zur Navigation springen

Unbekannte manipulieren versteckt liegende Lichtschranke : Wer will Kanu-Zählung verhindern?

vom

Gut sichtbare so genannte Starenkästen an Straßen, die zu schnelle Autofahrer blitzen, werden häufiger beschädigt. Doch dass eine versteckte Messeinrichtung an einem Fluss manipuliert wird ist neu.

svz.de von
erstellt am 09.Jul.2013 | 05:33 Uhr

Sternberg | Gut sichtbare so genannte Starenkästen an Straßen, die zu schnelle Autofahrer blitzen, werden häufiger beschädigt. Doch dass eine versteckte Messeinrichtung an einem Fluss manipuliert wird - das ist neu. So geschehen im Warnowdurchbruchstal bei Groß Görnow. Dabei fotografiert dieses System in der Natur keinen einzigen Kanuten, um ihn zur Verantwortung zu ziehen. Es zählt nur deren Anzahl. Das soll Aufschluss darüber geben, wie viele Kanuten wirklich im Sternberger Seenland unterwegs sind.

"Wir gehen davon aus, dass jemand nicht will, dass die Fakten auf den Tisch kommen", sagt Naturparkranger Mario Krüger. Erst im April war die Zählstelle eingerichtet worden. Der Paddler-Radar war versteckt in einem hohlen Baumstamm. Der Naturpark machte den Test, ob die Lichtschranke wirklich nicht zu sehen ist. Dazu fuhr der stellvertretende Naturparkleiter Jan Lippke mit dem Kanu die Strecke entlang. Er wusste nicht, wo sich die Zählstelle befindet. Und fand sie auch nicht. "Wir waren zu 100 Prozent sicher, dass der normale Paddler sie nicht findet", so Krüger. "Da muss jemand aktiv danach gesucht haben."

Bis vor 14 Tagen funktionierte das automatische System noch gut und funkte in regelmäßigen Abständen seine Messergebnisse. In der Spitze wurden an einem Sonnabend zwischen 11 und 15 Uhr 180 Kanus gezählt. In dieser Woche machte Krüger den Test, ob die zuletzt übermittelten Zahlen noch stimmten. Eine Stunde lang wollte der Ranger parallel zum elektronischen System die Kanus zählen. Dabei stellte Krüger fest, dass die Kanuzählstelle von Unbekannten außer Funktion gesetzt wurde, indem das System um 90 Grad gedreht wurde.

"Nach unserer Meinung und der des Herstellers war die Zählstelle gut getarnt. Scheinbar doch nicht gut genug. Dankenswerter Weise wurde das Zählgerät nicht zerstört", so Naturparkchef Volker Brandt. Nach Aussagen der Naturparkverwaltung wurde die Zählstelle aus Steuermitteln bezahlt und dient nicht dazu, irgendwelche Beschränkungen im Warnowdurchbruchstal durchzusetzen. Stattdessen sollen die Daten als Grundlagen für eine künftige naturverträgliche Kanutenlenkung gesammelt werden, teilen Brandt und Krüger mit. Dabei gehe es beispielsweise um die Größe der künftigen Ein- und Aussetzstellen. Für das gemeinsame Anliegen von Naturpark und Kanuten, auf der Warnow eine funktionierende Wasserwanderlenkung zu erreichen, sei es kontraproduktiv , die Zählstelle zu manipulieren, heißt es weiter aus der Naturparkverwaltung. Denn ohne eine feste Grundlage seien Schritte in Richtung einer sinnvollen Wasserwanderlenkung und die Umsetzung von Zielen im FFH-(Fauna-Flora-Habitat)-Gebiet nicht möglich. Brandt und Krüger verweisen zudem darauf, dass es sich beim Warnowdurchbruchstal um ein Naturschutzgebiet handelt. Damit ist dieses Gebiet vorrangig ein Rückzugsraum für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten und sollte von den Besuchern, Kanuten wie Wanderern als solches verstanden werden. Dieser Status bestehe schon seit 1965. Es sei nicht gut für die Region und den Naturpark, dass Besucher das Warnow-Mildenitz-Durchbruchstal mittlerweile als "Vergnügungspark" bezeichnen. Die Naturparkverwaltung bittet alle Nutzer des Durchbuchtales, die Kanuzählstelle nicht mehr zu manipulieren, da sie helfe, Grundlagen für eine weitere Nutzung des Naturschutzgebietes zu schaffen. Das System geht wieder in Betrieb.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen