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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 04:55 Uhr

Hasenwinkel : Wenn Jungs an Robotern tüfteln

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Schüler aus Parchim, Wismar, Stralsund, Greifswald, Spantekow und Friedland nehmen am 10. Erfindercamp in Hasenwinkel teil.

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 17:33 Uhr

In beschaulicher Lage mitten im Grünen findet noch bis zum morgigen Freitag das 10. Nordmetall-Erfindercamp im Schloss Hasenwinkel statt. Hier treffen sich seit Montag junge Tüftler, um kniffelige naturwissenschaftliche und technische Aufgaben zu lösen. Und das trotz der wohlverdienten Herbstferien. Während die anderen relaxen oder sich in Freizeitparks austoben, arbeiten die 15 Teilnehmer – alles Jungs – hochkonzentriert an anspruchsvollen Projekten.


Programmierer schon mit dreizehn Jahren


Tim Prüß vom Friedrich-Franz-Gymnasium in Parchim und sein Partner Tede Herbst vom Schulzentrum am Sund in Stralsund haben die Aufgabe, einen Roboter so zu programmieren, dass er Holzzylinder aus einem Behälter holt, ihre Farbe bestimmt und sie danach sortiert. Daniel Schmidtberger, ebenfalls vom Friedrich-Franz-Gymnasium in Parchim, sorgt dann dafür, dass eine zweite Maschine die Zylinder wieder abräumt. Die drei arbeiten dafür mit einem Fischer-Technik-Bausatz und dem Programm „Robo Pro“. Für Tim ist das alles noch relativ neu. Er ist erst im Oktober in die Robotik-AG seiner Schule eingestiegen. Allerdings programmiert der Siebtklässler bereits seit zwei Jahren Websites, hat also technisches Vorwissen. Er möchte Fachinformatiker werden. Tede beschäftigt sich schon seit zwei Jahren mit der Robotik und will ebenfalls als Ingenieur einen technischen Beruf ergreifen. Beide haben übrigens sowohl in Mathe als auch in Physik eine eins in der Schule.

Einen Tisch weiter arbeiten Nico Bilske, Johannes Kändler und Markus Oettle vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wismar daran, ihre Roboter so zu programmieren, dass sie eigenständig auf 30 cm Entfernung ein Ziel (Cola-Dose) erfassen, es abschießen und sich danach das nächste suchen. Der 14-jährige Nico hat vor vier Jahren angefangen, sich vor allem für Lego-Technik zu begeistern und ist eher der Experimentierer. Er probiert so lange aus, bis es klappt. Die Robotik-AG seiner Schule hat viele Mitglieder. „Ab zehn habe ich aufgehört, mitzuzählen“, gibt er zu. Auch er möchte einen technischen Beruf ergreifen. Welcher das genau sein wird, kann er aber noch nicht sagen.

Vincent Kruse und Matthias Merlin Watzke von der „neuen friedländer gesamtschule“ navigieren einen Roboter mit Infrarot-Kamera durch ein verdecktes Labyrinth. Ihre Aufgabe ist es, einen Plan der Gänge anzufertigen. Vincent möchte später entweder in die Technik gehen, oder Apotheker werden. Matthias sieht sich eher als Anwalt. Für die optimale Steuerung des Roboters sorgt Magnus Richert vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Greifswald. Der 13-Jährige hat seinen beiden Kollegen bereits die Steuerung des Roboters durch eine Umprogrammierung erleichtert.

Von einem so umfangreichen Technikverständnis können Schüler anderer Schulen nur träumen. Denn „der Stundenumfang der naturwissenschaftlichen Fächer wurde in den letzten 20 Jahren halbiert“, weiß Detlef Brauckhoff, einer der Projektleiter vor Ort. Der Diplom-Mathematiker ist davon überzeugt: „Man kann nicht erwarten, dass Schüler hinterher im technischen Bereich genauso gut geschult sind wie vor 20 Jahren. Wir versuchen mit unseren Projekten, diese Lücke auszugleichen.“ Das Bildungswerk der Wirtschaft MV fördert daher mit dem Projekt „CreateMV“ und der Ausstattung von Schul-AGs systematisch die Bildung von Schülern in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Zu den Schulen der ersten Stunde beim Camp in Hasenwinkel zählen das Franz-Gymnasium in Parchim, das Hauptmann-Gymnasium in Wismar sowie das Hansa-Gymnasium in Stralsund. Sie alle sind seit zehn Jahren dabei. „Teilweise haben wir sogar erreicht, dass Fischer- Technik (Baukästen, Anm. d. Red.) fester Bestandteil des Unterrichts geworden ist“, weiß Detlef Brauckhoff und zeigt sich sichtlich stolz über das große Interesse an den Robotik-AGs. Er selbst hat sich schon in seiner Jugend für Technik interessiert. Studiert hat er das, „was am Schwierigsten war“ – Mathematik. Erst beim Studium wurde ihm klar, dass Physik vielleicht doch schwerer ist...

Seit 2011 organisieren Brauckhoff und sein Team auch den jährlichen Robotik-Wettbewerb, bei dem sich Tüftler-Teams an anspruchsvollen Aufgaben versuchen. Seit der Schwierigkeitsgrad etwas angepasst wurde, herrscht allerseits reges Interesse. Haben sich vorher gerade mal sieben Teams angemeldet (und höchstens ein bis zwei die Aufgabe erledigt), sind es heute 25. Darum wolle man am neuen Konzept festhalten, so der Diplom-Mathematiker.

Doch im viertätigen Nordmetall-Erfindercamp geht es nicht um Wettbewerb, sondern um effektive Teamarbeit. Spannend: Das sonst so niedrige Frustrationspotenzial von Schülern ist bei den 15 Anwesenden deutlich besser ausgeprägt. Sie können locker bis zu einer Stunde ohne klares Ergebnis arbeiten, ohne die Lust am Projekt zu verlieren. Einer der vielen positiven Nebeneffekte des Projektes.


Nachwuchs wird gefördert


Der Einsatz von Detlef Brauckhoff und seinen Kollegen lohnt sich schon jetzt. Denn ihr Ziel ist es, den Horizont der Schüler zu erweitern und dafür zu sorgen, dass der eine oder andere vielleicht tatsächlich einen technischen Beruf ergreift.

Besonderes Talent braucht man übrigens für das Camp nicht, wie Brauckhoff betont. „Interesse ist das Wichtigste. Danach ist es eine Geschichte der Logik. Für jemanden, der eine Problematik noch nicht begriffen hat, ist es eine unüberwindbare Hürde. Ab dem Moment aber, wo man es begriffen hat, wird es ganz einfach.“


 

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