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Assistenzhund-Verein in Zülow gegründet : Wenn der Hund zur Treppenhilfe wird

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Sieben Mitglieder hoben in Zülow bei Sternberg einen Assistenzhunde-Verein aus der Taufe. Ziel: Thematik in die Öffentlichkeit zu tragen.

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erstellt am 03.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Bereits in der Antike sind auf Wandmalereien Hunde zu sehen, die „ihren“ Menschen führen. Als Folge des 1. Weltkriegs schließlich, als viele Soldaten mit schweren Kopfverletzungen sowie erblindet zurückkehrten, wurden in Deutschland als einer Art „Wiedergutmachung“ die ersten Blindenführhunde ausgebildet und ab 1916 auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II. kostenlos an die Betroffenen abgegeben.

Eine rechtsverbindliche Bezeichnung, was Assistenzhunde sind, gibt es bisher noch nicht. Im Gegensatz etwa zu einem Drogenspür-, Lawinen- oder Begleithund lässt sich jedoch folgende Spezifika aufstellen: Ein Assistenzhund ist ein speziell und individuell ausgebildeter Hund; und zwar immer nur konkret für einen Menschen mit Behinderungen oder schweren chronischen Krankheiten. Für die Betroffenen ist solch ein Hund eine „persönliche Assistenz“ und „medizinisches Hilfsmittel“. Bisherige Einsatzgebiete u.a.: Autismus/Asperger, Epilepsie, Diabetes Typ 1, Schlaganfall, Asthma, Allergien (vorwiegend lebensbedrohliche Erdnussallergie), Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und LPF (lebenspraktische Fertigkeiten). Die Ausbildung eines Assistenzhundes (spezielle Grundsozialisierung  mit anschließendem Training mit dem Menschen) dauert mindestens zwei Jahre und kostet ca. 20.000 Euro. Ein Assistenzhund lebt und arbeitet dann auf Jahre bei und mit seinem Menschen.

Auch heutzutage übernehmen die Krankenkassen die Kosten bei Blindenhunden. Anders verhält es sich bei Assistenzhunden, wie Ilona Bartels und Thomas Hansen aus Zülow im SVZ-Gespräch erläutern. Assistenzhunde seien bisher keine Leistung im Hilfsmittelkatalog der Kassen. Mit fünf weiteren Personen haben die Zülower im vergangenen Monat den „Associata-Assistenzhunde-Verein“ (Associata steht für „gemeinsam stark“) ins Leben gerufen. Ziel des rechtlich noch „in Gründung“ befindlichen Vereins ist es, neben Spenden sammeln das allgemeine Bewusstsein für diese Thematik zu schärfen. „Vieles läuft derzeit auf der Mitleidschiene“, betont Vereinsvorsitzender Hansen, der sich erfreut zeigt, dass am 7. Dezember 2016 „das Land Niedersachsen dem Bundesrat eine Empfehlung zur Anerkennung von Assistenzhunden zugeleitet hat“.

Das Engagement von Thomas Hansen und Ilona Bartels hat auch einen privaten Hintergrund. Tochter Judith Bartels – ebenfalls Mitglied im Verein – bildet gemeinsam mit dem Quickborner Bernardo A. Miranda in Alt Jabel bei Dömitz Assistenzhunde aus. Als Helfer für Menschen etwa mit Autismus bzw. Asperger-Autismus, für Epileptiker oder Patienten mit eingeschränkter Mobilität. Dabei wird solch ein Hund ganz speziell für einen Menschen über mindestens zwei Jahre umfangreich geschult. Die Ausbildung ohne und mit dem Menschen, bei dem der Vierbeiner dann jahrelang lebt und arbeitet, kostet um die 20 000 Euro.

Erkennt Panikattacke, bevor sie beginnt

Wie man sich die Arbeit eines Assistenzhundes vorstellen muss, erläutert Ilona Bartels an folgendem Beispiel: „Bei einem Spastiker lernt der Hund, wenn das Telefon klingelt, das Telefon zu holen und so lange in der Pfote zu halten, bis er erkennt, dass der Spastiker eine ruhige Hand hat.“ Oder bei einem Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungstörung erkenne der Vierbeiner „eine Panikattacke, bevor sie beginnt“. Er führt seinen Begleiter dann etwa aus der Menschenmenge heraus zu einem ruhigeren Ort. Auch rieche, so Ilona Bartels, der Hund bei einem Diabeteskind, wenn dieses nachts stark unterzuckert und „weckt dann die Eltern“. Und der von Judith Bartels ausgebildete Labrador-Mix „Beau“ arbeite bereits seit gut einem Jahr erfolgreich bei einem an Autismus erkrankten Jungen im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Neben dem Einwerben von Spenden, die als Überbrückung bis zur Bewilligung staatlicher Unterstützung dienen sollen und dann zurückgezahlt werden, um das Geld so dem nächsten Betroffenen zukommen zu lassen, haben Ilona Bartels und Thomas Hansen eine Vision: ein Zentrum für Assistenzhundeausbildung mit Begegnungsraum, Café sowie Arbeitsplätzen für Behinderte im Rahmen der Sozio-Therapie. Ilona Bartels: „Wir suchen nach einem geeigneten Objekt.“  

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