Comedy beim Dorf- und erntefest : „Wenn die Sintflut kommt, surfen wir die Welle“

Bauer Korl auf dem 53. Dorffest von Dorf Mecklenburg.
Bauer Korl auf dem 53. Dorffest von Dorf Mecklenburg.

Bauer Korl aus Golchen als „Folkspfilosoff“ beim Dorffest in Dorf Mecklenburg / Eines von gleich fünf Auftritten am Samstag

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14. September 2015, 20:00 Uhr

Sein Markenzeichen lautet: „Es gibt viel Comedy, aber nur eine, die absolut letzte Ost-Comedy – Bauer Korl“. Damit tourt er seit Jahren erfolgreich durch die hiesigen Lande.

Diesen Samstag führte es ihn etwa zum 53. Dorf- und Erntefest nach Dorf Mecklenburg. Seine zahlreichen Fans warteten schon im Festzelt auf Bauer Korl, alias Jörg Klingohr aus Golchen bei Brüel. Der „Folkspfilosoff“ hatte allerdings gute 20 Minuten Verzug. Manche witzelten, „Bauer Korl“ finde Dorf Mecklenburg nicht. Dabei war er bereits 2013 beim Dorffest. Die Sache löste sich auf: Statt elf stand zwölf Uhr im Vertrag…

Bauer Korl – mit typischem karierten Hemd, dicker Brille und Hosenträger als Markenzeichen – betrat die Festzelt-Bühne und legte sogleich los. Um die „Wahrheit zu sagen im einzigen Ort, wo das Herz von Mecklenburg wirklich schlägt“. Stand in Dorf Mecklenburg doch einst die Mikelinburg (= „große Burg“) die dem Landesteil seinen Namen gab. Am 10. September jährte sich die erstkundliche Erwähnung zum 1020sten Mal…

„Warum ist kein Mecklenburger im Dschungelcamp?“, fragt der Komiker vom Lande und schiebt die Antwort sogleich hinterher: „Weil hier der Dschungel tobt!“

Solcherart die Lachmuskeln der Zuhörer auf Betriebstemperatur gebracht, kommt die große Politik an die Reihe. „Geld spielt in Mecklenburg keine Rolle, … weil wir gar keines haben“; oder beim Thema Krise fragt der Golchener in die Runde: „Kommt die neue oder bleibt die alte? Wir sind die wahren Krisenbewältiger. Wenn in Mecklenburg die Sintflut kommt, dann surfen wir die Welle!“

Und auch die NSA durfte nicht fehlen samt Abhören des Kanzlertelefons von „Anschela“ Merkel. Weil die Amis so frustriert seien, „dass sie das Handy von Erich Honecker nicht abhören konnten“. Ja, so ganz ohne Mit- und Nachdenken kommen die zumeist etwas älteren Zuhörer nicht davon. Die hätten in 25 Jahren „Veränderungen mitgemacht, da wissen wir heute noch nicht, ob wir sie brauchen“, räsoniert der „Folkspfilosoff“.

Viele Gags und Anspielungen versteht nur der eingeborene Neufünfländer auf Anhieb. Etwa zum Saporosch (Polizist: ,Verkehrskontrolle. Machen Sie mal die Motorhaube auf… Oh, das ist ja gar kein keiner.‘ Darauf der Fahrer: ,Macht nix, hinten habe ich noch einen – als Ersatz.‘).

In dem Kontext verpackt Bauer Korl auch Ernsteres wie: „Mit Ich wird kein Dorf schön. Wir müssen zum Wir zurück!“ Dann verabschiedet er sich mit den Worten. „Es gibt ein riesiges Problem, was auf uns zukommt. Wichtiger als Besitzdenken ist Moral und Haltung. Menschlichkeit ist wichtiger als alles andere – auch wenn’s Probleme gibt.“ Sprach’s und düste zu den nächsten Auftritten. Von Dorf Mecklenburg ging’s zum Dorffest nach Göhren-Lebbin sowie zu einer Privatfeier in Neubrandenburg. „Auf dem Golchener Hof habe ich auch noch zwei. Samstags sind’s stets drei bis fünf Auftritte. 200 bis 250 im Jahr kommen da zusammen.“

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