichte erzählen. "Ein Koch aus Spanien hatte mal rohen Fisch mit Zitrone für uns gekocht, es sollte lecker sein, war aber schrecklich", sagt er und lacht. Der Student aus Israel servierte als Dankeschön für die Gastfreundschaft leckere Lammkoteletts. "Das ist oft so, dass die Couchsurfer sich mit einem Essen bedanken", so Tarik Türk und erklärt das Prinzip des "CouchSurfings": "Das ist zuerst einmal absolut unkonventionell.

Die Leute bekommen eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit, aber das steht gar nicht so im Vordergrund. Es geht um das Kennenlernen." Viele Studenten hat er so schon kennengelernt, die an der Wismarer Hochschule ihre Deutschprüfung gemacht haben, also nur eine Couch für ein, zwei Nächte brauchten. Aber auch Ärzte, Softwareentwickler, Biologen, Sprachlehrer - also Menschen, die sich ohne Probleme die Nacht im Hotel leisten können. Aber nicht wollen. Wegen des Kennenlernens.

Andere Menschen, andere Kulturen kennenlernen. Aus der Übernachtung für lau werden Freundschaften. So wie mit Norman Wilke. Der 49-Jährige surft zum ersten Mal auf fremden Couchen und war Gast bei Tarik. "Meine Tochter hat mir das empfohlen", so der Berufsclown und Künstler aus Oberhausen im Ruhrpott. Er hatte mit Gastgeber Tarik Türk Glück, denn der Wismarer bietet mehr als nur die Couch beziehungsweise das Gästezimmer. Er zeigt ihnen Wismar, hilft, holt vom Bahnhof ab, geht mit den Gästen Fußballspielen, philosophiert mit ihnen. Wilke kochte aus Dankbarkeit gesunde Ofenkartoffeln mit Schweinefleisch und Quark - lecker!

Norman Wilke nutzte die Chance, in Wismar und an der Ostseeküste für seinen Maskenzauber und die Clownerie zu werben. "Ich habe die Kurverwaltungen abgeklappert", erzählt er. "Ich habe mich gefühlt wie zu Studienzeiten." Sicherheitsbedenken haben beide Couchsurfer nicht. "Alles wird geprüft", so der erfahrene Tarik. Außerdem habe er mittlerweile so viel Menschenkenntnis, das er weiß, wem er den Wohnungsschlüssel anvertrauen kann und wem nicht. Norman Wilke hat ihn bekommen.

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