Treibjagd bei Sülten : Wildschweine: Jagen im Akkord

Forstamtsleiter Mathias Regenstein begutachtet einen Teil der der am Freitagvormittag bei Sülten erlegten Beute.  Fotos: Katja Frick
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Forstamtsleiter Mathias Regenstein begutachtet einen Teil der der am Freitagvormittag bei Sülten erlegten Beute. Fotos: Katja Frick

Treibjagden nur von November bis Januar erlaubt. Im Forstamt Schlemmin wurden von vermutlich 350 Wildschweinen mehr im Jahr 2017 erst 315 erlegt

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06. Januar 2018, 05:00 Uhr

Seit November treffen sich jeden Freitag und Sonnabend zwischen 60 und 80 Menschen im Bereich des Forstamtes Schlemmin und jagen jedes wilde Schwein, das ihnen vor die Flinte läuft. „Jagen im Akkord - so kann man das nennen“, meint Forstamtsleiter Mathias Regenstein. Aufgescheucht werden die Tiere jeweils durch etwa 20 Treiber, erlegt durch jeweils 40 bis 60 Jäger. Am gestrigen Freitagvormittag fand eine solche Großjagd im Waldgebiet bei Sülten statt, das noch zum Forstamt Schlemmin gehört, heute Vormittag wird ebenfalls dort gejagt. Weil die Treiber aber auch Dam- und Rotwild unruhig machen, ist besondere Vorsicht auf den umliegenden Straßen geboten, der Hirsch (siehe oben) lief gestern Vormittag auf der B 104 vielleicht nicht zufällig um diese eher ungewöhnliche Zeit in einen Notarztwagen.

„Bitte nicht nachgucken gehen, ob da wirklich eine Jagd stattfindet, wenn da ein Schild ,Treibjagd’ an der Straße steht!“, appelliert Mathias Regenstein an die Bevölkerung.

„Bis auf wenige Ausnahmen ist jeder Förster auch Jäger“, erklärt er. Außerdem würden an den Jagden auch die Pächter der Jagdreviere und Gäste teilnehmen. „Wir treffen uns an den Jagdtagen immer morgens um acht im jeweiligen Waldgebiet und dann werden die Jäger verteilt“, so der Forstamtsleiter. Aus Sicherheitsgründen bekomme jeder Jäger ein Gebiet von mehreren Hektar zugeteilt, wo er auf einem Hochsitz darauf wartet, dass ein Schwein vorbeikommt. Doch Mathias Regenstein ist unzufrieden mit der Zahl der bisher erlegten Schwarzkittel in dieser Jagdsaison, die nur von November bis Ende Januar dauert. „Pro Jahr haben wir etwa einen Zuwachs an Wildschweinen auf 350 Prozent. Das heißt, wir müssten pro Jahr vier Schweine für jedes erwachsene Tier erlegen, um die Population auf einem etwa gleich bleibenden Stand zu halten.“ Für das vergangene Jahr würden das etwa 350 Stück Schwarzwild im Forstamt Schlemmin sein, schätzt er. „Bis jetzt haben wir aber erst 315 erlegt.“ Mit den etwa 20, die voraussichtlich an diesem Freitagvormittag in dem Waldgebiet bei Sülten geschossen wurden. „Heute waren wir 45 Jäger und 20 Treiber. Für so einen Auflauf ist das eher ein durchschnittliches Ergebnis.“

Um die inzwischen insgesamt zu stark gewachsene Wildschweinpopulation zu reduzieren - weil dadurch auch die Gefahr des Ausbruchs der Schweinepest in Deutschland droht - zahlt die Landesregierung pro erlegtem Wildschwein eine sogenannte „Pürzelprämie“ von 25 Euro. „Die bekommen aber nur die Jagdpächter“ weiß Patrick B. aus Warin, der heute als Treiber mit dabei ist und irgendwann auch einmal Jäger werden will.

Um der wilden Schweine Herr zu werden, sei die Jagdsaison in diesem Jahr bis Ende Januar verlängert worden, erläutert Forstamtsleiter Regenstein. Im Februar beginne die Schonzeit für Dam- und Rotwild und dann sind keine Treibjagden auf Wildschweine mehr möglich. „Dann gibt es nur noch Einzeljagden, eine Ausnahme sind die Erntejagden, wenn die Felder abgeerntet werden.“

„Ein Drittel der Jäger heute waren Forstamtsmitarbeiter, zwei Drittel private“, meint Mathias Regenstein. Belinda Heinrich ist so eine private Jägerin, wie alle anderen hat sich die Angestellte bei der Deutschen Bahn Urlaub für diesen Jagdtag genommen. In dieser Saison war sie bei fast jeder Jagd dabei. „Ich bin seit fünf Jahren Jägerin“, erzählt sie. „Wir werden immer mehr Frauen.“ Weil ihr Freund Förster und Jäger sei und auch fast alle Freunde und Bekannte, drehten sich die Gespräche häufig um die Jagd. Da habe sie irgendwann mitreden wollen. Mittlerweile jage sie häufiger als ihr Freund. Warum? „Aus Leidenschaft. Um Beute zu machen“, lacht sie.

Im Forstamt Schlemmin kann man trotz der eifrigen Jäger derzeit kein Wildschweinfleisch bekommen. „Wir dürfen die Tiere nicht zerlegen, das dürfen nur die Forstämter Schildfeld und Bad Doberan“, so Regenstein. Die Jäger können die Schweine im ganzen Stück kaufen oder sie werden an einen Händler aus Sachsen-Anhalt weiter gegeben. „Wir hatten allerdings in diesem Jahr Probleme mit dem Absatz, die Preise sind im Keller.“

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