Besuch beim Förster : Wie geht es unserem Wald?

Im Wald führen die Bäume meistens unbeobachtet ihr geheimes Leben. Der Förster und Autor Peter Wohlleben meint sogar, dass Bäume fühlen können und miteinander kommunizieren.  Fotos: Katja Frick
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Im Wald führen die Bäume meistens unbeobachtet ihr geheimes Leben. Der Förster und Autor Peter Wohlleben meint sogar, dass Bäume fühlen können und miteinander kommunizieren. Fotos: Katja Frick

Ein Besuch in Schlemmin bei Forstamtsleiter Mathias Regenstein / Dramatische Entwicklung des Eschensterbens

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07. November 2017, 21:00 Uhr

Für den Wald war 2017 durch das regnerische und kühle Wetter ein gutes Jahr. Darüber informierte Mathias Regenstein, Leiter des Forstamtes Schlemmin, bei einem Gespräch mit der SVZ. „Für die Bäume waren die vielen Niederschläge in diesem Jahr kein Problem“, erklärt der Forstmann. „Für Insekten war der Witterungsverlauf nicht optimal.“

Gut sei vor allem, dass sich Nässe und die relativ kühlen Temperaturen auch negativ auf die Population von Schädlingen ausgewirkt haben – beispielsweise ging der Befall durch den Eichenprozessionsspinner (ESP) stark zurück. „Es gab 2017 nur wenige Fänge“, erläutert Mathias Regenstein. Für das Monitoring der Entwicklung des ESP werden in ganz Mecklenburg-Vorpommern zwischen dem 15. Juli und dem 31. August jeweils zwei Fallen pro Forstamt, Nationalparkamt, Bundesforstbetrieb sowie im Stadtforst Rostock aufgestellt und mittels Pheromon die Männchen angelockt. In diesem Jahr gingen aber nur so wenige Tiere in die Falle, dass nirgendwo wie in den Vorjahren in Ludwigslust-Parchim (LUP) das ESP-Bekämpfungsmittel per Flugzeug versprüht werden musste.

„In Dabel wurde ein ESP nachgewiesen und auch zwischen Lübz und Parchim“, informiert Regenstein. Insgesamt gab es in MV nur sechs ESP-Fänge, davon drei im Landkreis LUP. Neu ist das Vorkommen der Schädlinge an der Ostseeküste, bei Rostock ging ebenfalls ein Falter in die Pheromonfalle, ebenso auf Usedom. „Bislang war die Annahme, dass der ESP das atlantisch geprägte Klima in Küstennähe meiden würde“, heißt es dazu in der Waldschutzinformation der Landesforst. „Im Jahr 2017 ist eine weiter fortschreitende Ausbreitung des ESP im Land zu verzeichnen.“ Durch das niedrige Niveau der Ausbreitung macht sich der Schlemminer Forstamtsleiter jedoch im Moment wenig Sorgen um den ESP. Wie bekannt, verursacht der ähnlich wie ein Nachtfalter aussehende Schmetterling beim Menschen allergische Reaktionen. „Auch bei Tieren“, weiß der Förster. „Aber die Bäume stört er nicht.“ Die Nester der ESP könnten bis zwei Meter groß werden und würden wie Spinnweben aussehen.

Auch die Miniermotte, die die Kastanien befällt, bereitet Mathias Regenstein kein großes Kopfzerbrechen. „Wir sehen ja, dass die Kastanien damit leben können“, meint er. Dass die Blätter der Bäume vorzeitig braun werden, würde an einem Pilzbefall liegen, sei aber eben nur für Menschen unschön anzusehen. „Gegen Miniermotte und Pilzbefall kann man etwas tun, indem man im Herbst die herunterfallenden Blätter einsammelt. Das haben wir bei unserer Kastanie auf dem Forsthof gesehen“, ermutigt der Waldexperte.

Dem Borkenkäfer, von dem die Unterart Buchdrucker Kiefern und Fichten das Leben schwer macht, hat das für die Menschen unerfreuliche Wetter 2017 ebenfalls nicht gut getan. „Es gab sehr viele in der ersten Generation im Frühjahr. Aber für die zweite und dritte Generation war es dann zu kalt“, analysiert der oberste Förster in Schlemmin. „Glück gehabt!“

Wirkliche Sorgen bereitet Mathias Regenstein dagegen das Eschensterben. „Weniger als fünf Jahre, dann haben wir keine Eschen mehr. Wir hatten im Forstamt vorher 200 Hektar Eschen, jetzt sind nur noch drei Hektar übrig.“ Insgesamt gehören 15 000 Hektar Wald zum Forstamt Schlemmin, das sich von Satow im Landkreis Rostock über Warin und Bibow in Nordwestmecklenburg bis nach Sternberg im Landkreis LUP sowie Lüssow bei Güstrow erstreckt. Der Bunte Eschenbastkäfer, ebenfalls eine Borkenkäferart, bohrt die Eschen an und überträgt einen japanischen Fäulnispilz, der vor einigen Jahren durch Verpackungsmaterial nach Europa eingeschleppt wurde. Dieser Pilz verschließt die Versorgungsbahnen des Baumes, der dann beginnend bei den Triebspitzen von außen nach innen stirbt. „Leider gibt es kaum Forschungen dazu, dafür ist kein Geld da“, so Regenstein. Auf die Züchtung von bisher resistenten Exemplaren setzt er wenig Hoffnung. „Früher standen auf jedem Dorfplatz eine Linde und eine Esche“, bedauert er.

Die Germanen verehrten die Esche als Weltenbaum, der Himmel, Erde und Unterwelt verband, in dessen Schatten die Götter Gericht hielten und in dessen Wurzeln die drei Nornen das Schicksal der Menschen bestimmten ...

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