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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. Dezember 2017 | 15:59 Uhr

Groß Raden : Wikinger, Musik, Show und Familie

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden: „Burgwall im Licht“ findet bei Besuchern großen Anklang.

von
erstellt am 20.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Bevor die Besucher in die historische Burgwallanlage gelangen, treibt ein Wikinger seine Späße mit ihnen. Unter Helm und Waffen Respekt einflößend ausstaffiert, will er an der Brücke die Passierscheine sehen. Der lustige Wortwechsel, der sich daraus ergibt, stimmt originell darauf ein, was das Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden am Freitagabend bei „Burgwall im Licht“ bietet – Unterhaltung mit mittelalterlichem Flair, Musik, Feuer- und Lichtershow sowie vieles, um sich als Besucher selbst in ungewohntem Metier zu versuchen. Daniel Wirges aus Bendorf bei Koblenz ist einer von 15 Gastwikingern, wie er sagt, die in Rheinland-Pfalz und Berlin zu Hause sind und diesen Höhepunkt im Freilichtmuseum mitgestalten. Und seine Rolle zur Begrüßung der Besucher, die er ganz spontan außerhalb des Programms übernommen hat, macht ihm sichtlich Spaß.


Aus Dabel „das halbe Dorf“ dabei


Das halbe Dorf sei hier vertreten. Andrea Böhm aus Dabel übertreibt ein wenig, doch neben ihrem Lebensgefährten, den drei Kindern Antonia (13), Tim Lucca (7) und Kim Lara (6) sind auch Nachbarn um sie herum, insgesamt gut ein Dutzend Dabeler allein in dieser Runde. Die meisten sitzen gerade an einer der Feuerstellen und backen Knüppelkuchen. Dieser Abend sei mal was ganz anderes, so die einhellige Meinung. Großes Lob gibt es auch für den Trecker-Shuttle vom Parkplatz zum Freigelände.

Unweit sitzt an einem Baum Sigurd Silberhand, mit bürgerlichem Namen Julian Litta, und spielt Harfe. Aus seinerErfahrung seien Männer an diesem Instrument gar nicht so selten, sagt er. In der öffentlichen Wahrnehmung komme eine Konzertharfe auf der Bühne, gespielt von einer Frau mit langen blonden Haaren, sicher häufiger vor, räumt Silberhand schmunzelnd ein. Doch es gebe durchaus „relativ viele Männer, die Harfe spielen“. Er habe vor fast zehn Jahren damit angefangen und sich vor vier, fünf Jahren selbstständig gemacht. „Ich liebe dieses Instrument, weil es keine Bühne braucht, sondern eine Bühne schafft.“ Am liebsten spiele er wegen der passenden Atmosphäre in Museen oder unter großen Bäumen auf einer Wiese. Letzteres trifft in Groß Raden zu, der Baum hier auf dem Platz braucht allerdings noch Zeit. „Die Harfe wird meist mit leisen Tönen in Verbindung gebracht, aber tatsächlich trägt sie sehr weit“, sagt Sigurd Silberhand. Das fiel dem Sternberger Jan Markowski gleich auf, wie er später
gegenüber SVZ erzählen wird. „Ich habe schon am Eingang Musik gehört, aber nicht gewusst, woher die kommt, bis ich weiter hinten den Mann mit der Harfe sah.“

Silberhand spielt auf einer so genannten Hakenharfe, die zur Familie der keltischen Harfen gehört. Unterschiedliche Töne einer Saite würden von Hand über Haken bewirkt, eine Konzertharfe habe dafür Pedale, erklärt der junge Mann. Zudem sei die Bogenform seines Instrumentes selten, es sei speziell für ihn als Linkshänder gebaut worden.

Mit mittelalterlicher Live-Musik von „Fortuna Musica“ aus Neustadt-Glewe geht es weiter – der Lichtershow entgegen, die einem Vulkan vor dem Ausbruch nachempfunden ist. Die Show setzt Wikinger Furio Biondo aus Berlin in Szene, dessen Frau bei einer Eventfirma für Spezialeffekte arbeitet. Jetzt wird es von oben nass, die Besucher bleiben dennoch. Kleiner Trost: In Richtung Schwerin hat es viel früher in Strömen geregnet.

Museumsleiterin Heike Pilz zieht ein positives Resümee. Die Museumsnacht sei reibungslos abgelaufen und „gut angenommen“ worden. Rund 380 Besucher hätten zu ungewohnter Zeit den Weg zu der historischen Anlage gefunden. Bei Sonne am Nachmittag und besseren Wetteraussichten für den Abend wäre diese Zahl sicher noch deutlich höher ausgefallen, sind die Organisatoren überzeugt.

Wie es um das Slawenboot „Perun“ steht, das von Wikingern um Daniel Wirges vor dem Verfall gerettet und in Groß Raden endbehandelt wurde (wir berichteten), lesen Sie am Dienstag.

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