Witzin : Weitere Ehrung fürs Ehrenamt

Mehr als 220 Teilnehmer brachte die Witziner Dörpschaft bei der Osterwanderung in diesem Jahr auf die Beine. Es ging durch Wald und Flur zu den Zülower Eichen.
1 von 3
Mehr als 220 Teilnehmer brachte die Witziner Dörpschaft bei der Osterwanderung in diesem Jahr auf die Beine. Es ging durch Wald und Flur zu den Zülower Eichen.

Deutscher Nachbarschaftspreis 2017: Das Projekt „Wir in Witzin“ wird Landessieger und für den Bundesausscheid nominiert.

von
05. September 2017, 21:00 Uhr

Die Anzahl und erst recht die Vielfalt der Veranstaltungen, die jedes Jahr stattfinden, dürften für ein Dorf mit knapp 500 Einwohnern einzigartig sein – von Neujahrswanderung, Osteraktivitäten mit Wanderung und Entenrennen über Fahrrad-Rallye, Familienkreuzweg, Singen unter der Linde, Heimatquiz, Skater-Hockey, Drachenfest, Wasser- und Dorffest bis lebendigem Adventskalender und Silvesterlauf. Hinzu kommen Skat und Würfeln, Gemeinschaftsangeln und vieles mehr. Die Vereine kümmern sich um die Organisation.


Schon einen Oscar nach Witzin geholt


Oft steht die Dörpschaft, in Vorbereitung der 775-Jahr-Feier von Witzin 1996 als Heimat- und Kulturverein gegründet, mit an der Spitze. Sie beteiligte sich auch am Wettbewerb des Netzwerkes Nachbarschaft um „Die schönste Straße Deutschlands“ und erhielt 2013 eine Prämie. 2014 gab es eine Siegerurkunde im Jubiläumswettbewerb „Die schönsten Nachbarschaftsaktionen“ und als bisherige Krönung 2016 den Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Generationen verbinden“. Das ist der Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland, gewissermaßen der Oscar für das Ehrenamt.

Jetzt geht eine weitere Auszeichnung in das kleine Dorf an der B 104 zwischen Sternberg und Güstrow. Das Projekt „Wir in Witzin“ wird als Landessieger von MV mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis 2017 geehrt. Damit verbunden sind 2000 Euro Preisgeld und eine Nominierung für den Bundespreis, der am 13. September in Berlin bekannt gegeben und von Innenminister Thomas de Maizière als Schirmherr überreicht wird.

Innerhalb weniger Wochen hatten über 1300 nachbarschaftliche Projekte aus ganz Deutschland ihre Bewerbungen eingereicht. Die nebenan.de Stiftung prüfte alle und traf zunächst eine Vorauswahl von 66 Projekten. Aus denen kürte eine zehnköpfige Expertenjury am Wochenende die 16 Landessieger, wie am Montagabend bekannt gegeben wurde.

Die Dörpschaft habe den Anstoß für die Bewerbung gegeben und sie auf den Weg gebracht, sagt Bürgermeister Hans Hüller und freut sich, dass „eine gute Mischung“ der Aktivitäten aller herausgekommen sei. Darauf, dass es „eine gemeinsame Geschichte des gesamten Dorfes“ ist legt auch Willfried Thomä, Vorsitzender der Dörpschaft, größten Wert. „Alle Vereine sind daran beteiligt.“

Die rund 500 Nachbarn in der Gemeinde würden sich mit dem Abbau von sozialen und infrastrukturellen Einrichtungen nicht einfach abfinden, sondern die Geschicke des Dorfes selbst in die Hand nehmen und als Gemeinschaft neue Perspektiven schaffen, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe. Den ehrenamtlichen „Dorfmachern“ sei es mit der Ansiedlung eines Bio-Landwirtschaftsbetriebes gelungen, drei neue Arbeitsplätze und sieben weitere im Dienstleistungsbereich und in ortsansässigen Betrieben zu schaffen. Auch wurde die Mitte Juli 2012 geschlossene Kindertagesstätte nach viereinhalb Monaten mit einem anderen Träger wieder eröffnet. Zudem würdigt die Jury, dass der neue Mannschaftstransporter der freiwilligen Feuerwehr zum ehrenamtlichen Bürgerbus wurde und es seit 2015 wieder einen Dorfboten gibt, der wie vor 100 Jahren durch den Ort zieht und die Nachbarn über Wichtiges und Neues informiert. Ihm mache das noch immer viel Spaß, „vor allem mit den Zwergen“, sagt Albrecht Grimm und meint damit seine drei Enkelkinder. Die nächste Runde werde er Ende September drehen, weil dann wieder einige Termine anstünden.


Beim Arbeitseinsatz 80 Teilnehmer


Anerkennung bei den Juroren fand ebenso, dass „die Nachbarn einen Spielplatz gebaut und einen Ort für gemeinsame Feste errichtet“ hätten. Das sei dieses Jahr ein Schwerpunkt gewesen, fügt Thomä an. Am Arbeitseinsatz im Frühjahr hätten sich rund 80 Leute beteiligt.

Mit einem hervorragenden dritten Rang 2015 im 9. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“ hatte Witzin knapp den Bundesausscheid verpasst. Vielleicht klappt es diesmal mit einem der drei Bundespreise in Sachen Nachbarschaft. Die Gewinner werden wiederum für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen, den Oscar für das Ehrenamt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen