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Schockierender Vorfall im Kobrower Forst : Wildernder Hund beißt Reh tot

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Ein offenbar wildernder Hund hat Forstleute im Sternberger Seenland aufgeschreckt. Im Kobrower Forst hat wurde ein Reh totgebissen. Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Donnerstag.

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2013 | 08:25 Uhr

Sternberg | Ein offenbar wildernder Hund hat Forstleute im Sternberger Seenland aufgeschreckt. Gestern schilderte Bundesförster Ulrich Dohle einen Vorfall, der sich bereits am vergangenen Donnerstag, dem 7. Februar, gegen 15 Uhr ereignet hatte. Ein mittelgroßer bis großer schwarzer Hund mit weißem Brustzeichen habe in der Kobrower Feldflur nahe des Seehofes ein Reh gehetzt. Im Wald der Bundesforst im Bereich des ehemaligen Feuerwachturms Kobrow habe der Hund das Reh, ein trächtiges Muttertier, schließlich niedergerissen und durch einen gezielten Kehlbiss getötet. Spaziergänger konnten den Hergang aus einiger Entfernung beobachten. Sie sahen einen dunklen Pkw - vermutlich einen Mercedes, der sich vom Tatort entfernte. Die Bissverletzungen an dem Reh deuten darauf hin, dass dieser Hund nicht zum ersten Mal ein Tier gezielt getötet haben könnte, vermutet Dohle.

Ein Verstoß gegen geltende Gesetze, wie SVZ erfuhr. Die Hunde, die Jäger quasi vor dem ersten Schuss auf das Reh oder das Wildschwein einsetzen, sollen das Wild nur aufstöbern und nicht töten. Letzteres ist Aufgabe des Jägers. Deshalb seien diese Hunde auch "spurlaut", wie Dohle erklärt. Während sie nach dem Wild stöbern, bellen sie. So weiß der Jäger, wo sein Hund ist. Und das Wild hat noch Raum, um dem Hund aus dem Weg zu gehen. Der Hund, der das trächtige Reh am Donnerstag getötet hat, war offenbar aber nicht "spurlaut", sondern hat sich wie ein Wolf herangeschlichen, das trächtige Reh gehetzt und getötet.

In dem Fall geht die Forst von einem Verstoß sowohl gegen das Landesjagd- als auch gegen das Waldgesetz aus. Hier drohen den Verursachern Strafen von maximal 5000 Euro. "Von dem Hund konnten an der Bissstelle DNA-Spuren gesichert werden", sagt Dohle. Zeugen, die nähere Angaben zu dem Vorfall machen können, werden gebeten, sich bei der Bundesforst zu melden (Telefon 038483/20034). "Angaben werden vertraulich behandelt", verspricht Ulrich Dohle. Er machte aus dem aktuellen Anlass alle Hundeführer darauf aufmerksam, dass ihre Tier gemäß Landeswaldgesetz im Wald ständig an der Leine zu führen sind. Das selbe gelte in Naturschutzgebieten. "In der Feldflur müssen sich Hunde stets im Einwirkungsbereich des Hundeführers aufhalten. Aufgrund der winterlichen Verhältnisse hat das Wild seinen Stoffwechsel und Energiehaushalt herunter gefahren. Beunruhigungen sollen unbedingt vermieden werden, um Wildschäden im Wald und Feld zu verhindern", so der Förster weiter.

"Es gibt Hunde, die sofort an die Kehle gehen", erklärte Kerstin Westhoff, Inhaberin einer Hundeschule in Keez sowie selbst Jägerin und Besitzerin von ausgebildeten Jagdhunden, zu dem Vorfall. Für den Zeitraum "nach dem Schuss" sei das auch so gewollt. Beispielsweise wenn das Wild krank geschossen wurde und es bei einer Nachsuche im Wald aufgespürt werden soll. Sie erinnert sich beispielsweise an einen Fall, wo ein Reh bei einem Verkehrsunfall alle Füße verlor. Das Tier hatte dennoch soviel Adrenalin, um relativ weit in den Wald zu verschwinden. Der Hund, der hier zur Nachsuche eingesetzt wurde, war darauf abgerichtet, das leidende Reh sofort in die Kehle zu beißen und es so zu erlösen.

"Der Hund stammt vom Wolf ab", so Westhoff. "Jeder Hund ist ein Jäger." Auch die Jagd nach einem Ball zeugt von diesem Instinkt. Letztlich sage der Mensch, was der Hund jagen darf. Es gibt aber auch Unterschiede zwischen den Rassen und zwischen den einzelnen Tieren, ob sie beispielsweise Rehe, Wildschweine oder Raubwild angreifen.

Kerstin Westhoff warnt aber auch davor, Hundehaltern vorschnell vorzuwerfen, dass sie absichtlich ihre Tiere auf Wild hetzen. Oft begegne sie Unwissenheit oder Ignoranz der Hundebesitzer. Die meinen ihr Hund sei generell zu langsam und könne überhaupt kein gesundes Wild zur Strecke bringen. "Das ist falsch", sagt sie. Als Beispiel nennt sie trächtige Rehe, die über viele Monate ein Handicap haben.

Bereits einen Tag vor dem Fall bei Kobrow wurde eine andere Geschichte über einen Hund bekannt, der Wild hetzte: zwischen Cambs und Brahlstorf. Eine Frau in einem Golf, die mit einem Wildschein zusammenstieß, hatte berichtet, das Tier wurde von einem schwarzen Hund gehetzt. Der Hund verfolgte das angefahrene Tier dann auch nach dem Zusammenprall weiter (SVZ berichtete).

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